Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1868)
- Date
- 1868-06-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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440 den Unterstützung und Hilfe zu verschaffen, die Kranken zu besuchen, wie auch für die Armen Palestina's Geld zu sammeln, wird in einigen Tagen selbst die Reise nach Jerusalem unternehmen, um dort persönlich die Gelder für wohlthätige Zwecke zu verwenden, welche er im jüngsten Jahre hier gesammelt. Herr Moses bereiste nämlich in letzter Zeit fast den größten Theil der Vereinigten Staaten, um Gelder für Palästina zu sammeln; es begleitete ihn auf diesen Reisen seine ehrwürdige Frau, welche die Spenden ihrer wohlthätigen Schwestern zusammenbrachte, während Herr Moses seine Brüder zur Wohlthat anspornte. Der schlechten Zeiten halber, welche leider überall in den Vereinigten Staaten herrschen, hat Herr Moses keine solch große Summe zusammengcbracht, als er nach Palästina zu nehmen gedachte, jedoch immer schon hinreichend um dem Elende eine hilfreiche Hand zu reichen. Herr Moses reist in Begleitung seiner Frau und seines jüngstes Sohnes, erst nach Amsterdam, um sich dort mit dem Central - Comitv zu berathen, wie am zweckmäßigsten die gesammelten Gelder in Jerusalem zu verwenden seien, und nachdem die geehrten Reisenden auch wahrscheinlich Sir Moses Montefiore besucht haben werden, begeben sich dieselben über Marseille nach Palästina. D5DN01 "n d.tjs'? “pin »3 I. Holzmann. Albarry Unser Glaubengenosse, Herr Simon W. Rosendale von hier, wurde mit großer Majorität zum Syndikus der hiesigen Stadt ernannt. Der Erwählte ist erst 26 Jahre alt. (Jew. Mess.) Afrika. Marokko. Herrn Leven wurde vom französ. Ministerium die Mittheilung gemacht, daß sowohl die französ. als auch die engl. Regierung beim Kaiser von Marokko die energischsten Schritte wegen der Verfolgungen der Juden thun werden. Feuilleton. Der Segen des Propheten Kliah. *) Von Abraham Tendlau, Es lebten einmal zwei Brüder, von denen der eine reich und der andere arm war. So sehr aber *) Wir bringen zwar diese Erzählung schon in unserem Buche: .Sprichwörter und Redensarten deutsch-jüdischer Vorzeit" S. 14 Nr. 33.; indessen ist hier nicht nur die Ausführung vollendeter, sondern auch das Ende absichtlich anders gegeben — der arme Bruder der Hilfe bedürftig und ihrer auch würdig war, so wenig mochte der reiche ihm beistehen; denn sein Geiz war noch größer als sein Reichthum. — Eines Tages kam der Prophet Eliah — der Helfer in der Noth, der unter den mannigfaltigsten Gestalten, bald hier, bald dort, bald als Retter, bald als Rathgeber und Ermahner, im rechten Augenblicke schon oft erschienen ist und sich wohl auch noch zuweilen zeigt — er kam als armer, alter Mann zu dem reichen Bruder und sprach ihn um eine Gabe an. Der Geizhals wies ihn mit harten Wortm ab. Da ging der Prophet zu dem armen Bruder und sprach auch ihn um ein Almosen an. Der Mann saß eben mit seiner Frau und seinen Kindern — des armen Mannes einziger Segen — beim Abendessen, das, wie man sich denken kann, einfach genug war; es bestand aus Brod und Milch. „Geld," sagte der gute Mann, „kann ich Dir keines geben; wir sind selbst arm. Willst Du aber unser Abendbrod mit uns theilen, so soll es Dir gegönnt sein." — Der Prophet nahm die Anerbietung mit Dank an, und die Kinder räumten ihm sogleich am Tische ein Plätzchen unter sich ein. Nachdem sie gegeffen, sprach der Mann zu seinem Gaste: „Es ist schon spät und Du bist alt und scheinst mir dazu auch müde zu sein. Bleibe die Nacht bei uns, wir werden Dir ein bequemes Lager von Stroh und Baumblättern bereiten." — Der Prophet blieb bei den Leuten die Nacht über. — Am Morgen, als er Abschied nahm, sprach er: „Gott möge Euch für Euere so herzliche Gastfreundschaft lohnen, und das Erste, was Ihr beginnt, soll gesegnet sein und möge kein Ende haben, bis Ihr selbst sagt: „Es ist genug!" — Er ging. — Die guten Leute wünschten ihm Glück auf den Weg und dachten kaum an seine Worte. Da sprach die Frau zu dem Manne: „Ach sieh einmal, ob Du nicht noch einiges Geld hast; ich muß Brod für den Mittag holen." — Der Mann griff in die Tasche und holte ein Beutelchen heraus und fing an zu zählen, und zählte und zählte, und es wollte kein Ende nehmen. Jetzt fielen den Leuten die Worte des Alten ein, und sie dachten an den Mehlnapf und die Oelkanne des Propheten Eliah und an die Oelflasche des Propheten Elisa,**) und der Mann zählte aus seinen Beutelchen den ganzen Tag und noch in die tiefe Nacht hinein, bis er endlich müde rief: „ Es ist genug!" — Jetzt waren die Leute reiche Leute. Sie ließen ihr halbverfallenes Häuschen niederreißen und bauten sich an dessen Stelle'ein neues, schönes Haus. Wie staunte der Geizhals, der sich, wie gesagt, bisher we- **) 1 König 17, 14, und 2 Könige 4, 2—6.