Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1868)
- Date
- 1868-08-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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688 «rqtrirftttb auch dann noch, als viele körperliche Leiden ihn heimsuchten. So hat sich auch bei seiner Bestattung eine große Betheiligung u»ri>np w»nD gezeigt, ein würdiges Zeugniß seines innern Werthes, den er so wenig zur Schau trug. Er war einer der antiken Erscheinungen, die «an ^ao p’CJ sind, die in ihrem Aeußern still und anspruchslos, in ihrem Innern hinieden schon im Himmel wandeln. n"3"ü"J"n. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 4. Aug. Die hiesige israelitische Cultus g em eind e hat, sich anschließend so vielen anderen dankbaren Manifestationen, dem Generalconsul Frhrn. v. Eder während dessen Anwesenheit in Wien soeben die nachfolgende Dankadresse zugehen lassen: „Hochwohlgeborner Herr? Bor wenigen Monaten sind in Rumänien gegen unsere dortigen Glaubensgenossen barbarische Acte, eingegeben von finsterem Hasse und niedriger Leidenschaft, verübt worden, Acte, welche in der ganzen gebildeten Welt einen Schrei der Entrüstung hervorriefen und zugleich Jedermann mit dem demütigendsten Gefühle der Schmach erfüllten, daß solche Gewaltthaten in unserem Jahrhunderte der Aufklärung noch möglich seien! Ihrer muthvollen Intervention, hochwohlgeborner Herr Generalconsul, sowie dem energischen Einschreiten des Leiters des Generalkonsulats in Jassy, Hrn. Karl Ritter v. Wohlfahrt, ist es zu verdanken, daß jene Unthaten vor ganz Europa aufgedeckt und unseren Glaubensgenossen in Rumänien, deren heiligste und verbriefte Rechte egoistische Parteipolitik so schnöde zu verletzen wagte, von der rumänischen Regierung volle Schadloshaltung garantirt wurde. Für solchen energischen und erfolgreich n Schutz fühlen auch wir uns, hochwohlgeborner Herr Baron, zu tiefstem und wärmstem Danke verpflichtet, umsomehr, als seine Triebfeder nicht blos in treuer Erfüllung der Ihnen anvertrauten hohen Mission, sondern vorzugsweise in der Ihnen eigenen edelsten Humanität und Menschenliebe zu suchen ist. Dieses unser tiefbewegte Dankgesühl Ihnen, hochgeehrter Herr Generalconsul, gelegentlich ihrer Anwesenheit in Wien hiermit auözufprechen, gereicht uns zu ganz besonderer Befriedigung und ergreifen wir den Anlaß zum Ausdrucke unserer unbegränzten Hochachtung." — Trieft. Ein in Böhmen gebornes Mädchen israelitischer Abkunst war aus Liebe zu einem katholischen Jünglinge vor etlichen dreißig Jahren zum Kaiholicismus übergetreten. Sie heirathete den Mann ihrer Liebe, und lebte seit 33 Jahren glücklich in ihrer Familie, beobachtete jedoch immer die rituellen Vorschriften des angestammten Glaubens. In letzterer Zeit kam eines Tages ihr Sohn mit dem neuen interkonfessionellen Gesetze in der Hand nach Hause und ries: Freue Dich, o Mutter, deine Schmerzen und deme Gewissensbisse haben ein Ende genommen, das I Gesetz, welches die Gewissensfreiheit sanctionirt, ist in j Kraft getreten. Die Frau, die nun 53 Jahre zählt, j und in der Nähe unserer Stadt wohnt, schrieb sogleich an den hiesigen Oberrabbiner, Herrn Prof. Tedeschi, daß sie nach reiflicher Ueberlegung entschlossen sei, in den Schooß der Religion zurückzukehren, in der sie geboren und erzogen wurde. Begleitet von ihrem Galten stellte sie sich bierauf dem Rabbiner persönlich vor und nach erhaltener Ermahnung und bestandener Prüfung erklärte sie, bei ihrem Entschlüsse beharren zu wollen. Nachdem die gesetzlichen Schritte bei dem Bezirksgerichte zu Karolinenthal in Böhmen, wohin sie nach ihrer Geburt zuständig war, in Vollzug gesetzt waren, wurde auch an einem der letzten Sabbate beim Morgengottesdienste im israelitischen Tempel zu Triest die feierliche Ceremonie der Aufnahme inö Judentum vorgcnommen. Unler Anwesenheit des Oberrabbiners, der Pice- Rabbiner und einer großen Anzahl von Glaubensgenossen ward der feierliche Act vollzogen. Die heilige Lade war geöffnet. Die Convertitin, in einen schwarzen Schleier gehüllt, stellte sich vor das Gitter des (?) Altars. Der Oberrabbiner stellte die rituellen Fragen, hielt die übliche Erinnerung, worauf die Frau fest und aus inniger Ueberzeugnng antwortete. Sie erzählte nun in deutscher Sprache ihren ganzen Lebenslauf, sprach sich freudigen Gefühles über die Toleranz ihres Gatten aus, und bat unter Thränen und Schluchzen um Wiederaufnahme in den Glauben ihrer Väter. Der Qberrabbiner hielt nun eine Ansprache an die versammelte Gemeinde, in welcher er die Worte der Frau in italienischer Uebersetzung mittheilte, auch den Triumph des Princips der Gewissensfreiheit hervorhob, und die neue Zeit segnete, die solcher liberalen Gefetze theilhaftig ist. Er forderte nun die Gemeinde auf, gemeinschaftlich mit ihm das u'nnV Gebet zu sprechen (Gelobt seist du, Ewiger unser Gott, Herr des Weltalls, der Du uns hast am Leben erhalten und gelangen lassen zu solchen Zeiten) - was auch geschah. Hierauf lud der Rabbiner die Frau ein, innerhalb des Gitters zn treten, da sprach sie daS rituelle Gebet, und legte in die Hand des Rabbiners das Gelöbniß ihrer Rückkehr zum Judenthume ab. Der Rabbiner legte seine Hände auf ihr Haupt, ertheilte ihr den Segen und nahm sie mit folgenden Worten ins Iudenthum auf: „Möge Gott dich, unsere Schwester, aufnehmen, wie wir dich aufnehmen mit aufrichtiger Liebe; der Herr lohne dein Werk, und voller Lohn sei dir beschieden vom Herrn, dem Gott Israels, unter dessen Flügeln du dich geborgen." (Ruth 2 12) Nun näherte sich die Frau der heiligen Lade und küßte die Thora mit aller Andacht. Die Theilnahme der Anwesenden war eine allgemeine und lebhafte. Die Frau, begleitet bis zur Thüre, begab sich nun in die