Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1868)
- Date
- 1868-09-09
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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auf einen ziemlich hohen Standpunkt der Ausbildung gebracht haben, die durch die lange Dauer seines Lebens, durch den östern Umgang mit Gott, seinem Lehrer und Erzieher, und durch die verschiedenen, ihm dargebotenen Verhältnisse des Lebens schnell und leicht ihre vollkommene Ausbildung erlangt haben mochte, weßhalb sie bald den Typus annehmen konnte, der diese Sprache noch jetzt characteristrt, zumal, da ihre grammatische Bildung, wenn auch, an und für sich betrachtet, nicht gering,*) doch im Verhältnis; zu andern, namentlich den sogenannten classischen Sprachen, nicht so hoch angeschlagen werden darf, als man es zu thun gewohnt ist. Denn erstens besitzt sie nur zwei Tempora, als das natürlichste Erzeugnis ihrer ersten Bildung, ebenso auch nur zwei Geschlechter ans dc.nselben Grunde; sernee scheinen auch alle wesentlichen Momente, die sie von den abendländischen Sprachen unterscheiden, unsere Behauptung nur noch fester zu begründen. Hierzu gehört namentlich die Eigemhümlichkeit, daß sie Kehl hauche liebt, die sür unser Organ säst unnachahmlich sind. Denn die erste Sprache konnte nicht anders als ätherisch sein. Der Hauch war das wesentlichste Moment in ihr; die Rede war ganz nur Spiritus, ein sortgehender Hauch und Geist des Mundes. Der Ton wurde aus der Tiese der Brust hervorgeprcßt und machte sich durch ein leises Wehen hörbar. Hier liegt auch gewiß die nächste Verwandtschaft der Sprache mit dem Geiste, weßhalb auch im Hebräischen sür Wehen und Geist — — wie für Athmen und Seele — — ein und derselbe Ausdruck gilt. Aus diesem Grunde ist eö auch erklärlich, worum ursprünglich die hebräische Sprache der Vocale ermangelt mit Ausnahme der matres lcc'.ionis (ri, i, u). Diese Schreibart, sagt Herder (Urspr. S. 23), ist dem Lause der gesunden Vernunft so entgegen, das Unwesentliche zu schreiben und das Wesentliche auszulassen, daß sie den Grammatikern unbegreiflich sein müßte, wenn Grammatikerhäufig zu begreifen gcwobut wären. Bei unö sind die Vocale das Erste, gleichsam die Thürangeln der Sprache, bei jenen werden sie nicht geschrieben — warum? Weil sie nicht geschrieben werden konnten. Ihre Aussprache war so lebendig und so sein orge.nisirt, ihr Hauch war so geistig und ätherisch, daß er verduftete und sich nicht in Buchstaben fassen ließ. Nur erst bei den Griechen wurden diese lebendigen Aspirationen in förmliche Vocale aufgesädelt, denen doch noch Spiritus n. s. w. zu Hilfe kommen mußte;! da bei den Morgenländern die Rede gleichsam ganz Spij ritus, ein sortgehender Hauch und Geist des Mundes > war, wie sie sie auch so oft in ihren malenden Gedichten benennen. Es war Odem Gottes, wehende Luft, die das Ohr vernahm; die tobten Buchstaben, die sie hinmalten, waren nur der Leichnam, der lesend mit Lebensgeist beseelt werden mußte. — Zum Mangel ihrer grammatischen Bildung gehört ferner, daß sie keine Kasusordnungen, keine Form sür die Komparation hat; bei'm Pronomen bezeichnet sie alle 6S8US obiiqui durch Snffixa. So entbehrt sie auch fast aller Composita im Nomen wie im Verbum. Ihre Syntax endlich hat etwas Einfaches und die Diction ist höchst nnperiodisch. Ziehen wir nun diesen grammatischen Ban zusammen, so sehen wir klar, daß er so einfach ist, wie ihn die Ursprache auch nur haben konnte, zu dessen Ausbildung daher auch nicht, wie man glaubt, Jahrhunderte erforderlich fein mußten, sondern bald vom ersten Menschenpaar wohl ansgebildet fein konnte.*) Rechnen wir zu dem bereits Gesagten auch noch die Stammwörter hinzu, die in der Regel zweisilbig sind und aus drei Buchstaben bestehen, ferner, das; diese mehr im Verbum als im Nomen liegen: so gewinnt unsere Behauptung noch ein bedeutenderes Gewicht. Denn wohl scheint es festzustehen, daß die Ausdrücke der ersten Menschen wohl nicht anders als einsilbig gewesen sein mochten, weil die Entwickelung ihres Geistes noch in der Wiege lag; weßhalb auch die chinesische Sprache nnsrlbig geblieben ist, weit die Chinesen gleichfalls in der Kultur noch nicht weit vorgeschritten sind. (Fortsetzung folgt.) *) Die schwache und fast aller Stütze ermangelnde Vermuthung Gcsenius (ibid. §. 7, 4), daß die hebe. Sprache selbst gewisse Erscheinungen;u enthalten scheint, die auf deren Ausbildung in Kanaan führen, verliert durch den dort angeführten Beleg, das; nämlich c>, Meer, für Westseite gilt, welches nur für Kanaan paßt und daß ohne diesen Ausdruck es keinen andern gebe, seine ganze Stütze und Basis, indem ja der einige Mal in der Bibel rorkommcnde Ausdruck rnrr ton die Westgegcud noch klarer als s> bezeichnet und ganz dem occidens entspricht, und sogar noch schöner und poe-ischcr als jener klingt. Außerdem, daß er für Westen im Allgemeinen <Ps. 50, 1. 113, 3) gebraucht wird, findet er sich auch st,. Mos 11, 30), wo sogar '-a-rro pfa dabei steht und Jos. 1, 4 anbei O' l.vergl H. G d. h. P. Th. 1. Gesp. 10 Ans.). Und abgesehen von dieser Westbezeichnung, hat die hebr. Sprache noch den Ausdruck sür dieselbe Himmelsgegend, gleichfalls allgemeiner, prägnanter als c>. Demnach wäre dieser letztere Ausdruck für Westen viel später ausgenommen, als die beiden andern, und daher kein G und vorhanden, anzunehmen, daß die hebr. Spr. in Kanaan erst ausgebildet worden ist. *) G. b. hebr. P. Th. I. S. 340. Eichh. Einleitung Th. I. §• 10. Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Sioux'fchen Hofbuchhandluno. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.