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Der Israelit · 1868-09-30 · Heft 40-41 (30.9.1868) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 40-41 (30.9.1868)
Date
1868-09-30
Page
– (sequence 25)
Language
German
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IX. Jahrgang. ..Beilage ju tlr. 4Ü & 41 des IsraM. Ueber Ursprung und Charakter der hebräischen Sprache. Von Di'. Aron Hirschfeld. (Fortsetzung.) So gehören zwar die Kanaaniter zu den Hamiten, deren Sprache sie wohl anfangs getheilt haben möten. Da sie nachher mit den Hebräern eine längere Zeit noch im Lande der Hebräer wohnen geblieben sind, und die Sprache daher die allgemein herrschende in dem eroberten Lande geworden ist, so vertauschten sie auch die ihrige mit der hebräischen Sprache. Denn nie wird eine Verschiedenheit hinsichtlich der Sprachen dieser beiden neben- und miteinanderwohnenden Völker erwähnt, wie diese deutlich nicht nur in Betreff Egyptens (Ps. 81, 6; 114, 1), sondern auch solcher Völker, welche verwandle Mundarten, z. B. das Aramäische im Munde eines Assyrers (Jes. 36, 11), das Ostaramäische der Chaldäer, redeten, sich zeigt. Nach der Sprachenverwirrung ist diese Ursprache aber, die sich nur zunächst in unendlich viele, mehr oder wenig von ihr entfremdete Mundarten zertheilt, bei der Familie des Sem, dem Erstgebornen des Noah, als des Erhalters des Menschengeschlechts, in ihrer Reinheit geblieben. Denn vermöge deö Erstgeburtsrechteö, das besonders im Alterthum und dies schon im patriarchalischen Zeitalter (vergl. Michaelis Mosaisches Recht Th. II. §. 84) viele Prärogative und Privilegien besaß, gebührte dem Aeltesten der Noachischen Familie besonders das Theuerste des Vaters; und gewiß konnte diesem nichts Besseres zum Erbtheile aus dem väterlichen Nachlasse gegeben werden, als die Ursprache, diese heilige Tochter des Himmels. Wahrscheinlich erhielt sich diese Ursprache in ihrer Reinheit, ohne sich in verschiedene Mundarten zu zerspalten, bis zu Thera, der sie wiederum seinem ältesten Sohne, dem Abraham, als das kostbarste Kleinod zur Aufbewahrung übergeben, während sie durch Nachor, der in Ur-Chasdim blieb, bald in einen andern, den sogenannten ostaramäischen Dialect umgewandelt worden ist, von welchen schon früh bei Laban (Genes. 31, 47) Spuren Vorkommen. Auf dieselbe Weise erbte Jsaac, als der rechtmäßige Sohn und Erbe seines Vaters, jene Muttersprache, während Jsmael frühzeitig aus dem väterlichen Hause entlassen worden ist, der aller Wahrscheinlichkeit nach als der Vater der arabischen Sprache anzuerkennen ist, wie dies auch das Buch Cosri (2, 68) nicht mit Unrecht berichtet. Auch Jacob, dem das Recht der Erstgeburt von seinem Bruder abgetreten wurde, bewahrte diese von seimm Vater ererbte Sprache in ihrer ursprünglichen Reinbeit sogar in dem Hause seines eine andere Sprache redenden Oheims, und übergab sie seinen sämmtlicken Kindern ohne Ausnahme, da sie alle gottdurchdrungen und ihrer gleichmäßig würdig waren, als ein gemeinsames Erbtheil, die sie mit nach Egypten nahmen und auch dort unverfälscht zu erhalten sich alle Mühe gegeben hatten. (Vergl. Midr. Bereschith R. Cap. I, Vajikr. 32 und Ächir Hasckirim Rabba.) Hieraus ergibt sich aber, daß, da die Erstgebornen in jener Zeit die eigentlich geweihten Diener Gottes an der Stelle der später statt ihrer eingesetzten Priester waren, und gerade diesen, wie hier gezeigt worden, die hebräische Sprache als besonderes, wohlzubewahrendes Erbtheil von Vater auf Sohn überliefert ^worden ist, sie auch damals schon als eine heilige Sprache gehalten worden ist, deren Erhaltung, den Erstgebornen, die sie als ihr vorzüglichstes Eigenthum hochschätzten, auch als Gottesdienst obliegen mußte. Es ist demnach mehr als wahrscheinlich, daß, wie das Buch Cosri (idiä.) bemerkt, schon von Abraham sie als eine heilige Sprache hoch und hehr gehalten worden ist. Und wenn wir euch den Namen Nanip“! erst später in den Targurim (1 Mos. 11, 1; 31, il; 31, 47; 45, 12) finden, so ist dies noch kein Beweis, daß sie nicht schon ganz früh als solche gehalten und verehrt worden ist. *) Nach diesen Bemerkungen scheint es nun ziemlich klar zu sein, daß die hebr. Sprache die Mutter aller Sprachen sei, obschon gegen diese Behauptung in alter und in neuer Zeit viel gestritten worden ist. Da aber, wie hier noch dargethan werden soll, die Poesie das erste und älteste Erzeugniß, durch die gegenseitige Befruchtung des Herzens und des Geistes, als fest und sicher angenommen, die Poesie zuvörderst abernur vermittelst der Sprache dargestellt werden kann: so muß auch demnach in der hebr. Sprache gleich in ihrer ersten Entwickelungsperiode ein Fond zur Producirung der Poesie gelegen haben. Inwiefern aber in dieser Sprache ein solcher poetischer Fond verborgen liege, sei der Gegenstand unserer jetzigen Untersuchung. *) Inwiefern aber die hebr. Sprache eine heilige genannt zu werden verdient, hat mein Schwiegervater in seinem nicht genug hochzuschätzenden gelehrten Werke oder „die kostbare Perle" von Seite 147 bis 154 gründlich nachgewiesen. 999999

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