Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1868)
- Date
- 1868-06-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Geilage M Ar. 84 -es Israelit. Hebräisch-grammiitische Änalekten. Von I. M. Japhet. Der (Gebrauch der Zeiten in der hebräischen Sprache hat oft etwas Unbestimmtes, scheinbar Schwankendes, und die Bezeiänuug der logischen Zeitverhältnisse, welche in andern Sprachen präcis ausgedrückt werden können, ist in der hebräischen aus zwei Zeitformen beschränkt: das Präteritum und das Futurum. Das Jmpersectum wird bekanntlich durch das Futurum mit Vorgesetztem TE,nn m gegeben, das Präteritum stellt. in entsprechender Wortfolge, oft statt des Plusqu am perfect um (Vgl. zu den Stellen: z/1' Oixrn und NX ipD 'm) und endlich liegt in dem “oy mit Vorgesetztem nsnn oft au* die Bedeutung des Futurum ex actum (vgl. die Stellen □rroyi 'd nbll pro: #o rftsp ’D pnnx oy 'N22Vi nx ,pmn nx und a. m) Ein Präsens kennt die hebräische Sprache eigentlich nicht, und mit Recht, — die Gegenwart ist der mathematische Punkt in der Zeit, der flüchtige Grenzmoment zwischen Zukunft unb Vergangenheit, und die bebr. Sprache reitet sich damit, daß sie statt des Präsens sich eines Particips bedient, welches den Werth eines Substantivs involvirt. V) 'H „Gott ist der Hüter Israels" d. h. er hütet Israel; üruD -p px „wir haben keinen Tröster" d. i. uns tröstet Niemand u. s. f. In dieser scheinbaren Armuth liegt eben ein unendlicher Reichthnm, wie ja überhaupt durch ihre prägnante Kürze die hebräische Sprache so gehaltvoll ist. Aber nur dem unermüdlichsten Fleiße erschließt darum auch das Verständniß der Bibel sich, und wird der ernsten Forschung nur reiche Ausbeute gewährt. Wie wenig wir uns rühmen dürfen, die Wahrheit, so in diesem oder jenem schwierigen Verse enthalten ist, immer gefunden zu haben, beweisen uns die verschiedenen, nicht selten einander widersprechenden Auffassungen einer und derselben Stelle von verschiedenen Exegeten, obwohl dieselben zu den erleucht-.tsten Koryphäen hebräischer Sprachwissenschaft gehören. Der einfache Sinn jeder Stelle muß auf Grund grammatischer Sprachgesetze klar erkannt werden, und es darf die Ausdrucksweise gewiß kein Spiel des Zufalls sein. Dies scheint aber von manchen Exegeten wohl angenommen zu werden, indem sie bei dem Inhalte nach schwierigen Zeitformen einfach setzen: rnpOtr -oy mny oder -ay mpon mny. Es mag gern zugegeben werden, daß zahllose Stellen sich nicht leicht anders erklären lassen; aber ich glaube, dann dürfen wir auch nicht behaupten, daß wir die richtige Erklärung gefunden. Wer von uns einen deutschen oder fremden Classiker lieft, wird sich wohl hüten, eine solche Der- - Wechslung der Zeiten anzuuehnnn und bedeutungslos zu halten. Aber bei dem elastischsten aller Düäer, bei dem Gottesworte sollten wir an eine 'olcke Willkür . denken dürfen und gleichgiltig darüber hinwrgeilen?! Ick glaube daher, das, wir die inneren Gesetze, z die Wahrheiten und Schönheiten der bebräischen i Sprache noch nicht genugsam abgelauscht haben, und! daß wir hier die Acten noch nicht für geschlossen er-! klären dürfen. Vielleicht führt uns gerade die klare! Erkenntniß ihres einfachen Wortsinnes zur llöberm! Erkenntniß der unpassenderen nnd liefern Deutung,! welche unsere Weisen so vielen Stellen geben, die nicht selten uns befremdend crsa eint. Zu dieseu Betrachtungen, die mich, wie wohl s schon viele Andere, bei dem Studium des göttlichen Wortes überkommen, rührte mich neuerdings das Nachsinnen über den folgenden Vers (I N. 37, 7.) rron itd O'Ovx rum njj^prj rurq rntöiö runqnt^ni a^no1?« ES war mir auffallend, wie in diesem Verse, den wir im Deutschen durchweg mit dem Jmpersectum wiedergeben, die Zeitformen abwechseln, und wenn die selben sich auch bei den übrigen Verben erklären lassen, so blieb mir doch schwierig. Dem Satze: ’ho^x analog hatte jeder Schriftsteller nach der gewöhnlichen Auffassung ddtidVx (•’QD) -DZDD geschrieben; warum llier das Futurum? Bei weiterem Nachdenken schien mir auch der Ausdruck nicht absichtslos gewählt. Richtiger hätte es ja geheißen Dp mm rasa aai ’nc^x HDD/ 'lT 7|» T runnna'ni ddthd?x (dj) oder wenn der Begriff des im Kreise Stehens nicht fehlen sollte: CD’rviD'?x Dj);d ru’UDm. Warum ist Dj7 bei den Garben der Brüder vermieden? Daß die Partikel mm dreimal in dem einen Vers gebraucht wird, kann gleichfalls nicht als Zufall angesehen werden. Wo im historischen Style rum vorkommt, pflegt es ein neues Ereigniß, eine andere Erscheinung anzukündigen; eö müssen also in unserm Verse drei Gedankenverhältniffe enthalten und zu unterscheiden sein.