Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1868)
- Date
- 1868-05-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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365 reich der goldene Verdienstorden verliehen, und dem Vorstande der israelitischen CultuSgemeinde in Temesvar Samuel Scharmann wurde für seine, armen Schulkindern gegenüber bethätigte Opferwilligkeit die a. h. Zufriedenheit bekannt gegeben. Wien. Wir erfahren, daß der königl. preußische Kommisstonsrath, Malzextrakts-Fabriksbesttzer Johann Hoff aus Berlin, autz Anlaß der glücklichen Entbindung Ihrer Majestät der Kaiserin von Oesterreich 300 Gulden zu wohtthätigen Zwecken nach Wien gesendet hat. Wien. Seit mehreren Tagen spricht man in Hernals von der Entführung der 16jährigen, bei ihrem Vater, dem Privatier Josef R..., in Hernals wohnhaften Johanna R.. Man erzählt sich: Frl. Johanna, ein schönes Mädchen, hatte seit längerer Zeit ein intimes Verhältniß mit dem im selben Hause wohnenden Urlauber Wachtmeister Alfred v. M. angeknüpft und beide beschlossen, um jeden Preis sich zu heirathen. Der Vater des Mädchen, ein strenggläubiger Jude, von dem Entschlüsse seiner Tochter in Kenntniß gesetzt, untersagte derselben jedes weitere Verhältniß mit einem Andersgläubigen (v. M. ist nämlich Katholik) und drohte ihr, sie zu enterben, wenn sie seinem Befehle zuwiderhandeln werde. Das verliebte Mädchen wurde dadurch sehr traurig gestimmt und verflossenen Samstag entfernte sie sich während der Abwesenheit ihres Vaters aus ihrer Wohnung und kehrte nicht wieder zurück, dagegen verschaffte sich die besorgte Familie die Gewißheit, daß sie von dem Gegenstände ihrer Liebe entführt wurde, denn an demselben Abend war auch er, eine dringende Reise angebend, plötzlich aus seiner Wohnung verschwunden. Den eifrigsten Bemühungen der Sicherheitsbehörde ist es bisher noch nicht gelungen, das flüchtige Paar aufzusinden. (Frbl.) Wien, 3. Mai. In Betreff der Judenverfolgung in Rumänien liegt ein weiteres Actenstück vor, das wir der „N. fr. Presse" entlehnen. Die jüdischen Cultusgemeinden von Lemberg und Brody haben an den Reichsrath und das Ministerium des Aeußern unterm 20. April Zuschriften gerichtet, in welchen sie die bejammernSwerthe Lage ihrer Glaubensgenossen in den Donaufürstenthümern schildern und die kaiserliche Regierung um ihre Intervention zu Gunsten der arg bedrohten jüdischen Familien bitten. Bereits unter dem 26. April hat, wie das „R. Fremdenbl." schreibt, das Ministerium des Aeußern an den Cultusvorstand der Israeliten - Gemeinde von Brody folgende Antwort gerichtet: „Ich habe das geschätzte Schreiben richtig erhalten, welches der löbliche Cultusvorstand im Namen der JSraeliten-Gemeinde in Brody unterm 20. April b. I. zu dem Ende an mich gerichtet hat, um meine Aufmerksamkeit auf einen Antrag zu lenken, der in der moldau-walachischen Kammer mit der Absicht eingebracht wurde, die Israeliten in der Moldau und Walachei aus ihren bisherigen Gerechtsamen und Verhältnissen zu verdrängm. Es hat dieser Anregung nicht bedurft, damit das k. k. Cabinet gegen Maßnahmen einer religiösen Intoleranz das Wort erhebe, die zugleich eine Verletzung der Rechte in sich schließt, welche unseren Nationalen in den Donaufürstenthümern vertragsmäßig zustehen. Eben deßhalb habe ich auch gleich nach dem Einlangen der Kunde von den Verfolgungen der Israeliten in den Dorfgemeinden deS Bezirkes Brkeu den k. k. Agenten und Generalkonsul in Bukarest telegraphisch aufgefordert, bei Sr. Hoheit dem Fürsten Karl sowohl, als bei dessen Ministern keinen Schritt zu unterlassen, welcher zur Wahrung der Rechte unserer Nationalen nothwendig oder zweckdienlich erscheinen sollte. Mit um so größerer Befriedigung kann ich daher dem löblichen Cultusvorstande die Mittheilung machen, daß die Anträge, welche die israelitische Bevölkerung in den Donaufürstenthümern so sehr beängstigen und wogegen Sie im Namen Ihrer Commitenten meine Vermittlung anrufen, nur wenig Aussicht haben, von den Kammern jener Länder, wenn sie überhaupt noch in Berathung kämen, angenommen zu werden, und selbst dann noch kann es kaum einem Zweifel unterliegen, daß Se. Hoheit Fürst Karl diesen Vorschlägen seine Genehmigung versagen werde. Wie ernst übrigens die Absichten dieses Fürsten sind, wollen Sie daraus entnehmen, daß er sich nach erhaltener Kunde von den Vorfällen im Distrikte von Bakeu in eigener Person nach der Moldau begeben hat, um den wahren Sachverhalt an Ort und Stelle kennen zu lernen, zu helfen, wo es Noth thut, und gut zu machen, wo ein Unrecht geschehen wäre. Dies ersuche ich allen Jenen zur Kenntniß zu bringen, in deren Interesse es gelegen ist, Befürchtungen in diesem Punkte zerstreut zu sehen, und ich kann nur beifügen, daß Frhr. v. Eder so glücklich war, aus dem Munde Sr. Hoheit des Fürsten Karl die Versicherung zu erhalten, daß in Zukunft keinem Israeliten auch nur ein Haar gekrümmt werden soll. Uebrigens dürfte es dem löblichen Cultusvorstande vielleicht mittlerweile bereits bekannt geworden sein, daß die Consuln der auswärtigen Mächte in Jassy in einer auf Einladung des Verwesers der dortigen k. k. Agentie am 15. d. erfolgten Zusammentretung erklärt haben, die in der Moldau gegen die Israeliten ergriffenen vexatorischen Maßnahmen seien nach den ihnen vorliegenden authentischen Berichten als erwiesene Thatsachen anzusehen, und daß sie das hierüber aufgenommene Protokoll ihren betreffenden Regierungen vorgelegt haben. Die neuestens hier eingegangene Nachricht von der Abberufung des Präfecten von Bakeu scheint zu dem Schluffe zu berechtigen, daß die von der fürstlich moldau'schen Regierung über die dortigen Vorgänge eingeleiteten Erhebungen zu