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Der Israelit · 1868-08-05 · Heft 32 (5.8.1868) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 32 (5.8.1868)
Date
1868-08-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IX. Jahrgang. Extra Beilage z« Nr. 32 des Israelit. Zweiter Rechenschasts - Bericht rber die Wirksamkeit des Vereins zur Linderung des Nothstandes der Israeliten an der benachbarten russischen Grenze. Memel, den 20. Juli 1868. Wie unser erster Bericht auch über Sitte und Lebensart unserer nothleidenden Glaubensbrüder in Westrußland sich verbreitete, so wollen wir in diesem, und zwar auf specielles Verlangen vieler edler Spender, Mittel und Wege anzugeben versuchen, wie deren Verhältnisse materiell verbessert und damit ihre Lebens¬ und Denkungsweise intellectuell und sittlich gehoben, und in Folge dessen dem moralischen und physischen Nothstande für alle Folgezeit wirksam entgegengearbeitet werden könne. Es sind nicht mehr und nicht weniger, nach unserm Dafürhalten, die wir die genannte Bevölkerung ganz gründlich zu studiren Gelegenheit hatten, als zwei solcher Mittel und Wege. Das eine ist bereits in Nr. 22 der Zeitung deö „Judenthums" durch den Correspondenten aus Ostpreußen, sowie von der Redaction selbst richtig angegeben: Beförderung der Auswanderung; das zweite aber ist: Beförderung des Ackerbaues. Die Hauptanregung hierzu ist unter ihnen selbst erfolgt und zwar durch die drängende Gewalt der Verhältnisse. So wahr wie der Spruch der Weisen ist: nn"pn nwen ünpn, „Gott hat das Heilmittel noch vor der Krankheit schon in Bereitschaft," so schwer ist er zu begreifen, wenn man nicht die Wirklichkeit zum Belege heranzieht. Wie ein gesunder Organismus krank werden kann, das begreifst du leicht. Trotz unaufhörlicher Reproduction, wird die stete Abnutzung bei seiner LebenSthätigkeit, die Einwirkung schädlicher Einflüsse, sowie der ungeregelte Gebrauch ihn krank machen. Wenn nun aber so ein gesunder, kräftiger und normaler Organismus krank wird, wie kann ein kranker, schwacher, innormaler wieder gesund werdm? Ist das nicht der allerschärfste, logische Widerspruch? Aber nein! „Gott hat das Heilmittel noch vor der Krankheit schon in Bereitschaft." Das Heilmittel ist das Pr ins, die Krankheit nämlich ist der Anfang der Heilung. Die Krankheit ist das natürliche Bestreben des Organismus, Alles, was ihm zuwiderläuft, auszuscheiden und zu entfernen, sie ist die schmerzliche aber heilsame Reaction gegen die verdorbenen Säfte und Kräfte, die Krankheit ist blos der Gesundheit wegen. Hat der Körper noch Kraft genug, um diesen Prozeß auszuhalten, so wird er gesund, wo nicht, so muß er erliegen. So kann man sich das Wesen der Krankheit, und in Folge dessen auch die Heilmethode erklären. Sie besteht darin, den Organismus in diesem natürlichen Ausscheidungsprozeß zu unterstützen, und wenn dazu keine Mittel vorhanden sind, ihn ruhig gewähren zu lassen. Solcher Art und Gestalt war die NothstandSkrankheit sowohl in Ostpreußen als auch unter unseren russischen Glaubensgenossen. Dieselbe ist kein durch örtliche und zeitliche Mißverhältnisse hervorgeruseneS Nebel, es ist der Anfang eines natürlichen und heilsamen, wenn auch sehr schmerzlichen Ausscheidungsprozesses alter, tiefeingewurzelter, den ganzen Organismus überwuchernder und zerfressender Schäden, aber nicht selbst verschuldeter, sondern durch den schwersten Druck der Verhältnisse erzeugter Schäden; und Gott weiß, wie lange diese, immer so weiter vegetirend, mitgeschleppt worden wären, wenn der Nothstand nicht sie selbst, sowie die europäischen Glaubensbrüder darauf aufmerksam gemacht hätte. So hat Gott noch vor der Krankheit das Heilmittel in Bereitschaft gehabt. Und das erste dieser Heilmittel, die Auswanderung — wie und wohin ist diese zu bewerkstelligen? Nach Amerika? Gewiß! Aber dazu gehören schon etwas mehr Mittel; und wer so viel hat, um dieses bewirken zu können, der gilt in seiner Heimath schon als ein vermögender Mann, der wird und braucht nicht auszuwandern, weil er damit in seiner Heimath sich anständig ernähren kann. Also wohin denn? Nach dm Colonim! Was sind die Colonien? ftagst Du, lieber Leser; genaue Auskunft kann ich darüber nicht

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