Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1868)
- Date
- 1868-06-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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438 ment bis jetzt noch nicht gelingen wollte. Ausführlich haben wirüber diesen Gegenstand unlängst in der Berliner „Zukunft" berichtet? Freilich ist die aufgeklärte russische Regierung nicht immer für die Handlungen und Maßregeln ihrer Unterbeamten verantwortlich, welche in der Regel, wenn sie Unrecht thun, von ihr rectificirt werden. So erhielt der Zolldirector von Wirballen, über dessen wunderliche Intention wir vor Kurzem in der Königsberger Hartungsichen Zeitung referirten, für seinen originellen Vorschlag, zur Jnhibirung des Schmuggelhandels die Hebräer von der Grenze zu vertreiben, einen direkten Verweis von Petersburg aus. Schließlich muß ich einen vielverbreiteten Jrrthum berichtigen. Der im Berliner Reichstag und Zollparlament sitzende Abgeordnete Straußberg ist ein —. getaufter Jude, der, aus Ostpreußen stammend, allerdings viel Gutes für seine ehemaligen Glaubensgenossen thut. M. Almoni. Lyck. Dieser Tage fand man'auf hiesigem jüdischen Begräbnißplatz mehrere Gräber aufgedeckt und die Särge zerbrochen. Zwei Christen, die erst jüngst hierhergekommen, der eine ein Zimmerman, haben diese schändliche Thal vollbracht. Dieselben wurden dem Gerichte übergeben. (Hamagid.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Zu einem Chirurgen in Pohrlitz kam dieser Tage, wie der „Mähr. Korr." berichtet, ein christlicher Dienstbote mit einem wunden Finger und bat um Heilung, die Bezahlung versprechend. Doch der Arzt sprach: „Geht zum jüdischen Doktor! Ich behandle die Dienstboten nicht, welche bei Juden dienen." O Humanität! o Bildung! Preßbbrrrg p'v jsnn »an pmy. Am 18. und 19. Mai fand hier die Wahl unserer Gemeinde- Repräsentanten statt, bei welcher — wie es hier zu erwarten ist — die Orthodoxie einen glänzenden Sieg errang. Wenn die jüdische Resormpartei überhaupt nur eine Carricatur ist — und sie ist es — so ist die hiesige eine Carricatur der Carricatur. Wenn sich jetzt nicht das heilige, erhabene Wochensest, sondern Purim nähern würde, so würde ich so manches von dieser „Partei" erzählen, um die Lachmuskeln der geehrten Leser in Bewegnng zu setzen. Beschränken wir uns für heute aus die Vorgänge bei der Wahl! Unsere Reformer wissen recht gut, daß Volksstimme Gottesstimme ist, und waren daher selbst überzeugt, daß wenn nach dem liberalen Wahlstatul der Orthoxen gewählt wird, sie vollständig überstimmt werden müssen, sie, die sich lächerlicher Weise „Liberale" benamsen, wollten daher um jeden Preis durchsetzen, daß Gemeindemitglieder, die nur 3 Gulden Cultussteuer zahlen, von der Wahl ausgeschlossen werden. Was thun ehrliche Juden nicht a! es um des Friedens willen? — Man gab nach. Doch die armen Neologen hatten ihre Rechnung ohne den Wirth gemacht, denn sie sielen bei der Wahl total durch; von 300 Stimmzetteln waren kaum 30, sage dreißig nach ihrem Sinne ausgefüllt. Es wurden meistens die verjähr gen Repräsentanten wiedergewählt; einige davon und von den neugewählten Beisitzern bilden nicht nur die Zierden der Repräsentanz, sondern auch unserer Gsneinde und Stadt. Wir nennen nur Dr. I. Ernst, einen Mann, an dem nicht nur sein echt jüdischer, wahrhaft aufgeklärter Sinn, sondern auch seine gediegenen medicinischen und philosophischen Kenntnisse zu bewundern sind, Herrn Ahron Goldschmidt, einen der uninteressirtesten, wohlthätigsten Männer Preßburgs, der bei Jude und Christ in gleich hoher Achtung steht, die geist- und verdienstvollen Herren Iehuda Löwy und L. Philipp u. s. w. Herr A. Rosen bäum ist das einzige Mitglied der sogenannten Reformpartei, das die Majorität in die Repräsentanz wählte. In Ungarn gestalten sich die religiösen Verhältnisse derart, daß auch eine politische Scheidung der Israeliten in orthodoxe und neologe nothwendig wird. Da Herr Albert Farkas, der bisherige Redacteur des Organs der ungarischen Orthodoxie „Magyar Zsido " einer solchen Trennung nicht das Wort reden wollte, so ist derselbe von der Redaction zurückgetreten, nnd diese ist in die Hände des auch den Lesern des „Israelit" rühmlichft bekannten Herrn Siegmund Kraus von Köros Ladany übergegangen. Herr Kraus, ein sehr gebildeter, wohlhabender Kaufmann, hat diese schwierige Aufgabe rein ona» ob6 übernommen; möge sein Wirken ein segensreiches, zum schönsten Ziele führendes sein mnNnbi nun v'-.anv! — Grlau, im Mai. Es dürste Ihnen die Mittheilung nicht uninteressant sein, daß unserem durch Intelligenz, Gesinnungstüchtigkeit, Patriotismus und Opferwilligkeit in gleichem Maße vortheilhaft bekannten Kultusvorsteher, Herrn Stephan Schwarz, die Auszeichnung zu Theil wurde, als Mitglied jener Deputation' gewählt zu werden, die von Seiten der hies. Bürgerschaft zu dem Zwecke entsendet wurde, um bei Sr. Majestät dem Könige und dem h. k. ung. Ministerium um Errichtung einer Oberrealschule zu petitioniren. Es wäre überflüssig zu erwähnen, daß Herr Schwarz h. Orts all jener Beweise der Zuvorkommenheit und Achtung theilhaftig wurde, deren seine Kollegen, die übrigen Deputations-Mitglieder, sich erfreuten. Herr Schwarz rechtfertigte indeß das in ihn gesetzte Vertrauen seiner Mitbürger durch einen neuen Act wahrhaften Patriotismus. Während seiner Anwesenheit in Ofen fand nämlich das freudige Ereigniß statt, daß Ihre Majestät die Königin von einer Prrn-