Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1868)
- Date
- 1868-06-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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mg um den armen Bruder bekümmert hatte, als er das schöne neue Haus sah! Freundlich trat er heran und sprach: „Ich wünsche Dir Glück, Bruder! Du hast gewiß einen Schatz gefunden." — Der gute Mann, der kein Arg im Herzen hatte, sagte offen, wie es gekommen. — Da eilte der Geizhals voll Neid nach Haus, erzählte es seiner Frau, die nicht viel besser war, als er, und jammerte: „Was Hab'ich gethan! Warum Hab' ich doch den Alten abgewiesen! O käme er nur wieder!" — Sein Wunsch ward erfüllt. Schon nach einigen Tagen ging der Alte vor seinem Hause vorüber. Kaum hatte der Geizhals denselben erblickt, so eilte er ihm nach, entschuldigte sich, daß er neulich so hart gegen ihn gewesen, es sei ihm da gerade etwas sehr Unangenehmes widerfahren und das habe ihn so mißmuthig gestimmt, und zum Beweise seiner herzlichen Reue bat er ihn, jetzt mit ihm nach Hause zu gehen. Eliah ging mit. Die Frau setzte ihm das Schönste und Beste vor und forderte ihn mit den süßesten Worten zum Essen auf. Der Prophet genoß scheinbar Einiges, und als er sich nun wieder entfernte, dankte er und sprach: „Gott möge Euch lohnen, wie Ihr es verdient, und das Erste, was Ihr beginnt, möge kein Ende haben, bis Ihr selbst sagt: „Es ist genug!" — Kaum hatte der Prophet sich entfernt, da sagte der Mann: „Jetzt, Frau, laß uns unser Gold herbeiholen und zählen!" — „Nicht doch!" rief die Frau, „unsere Edelsteine wollen wir zählm!" — „Ich sage, unser Gold!" versetzte der Mann. „Bei Gold weiß ich doch, was ich habe; bei Edelsteinen muß ich erst fragen was mir die Leute dafür geben wollen." — „Und ich sage, Edelsteine!" rief schon ärgerlich die Frau. „An Edelsteinen kann ich mir in einer Stunde einen größern Reichthum zusammenzählen, als an Gold dm ganzen Tag!" — „Du hast nie genug!" rief der Mann. — „Und Du," schrie die Frau, „mußt immer etwas Besonderes haben, Du eingebildeter Narr!" — „Da hast Du etwas Besonderes!" rief der Mann und versetzte der Frau eine Ohrfeige. — Jetzt fuhr die Frau heulend auf den Mann los, und der Mann schlug, ebenfalls laut schreiend, auf die Frau zu, so daß die ganze Nachbarschaft zusammenlief, und es wollte zwischen den Beiden kein Ende nehmen, bis endlich die Frau sich ans einen Stuhl warf: „Ich kann nicht mehr!" und der Mann ebenfalls müde sagte: „Jetzt mag's genug sein!" — So war denn der Segen des Propheten auch bei diesem Paare in Erfüllung gegangen. Ein Weiser aber, der den Verlauf der Geschichte gehört, sagte ernst : „Wohl wissen Viele nicht, das Wort und den Segen Gottes richtig anzuwenden." — A IZE Oeffentlicher Dank. Der Unterzeichnete fühlt sich im Namen der armen zum Theil von Elend und Krankheit heimgesuchten jüd. Handwerker der Städte Neidenburg, Sensburg, Rößel, Tapiau, Braunsberg, Brandenburg, Wartenburg, Passenbeim, Bischofsburg, Gerdauen, Osterode u. A. verpflichtet, dem jüd. Central - Unterftützungs - Comitö für Ostpreußen in Schippenbeil öffemtlich Dank auszusprechen. Es ist erfreulich, zu vernehmen, wie diese Männer, die sämmtlich Kaufleute, demnach mit ihren eigenen Angelegenheiten vollauf zu thun haben, sich alle erdenkliche Mühe geben, keine Zeit und Kosten scheuen, um unglücklichen Menschen beizustehen. Und wer ist unglücklicher als ein armer Handwerker in unserer verarmtm Provinz? Nicht allein, daß er wenig zu thun hat, bleibt ihm noch ein Jeder den sauer verdienten Groschen schuldig, wogegen er Materialien zu seinem Handwerke und Lebensmittel für seine oft zahlreiche Familie nur für baar kaufen kann. Es ist daher keine geringe Wohlthat, wenn IGEN. , das obengenannte Comitv die Einrichtung gettoffen, > solchen Handwerkern zinsfreie Vorschüsse zu machen und die fertige Arbeit abzunehmen. Das ist die rechte Erfüllung des Gebotes 3. B. M. 25, 35: ’3i “icy »m n npinm loy N' ntaai Tn«, „ Wenn Dein Bruder verarmt, und seine Hand schwankt neben Dir, so unterstütze ihn, daß er bei Dir lebe". Es ist dieses meines Erachtens eine fast noch größere mso, als einfache Arme mit Geschenken zu unterstützen. Ich rufe daher dem Comite in Schippenbeil zu: ddidh crüan perfinn jd;nnNn Ruth 3, 10, lasset Euch in Eurem Streben nicht beirren, wenn es auch von mancher Seite verkannt wird. Ihr edlen Geber in Israel aber sehet ein, daß Eure Spenden in die Hände Würdiger gerathen, kommet her und überzeuget Euch, daß der Nothstand noch lange sein Ende nicht erreicht hat, und daß der Typhus in manchen Distticten erst jetzt recht auftritt. Es ist daher noch viel zu thun und die Ansprüche an das Count« werden täglich größer. I. Sturmann, Religionslehrer in Osterode (O.-Pr.)