Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1868)
- Date
- 1868-09-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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IX. Jahrgang. Milschastlichc Anlage »> llr. 37 -es Israelit. Literarisches. Ieschurnn. Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums; herausgegeben von Vr. I. Koback. Bamberg 1868. 1. Heft, hebr. und deutsch. Die vorliegenden neuesten Hefte dieser Zeitschrift lassen einen erfreulichen Fortschritt gegen früher wahruehmen, indem sie sich sowohl ihrer äußern Erscheinung, wie auch ihrem innern Gehalte nach gegen die früheren vortheilbaft auszeichnen. Der deutsche Theil enthält unter Auderm werthvolle bibliographische Beiträge von Steinschneider und Hoffmann, eine Mitteilung des Nedacteurs über einen fast vergessenen Bamberger Fasttag, Zwetschgcn-Taanith, und eine Monographie über die Ausweisung der Juden auS Nürnberg im Jahre 1499, von Bricgleb. Noch bcmerkeusw wther und inhaltreicher ist aber der hebr. Theil, aus dem wir besonders zwei werthvolle Piecen hervorheben: 1) Ein Sendschreiben von 9t. Jacob aus Venedig an den Convertitcn Frater Paul, früher Saul geheißen. Herr Berliner in Berlin hat dieses Schreiben nach einer Handschrift der K. Bibliothek zu Münster copirt, welche Abschrift vom Nedacteur des „Jeschurun" mit einer Handschrift, im Besitze des Herrn Halberstamm, verglichen worden ist. Nich einer Version soll dieser Convertit Paulus ein Bruder des Schreibers dieses Briests, N. Jacob, gewesen sein (Mscr. H.), nach anderer Version ein Schüler desselben (Mscr. M.) Nachdem ans den: Saulus ein Paulus geworden war, wurde dieser der eifrigste Verfolger und Bedränger seiner früheren Glaubensgenossen: er höhnte ihre Schriften, ihre Lehren, suchte auf jede Meise gegen sie zu hetzen, und ihnen wehe zu thun. Waren;a überhaupt alle diese Uebcrge.'aufenen, deren Gewinn die christl. Kirche als Triumph betrachtete und ausposaunte, einander gleich in der Niedrigkeit ihrer Gesinnung, die sich deutlich in ihren Handlungen gegen ihre ehemaligen Glaubensgenossen ofscnbcnte. — Die Polemik in diesem Briese ist eine würdige, die scharf, und von sittlichem Ernste getragen, den richtigen Ton zu treffen, und das richtige Wort zu wählen weiß. Kein Angriff auf das Christenthum und seine Lehre, nur Abwehr der Beschuldigungen gegen die jüdische Lehre geht durch das ganze Schreiben. Die Beleuchtung der Hciligen- Legenden bei den Christen bezeugt eine bedeutende Kenntniß des Verfassers in der Kirckengeschichte; die scharfsinnige Auslegung einer talmudischen Agada läßt uns den Verfasser als auch in der Weltgeschichte belesen erscheinen. Der ganze Brief ist mit dankenöwerthen Notizen vom Redactcnr versehen, der durch Vergleichung der oben genannten beiden Handschriften sich bemüht, einen soviel wie möglich correcten Text herzustellen. 2) Ein Schreiben Rappoports bIJt an den Rabb. Hajim Nathan Dembizo über R Meir baal Haneß. Dieses Schreiben ist im Jahre 5615 (1855) abgefaßt und behandelt auf frhr geistreiche Weife die Frage, ob die Gaben, die zum Seelenheil des R. M. b. H. gespendet worden, wenn ohne weitere Bedingung die Spende ausgesprochen, nach Jerusalem gesendet werden müßten, oder ob dieselben auch einheimischen Armen vertheilt werdet! dürfen? Rapp, weift nach, daß diese Spende ursprünglich für Beleuchtung der Synagogen bestimmt gewesen, und daß erst mit der Zeit durch Einfluß der Chassidim die jüdischen Armen in Palästina als die berechtigten Empfänger bezeichnet wurden.— Als werthvolleu Beitrag begrüßen wir endlich noch einen bis jetzt noch unbekannt gewesenen tyms .nns 3"' Sy In neuester Zeit hat man vielfach deutsche und auch französische Schriften in's Hebräische zu übersetzen versucht, wie z. B. „Die feindlichen Brüder", „Die Geheimnisse von Paris" u. f. w. Ein ähnlicher Versuch des Herrn Lettcris, Göthe's Faust in's Hebräische zu übertragen, wird in einer kleinen Schrift 'TU"! mipu von P. Smolensti (Odessa:"3V'rf) kritisch untersucht. Herr Letteris bat den Namen Faust in p, den bekannten Eliscka Acker, umgcwandelt, eine Jsee, die von Vielen als glücklich gepriesen wurde. Herr S. sucht jedock nachznweisen, daß der Name 'nJN p ein Mißgriff sei, da der Goethe'scke Faust, in der deutschen Sage wurzelnd, schon an sich, mit einem Mann aus dem Judenthumc, einem ganz entgegengesetzten Anschaunngskreist, heroorgegangen, nicht identificirt werden könne, cs sei unmöglich, einem Gsr< p Worte eines Faust in den Mund zu legen; dann sei Faust ein Gegenstand der Sage, p hingegen eine historische Person und daher der Vergleich unzulässig. Bei Behandlung des ersten Gedankens entwickelt der Verfasser eine höchst geistreiche und originelle Auffassung des Göthe'schen Meisterwerks, die, wenn wir sie auch nicht in allen Punkten vertreten wollen, doch eine weitere Verbreitung verdient. Faust's Fall geht seiner Meinung nach aus seinem mönchischen Leben hervor, in der Zurückgezogenheit wirc die Sinneslust in ihm rege, diese wird gesteigert durch die Bilder, die ihm Mephisto vorgaukelt und daraufhin schließt er seinen Pact mit dem Teufel. Faust fällt nicht, weil er zu