Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1868)
- Date
- 1868-09-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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674 zu werfen. — So viel hat sich schon seit lange die bornirte Impotenz in diesem Lande nicht herausgenommen. Das war dem ersten Breslauer Rabbiner-Sprößting in Ungarn Vorbehalten. — Das Urtheil ist hart, und mancher Leser denkt vielleicht an ein Vorurtheil des Rezensenten. Aber lies nur erst, theurer Leser, mit mir die erste Seite dieses Pamphlets durch und dann richte selbst. — Redner nimmt 3. M. 10. 1—3 prw ’D inp’i "di zum Texte und sragt vor Allem seine „andächtigen Zubörer und Zuhörerinnen," ob „wir mehr darüber staunen sollen, daß zwei werdende Hohepriester — wegen eines anscheinend geringen Fehlers gestorben," — oder darüber „daß Gott dessen eigen st es Wesen darin besteht, daß Er ist: ein Gott des Erbarmens, ... daß, sage ich (vr. Alexander Kohut) Gott bei dem vorliegenden Sterbefall (!) der Söhne Aharon ... so zu sagen seinem Wesen untreu geworden, aus seiner Natur getreten ist (!) und anstatt zu verwarnen ... sich als einen . . strafenden Gott gezeigt hat (sic)?" Nachdem nun der Redner seine Frage des Staunens so geistreich und bescheiden an den „aus seiner Natur getretenen Gott" — y'n gerichtet, läßt er, von dem „vorliegenden Sterbefall" hingerissen, sein und seiner Zuhörer und Zuhörerinnen Staunen (S. 3) „sich noch steigern" über die alten Schriftauöleger ... dieaufnoch so fern liegende Fragen eine schlagende Antwort bereit haben . . . und den angezogenen Worten unserer Sidra gegenüber irre und wirre stehen (!!) und schwanken und wanken in der Erklärung derselben. „Anstatt," klagt Redner, (S. 4) „eine der Wahrscheinlichkeit nahekommende befriedigende Lösung dieses moralischen Räthsels zu geben, verlieren sie sich selber in räthselhafte Ausdeutungen! Denn räthselbaft zum mindesten ist es, den Todesfall (sie) der Söhne Aharon darum erfolgen zu lassen, „anpop p «in» idjdjs? Py" weil Nadab und Abihu verwirrten Sinnes ins Heiligthum gingen, oder „pi »223 nabn m rw by“ weil sie sich das Wort Herausnahmen, oder „dh:q nomo vrw Pp" weil sie ornatlos unanständig (oho!) daö Heiligthum betraten. — Gewiß sind es Fehler ... strafwürdige Fehler, aber Verbrechen, todeswürdige Verbrechen sind es keineswegs!" So raisonnirt der staunende Redner und unter seinen natürlich mitstaunenden andächtigen Zubörern und Zuhörerinnen, fällt es sicherlich keinem ein, daß der Herr Oberrabbiner sich so eben als einen gründlichen Ignornanten vulgo p&*n oy herauöraisonnirt habe. — „Todeswürdige Verbrechen sollen das sein" — staunt der Herr Doktor — „todeswürdige Verbrechen? keineswegs." Mit Verlaub Herr Oberrabbiner! In '-00 in ronna 'do 2"' p in 2"s ep pnruo, in 2"o *p parpyin o"ao"-i ehpd und ibid. '"s vnpü Ha noPn und ibid. n"s n"n nopn heißt es ein wenig anders. Dort finden Sie, was Ihnen so unglaublich erscheint, schwarz auf weiß und zur Halacha erhoben: Auf jedes dieser drei Dinge steht C'ow n»a nn»o — der Tod. — Noch mehr, mein Theurer,?" "int? bedeutet nicht gerade einen ]nrr der sich einen Rausch, oder, wie Sie so sinnig umschreiben, einen „verwirrten Sinn" angetrunken — nein, es brauchte der pu nur den vierten Theil eines Log. also nur einen guten Mund voll Weines getrunken und so km Mikdasch Abodah gethan zu haben, ja nach einer Ansicht nur so ins Mikdasch hineingegangen zu sein (s. Rambam a. a. O. u. Gloss. dort. vgl. auch mson "0D Verbot 73) und er war todesschuldig, wohingegen Sie, wenn Sie von Bier oder Branntwein weit mehr getrunken und so das Innere des Mikdasch betreten hätten, doch mit lediglichen 39 Geißelhieben davongekommen wären, vorausgesetzt, daß Sie ein Priester, wenn auch kein „werdender Hohepriester" und leibesstark sind. — Auch der D’TD -iDino brauchte durchaus nicht „unanständig" in Mikdasch Aboda gethan zu haben; er konnte hiebei vielmehr die schönste Kutte, oder den tadellosesten Frack angehabt haben und er war dennoch todesschuldig.' Es ist das freilich sehr zum „Staunen," aber die Gemara nennt den D')ia -iDino einmal ,,-u" und ruvoa vdvv 11 — (vgl. imnJD). Auch 'di na^n mio heißt nicht, wie Sie Herr vr. Kohut glauben „sich das Wort herausnehmen." — Nein, mein Werther, einer der sich das Wort herausnimmt, und wenn er dies mit noch so frecher Stirne thut, ist damit noch kein „nibn mio". Das Verbot im napn mio zu sein, spricht nur von naPn in engem Sinne. Maimonides a. a. O. §. 2 Ende sagt auch ... „und wer Halacha lehrt u. s. w. ist todesschuldig;" so wie Maim. §. 4 im selben Abschn. von rn«-nn mio„ handelt und lehrt: „Ein Schüler, der nicht reif ist zu entscheiden über rituelle Fragen, und dies dennoch thut, ist ein Frevler, ein Narr und ein Hochmüthiger; auf ihm ist gesagt: solche Lehren und Halachalehrer machen viele — Erschlagene rc." — Herr vr. Kohut aber, sagt nicht nur, die erwähnten drei Dinge seien keineswegs Verbrechen oder gar todeswürdige Verbrechen; er beweist dieses auch. „Denn" argumentirt Redner, „wollte der Allgütige ... immer mit dem Tode bestrafen, so oft jemand ... mit Klirren und Schwirren, mit Saus und Braus und stürmischen Gepolter ins Heiligthum tritt — wollte Gott die ganze Strenge ... gegen die in Anwendung bringen, die Angesichts ihres Lehrers und Führers vorschnell und unberufen sich das Wort herausnehmen, die Alles besser wissen — frömmer handeln wollen als ihr Leiter und Erzieher (!) ... wahrlich wir stünden dann in dieser Stunde nicht Alle hier versammelt." (S. 4) Nach diesen Worten, bei welchen die „andächtigen Zuhörer und Zuhörerinnen eine Gänsehaut überläuft, bleibt dem gelehrten Redner (derselbe soll, wie er sagt, im „Per-