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Der Israelit · 1868-09-30 · Heft 40-41 (30.9.1868) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 40-41 (30.9.1868)
Date
1868-09-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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755 und Herr S. Ullmann den zweiten für 2400 Dollars (6000 fl.) Die Gemeinde konnte mit dieser eingeangenen Summe ihre Schulden decken und hat noch 0 Plätze übrig. Feuilleton. Water und Sohn. Achtes Kapitel. Der ZSeamte. Als Ulrich und Julius — so wollen wir von nun an den Apostaten nennen — ihre Studien vollendet hatten, traten sie in das Verwaltungsfach ein. Es war in den vierziger Jahren, in der Periode, in welcher Kaiser Nicolaus große Reformen anstrebte, um durch die Civilisation im Innern Rußland zu befähigen, die Hegemonie in Europa zu erringen und den Orient der russischen Herrschaft zu unterwerfen. Vor allen Dingen war der Czar bestrebt, der Corruption und Bestechlichkeit der Beamten ein Ziel zu setzen. Man bedurfte dazu befähigter Männer, und Julius erregte die Aufmerksamkeit seiner Dorgesetzen. Nachdem er viele heikelige Aufträge in wahrhaft überraschender Weife vollzogen, gar manches Schlimme ans Tageslicht gefördert und Abhilfe ermöglicht hatte, stieg er von Stufe zu Stufe, seinen Schwager mit sich emporziehend, für den er alle von ihm verlangten Arbeiten verfertigte. Nach wenigen Jahren hatte er es bis zum Justizrathe gebracht und wurde als solcher im Justizministerium in Petersburg beschäftigt, während sein Schwager zum Departementschef ernannt wurde. Julius war feit einigen Jahren verheirathet und feine Hrau hatte ihm ein Söhnchen geboren, welches er Iwan nannte. Um diese Zeit schaltete im Gouvernement G. der dortige Gouverneur mit der größten Willkür und Gewissenlosigkeit; eine Gewaltthat folgte der andern, und namentlich waren es unsere armen, schutzlosen Glaubensgenossen, welche am meisten darunter zu leiden hatten; leider waren es auch entartete Söhne unseres Volkes, welche dazu die Hand boten. In G. lebte ein reicher, jüdischer Mann NameS Bolonski, welcher den damals sich auch in Rußland Bahn brechenden modernen jüdischen Anschauungen huldigte; er hatte seinen Sohn zum Apotheker ausbilden lassen und wollte ihm eine Apotheke bauen; zu diesem Zwecke erwarb er einen Platz, welcher vor langer Zeit zum jüdischen Begräbnißplatze gedient hatte. Vergebens machte der Rabbiner von G. geltend, daß die Nachkommen des Hohenpriesters Ahron, die Kohanim, die Apotheke besuchen und dadurch zu Sünde kommen würden; als sein Protest nichts nützte und die Apotheke dennoch auf dem erwähnten Platze erbaut wurde, that sie der Rabbiner in den Bann. Bolonski's Wuth entbrannte nun gegen den Rabbiner, und er denuncirte denselben beim Gouverneur, indem er behauptete, der Rabbiner sende viel Geld aus Rußland an die Armen in Palästina, was damals nicht gestattet war. Eine Haussuchung fand statt, und eS wurden dreißigtausend Rubel beim Rabbiner vorgefundm. Wiewohl dieser nun zu erweisen sich anheischig machte, daß das Vorgefundene Geld nicht den angegebenen Zweck habe, sondern aus Depositen bestehe, welche processirende Parteien bei ihm niedergelegt hatten,*) so ließ der Gouverneur dennoch den Rabbinen in's Gefängniß werfen. Die jüdische Bevölkerung von G. war in die tiefste Trauer versetzt, und die Rabbinatsassessoren (Dajanim) thaten den Urheber des Unglücks, Bolonski, in den Bann; aber auch an diesen wußte sich der alte Schurke zu rächen; er, der den Gouverneur bestochen hatte, klagte die Dajanim an, sie wiegelten das Volk zum Fanatismus auf und verleiteten es, die Häuser der modernen Juden in Brand zu stecken. Einige damals vorgekommene Feuersbrünste mußten den Anlaß dazu geben. Auch die Dajanim wurden ins Gefängniß geworfen. Nunmehr aber erregte das Schicksal der Unglücklichen die größte Theilnahme; eine Deputation begab sich nach Petersburg, um sich direct beim Minister für die Eingekerkerten zu verwenden; eö gelang, die Unschuld derselben nachzuweisen, und der Befehl zu ihrer Freilassung wurde ertheilt; aber wie eine Gewaltthat stets die andere erzeugt, so suchte sich jetzt der Gouverneur an dem Führer der Deputation zu rächen. Mit Hilfe Bolonski's gelang es ihm, gegen diesen unschuldigen Mann einen Proceß anzustrengen; man beschuldigte ihn, Gold inS Ausland versandt zu haben, was damals streng verboten war; der unschuldig Angeklagte, rechtzeitig gewarnt, zog es vor, zu entfliehen, um dem Kerker zu entgehen — seine zahlreiche Familie mußte ihren Ernährer und Versorger entbehren. — Nunmehr war eS dem Gouverneur gelungen, Alles einzuschüchtern, denn Keiner wagte mehr seiner Rache zu trotzen. Ungescheut häufte er nun Gewaltthat auf Gewaltthat, und das Leben und das Eigenthum seiner Untergebenen war in jedem Augenblicke bedroht. Etwas aber mußte doch von dem Treiben des Gouverneurs zur Kunde des Justizministers gelangt sein, den der Justizrath Rosenstrauß erhielt den Befehl, die Gefängnisse von G. zu inspiciren und dabei mit der größten Vorsicht zu verfahren. Ohne, daß er vorher gemeldet war, kam der kaiserliche Justizrath an und verlangte, daß man ihm die Gefängnisse öffne. Ehe das geschah, machte ihm *) Bejad Schalisch.

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