Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1868)
- Date
- 1868-09-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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706 Talmuds bis zur Erreichung des 18. Lebensjahres gestattet werde, alle Gymnasialgegenstände, sowohl deutsche als lateinische, privat studieren und öffentliche Prüfung machen zu dürfen, um hernach bis zum znrÄckgelegten 21. Jahre die Philosophie öffentlich studieren und noch weitere 7 Jahre für das Rigorosum eines Rabbiners benützen zu können. B- Die Kandidaten gelangen zu einer Rabbinerstelle auf folgende Weise. Die Gemeindevorsteher, die i dessen bedürfen, bemühen sich ein für sie taugliches, ' in bestem Rufe stehendes, frommes, fleißiges und! wohlgesittetes, v erheiratetes Individuum zu erforschen, j welches sie unter der Bedingung zum Rabbiner wäh-! len, daß es vorläufig einer mit ihm vorzunehmenden j Prüfung sich unterziehe, und darin sehr gut bestehen! müsse. Diese Prüfung, die manchmal mehrere Wochen ’ dauert, bestehet darin, daß ich mich sattsam überzeuge. , daß ein solcher Kandidat gut erlernt habe: > 1. Die sogenannten, in 4 Theilen bestehenden j und von allem in den Noten A und B bei zeichneten ausführlich handelnden 4 Turim. 2. Die Bibel, die Propheten, die Hagiographen mit den wichtigen Commentatoren, dann die Dogmatik und Theosophie, besonders die 2 Bücher Cbobath Halewawoth (Herzenspflichten) und Sefer haikarim (Moralphilosophic). Besteht er hierin gut, so wird ihm das Zeugniß, das er als Rabbiner für jede Judengemeinde, die ihn nöthig hat und aufzunehmen wünscht, tauglich sei, von mir ertheilt, worauf also derselbe die ihm angetragene Rabbinerstelle übernimmt. Sein Beruf ist: Alle aus den in der Beilage B. erwähnten Gegenständen täglich sich ergebenden Zweifel und gar zu oft diesfalls entstehenden Fragen zu beantworten, die Erziehung und Bildung der Jugend zu fördern, die Ruhe und Einigkeit der Gemeinde zu erhalten, über die Ausübung der religiösen Ceremonien in und außer der Synagoge zu wachen und einige Male im Jahre in der Synagoge öffentliche auf fromnie Wege führende Belehrungen und herzergreifende Predigten zu halten. Markus Benedikt, Landrabbiner von Mähren und Schlesien. Ist schon dieses höchst interessante Gutachten ein kulturhistorisches Aktenstück für die Geschichte der Juden im Anfänge unseres Jahrhunderts, so ist es vielmehr noch ein seltenes Denkmal hoher und edler Toleranz für unseren Rabbi, der zu einer Zeit, wo in den Gemeinden Israels daö deutsche Wissen streng verpönt war, und jeder Gebildete es für nothwendig hielt, ein Abtrünniger vom Gesetze zu sein, das noch , heute nicht vollständig gelöste Problem der Vereinij gung eines gründlichen Talmudstudiums mit der Wisj senschaft der Gegenwart auf eine so merkwürdige Art; zu lösen versucht hat. Ii liH IIIMIIH II n I G Volkwarfen, 18. August. Eine Festivität, wie die hier am 15. d. stattgehabrc, von dem H<rrn Bürgermeister Evers zu seinem Amtsantritte als Bürgerm ister veranstaltet, verdient in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Zu einem gemeinsamen Mahle hatten sich von hier die Herren Stadtraths - und Ansschußmitglieder, die Casinogeslllschaft und einzelne Fr-unde dem freundschaftlichen Gastgeber zu Ehren Abends 6 Uhr eingefunden. Hier konnte man einmal aber auch so recht sichen, wie in Humanitär wahrer, echter Menschenliebe das Band der menschlichen Gesellschaft sich verwirklicht. Die drei hier vertretenen Confessionen (Kathol., Protest., Juden) harmonirten im schönsten Einvernehmen, was ganz dem Wunsche wie auch den Gesinnungen unseres Herrn Bürgermeisters entsprach. Dabei hatte es aber die weitgehende und umsichtSvvlle Aufmerksamkeit deS fieundlichen Spenders auch an einer recht schönen und ganz erwünschten consessto- : ncllen Berücksichtigung, bestehend: in der Vorrichtung besonderer den 1 h e i l n c h m e n d e n I sra elit en (wozu die Unterzeichneten und Andere noch gehörten) zum Genüsse erlaubter Speisen nicht fehlen lassen. ES verdient dies dir von uns hiermit ausgesprochene dankbare Anerkennung und besondere Hervorhebung, wie der Herr Bürgermeister E. nicht nur als Beamter mit dem guten Beispiele echter Liebe und aufrichtiger Gesinnung voranzugehen pflegt, sondern auch bestrebt ist, sich zu seinem neuen Berufe die Liebe und das Vertrauen der hiesigen Einwohner zn erwerben, wozu wir denn im Einverständnisse Vieler von Herzen Glück wünschen. Vollmarsen (Pr. Hessin), im August 1868. I Wcrthcim, Lchrcr. $5 ÄAeyerhoff, 1. Gemeindeältester. /r.ine iSrael Gemeinde in einer Stadt Bayerns suckt vieinen tüchtigen ReligienSlehrer, der zugleich Schächter- und Vcrsängerdienfte versehen kann. Der Schäch-