Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1868)
- Date
- 1868-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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362 „In erster Reihe tritt der Verein für die Wahrung und Aufrechthaltung der schriftlichen und mündlichen Lehre ein, die miteinander innigst verbunden, in den 4 Theilen des Schulchan-Aruch enthalten ünd, und deren Befolgung und Betätigung unsere Vorfahren, in deren Fußtapfen wir wandeln wollen, auf sich und ihre Nachkommen genommen, mit Inbegriff all' der rituellen Gebräuche unv Observanzen, die sie unS für ewige Zeiten überliefert, da auch diese dem „heiligen Berge" entquollen. „Die Gleichstellung der vaterländischen Iudenheit ist erfolgt. Die ritterliche ungarische Nat on, die Magnaten und Stände des Landes mit d?m hohen Ministerium an der Spitze haben die Emanzipation unserer Glaubensgenossen einstimmig zum Gesetze erhoben, und Se. Majestät der König, dessen allerhöchste Gnade sämmtliche Bewohner seines weiten Reiches mit gleicher väterlicher Liebe umfaßt, hat diesem liberalen Staatsakte die Sanktion zu errheilen geruht. Die Freiheitssonne entfaltet nunmehr ihre Strahlenfittige ungehindert, und breitet sie über alle Kinder des Vaterlandes ohne Unterschied der Confessivn erwärmend und belebend aus In dankbarer Anerkennung der uns zugeftandmen Gleichberechtigung tritt an uns in erhöhtem Maße die Pflicht heran, unser Vaterland aus vollem Herzen und ganzer Seele zu lieben und kein Opfer zu scheuen, wo es sich um das Wohl der geliebten Heimath und des erhobenen Herrscherthrones handelt. Von diesem patriotischen Gefühle geleitet, hat der Verein „Schomre Hadath" es sich zur Aufgabe gemacht, die ungarische Sprache aus allen Kräften zu fördern und unter unseren vaterländischen Glaubensbrüdern zu verbreiten, wie dies aus den betreffenden Vereins-Statuten, die dem hohen Ministerium unterbreitet wurden und bereits auch die Sanktion erhalten, deutlich hervorgeht. „Von der Ersprießlichkeit und Zeitgemäßheit dieser Leiden Strebepunkte in gleichem Grade durchdrungen — erlauben wir uns an Euch, theure Glaubensbrüder, hiemit einen Aufruf zur Anschließung an diesen Verein ergehen zu lassen. „Haus Iakob's! Auf! Wandeln wir im Lichte des Herrn! Stehen wir mit vereinter Kraft ein für unsere heilige Gotteslehre; stehen wir ein für die heiligen religiösen Gebräuche, die unsere Vorfahren, als für ewige Zeiten giltig, uns überliefert! Unterstützen wir den Verein aber auch in seinen patriotischen Bestrebungen und in der Liebe zum theuren Vaterlande! Schon der Prophet Jeremias schärfte in kräftigen Worten seinen Zeit- und Glaubensgenossen ein: „Fördert das Wohl des Staates und flehet für ihn, denn in seinem Wohlergehen werdet Ihr auch das Eurige finden!" — Nicht minder nachdrücklich befehlen uns unsere Weisen: „Bete für die Wohlfahrt der Regierung I" „Alle diese patriotischen Ermahnungen und Befehle unserer Propheten und Weisen bezogen sich auf Reiche und Regierungen, die unS den härtesten Druck haben fühlen lasten; um wie viel mehr ist es also für unS heilige Pflicht: ein Vaterland, eine Regierung zu lieben, und deren Wohl aus allen Kräften zu fördern, die uns die Freiheit gegeben, die uns mit den übrigen Landesbürgern vollkommen gleichgestellt! „Nun möge die Gnade des himmlischen DaterS schützend über Euch Allen walten; möge er das Werk Euerer Hände gelingen lassen, auf daß alle Nationen der Erde die Erhabenheit und Herrlichkeit unserer Lehre kennen lernen, die allein es ist, die uns sittliche Kraft verleiht und uns die Beachtung, die Verehrung der Landesgesetze zur heiligen Pflicht macht! „Ihr Rechtgläubigen in Israel! Ihr, in deren Herz das Gotteswort in noch »«geschwächter Kraft fortlebt! Ihr, in deren Adern die Liebe zum erhabenen Throne, znm Vaterlande, zur ungarischen Nation, zu deren Sprache und Literatur mit intensiver Stärke pulsirt: schaaret Euch zusammen unter das Banner eines Vereines, der von religiösem Geiste und patrio-' tischem Streben getragen wird! — Fördert dies gottgefällige Doppelziel durch Wort und Schrift, durch Rath und That! Eilet der Lösung dieser erhabenen Ausgabe männlich entgegen; traget hiezu nach Kräften bei durch geistige und materielle Unterstützung, durch Leistung der in den Statuten bestimmten ordentlichen Jahresbeiträge, durch außerordentliche Geschenke und Spenden und — der himmlische Segen wird Euch Allen zu Theil werden! „Gott, dessen Siegel Wahrheit ist; Gott, der Frieden stiftet, möge den Freunden der Wahrheit und des Friedens Leben und Segen verleihen in aller Ew'gkeit! Pesth, im Monate Adar 5628. S. W. Schreiber, Jeremias Lvw, Oberrab. zu Preßburg. Oberrab. zu S.-a.-Ujhely. M. Eisenstädter, Oberrabbiner zu Ungvär." Aus den Statuten selbst theilen wir noch das erste Kapitel mit, welches den Zweck des Vereines bezeichnet: 1. Art. Zweck des ungarisch-jüdischen Vereines der „Glaubenswächter" ist: a) Die orthodoxe Iudenheit Ungarns in ihrer Gesammtheit sowohl, als in ihren einzelnen Theilen .gegen ungerechte Angriffe mit allen gesetzlichen Mitteln zu schützen; b) Ienm orthodoxen jüdischen Gemeinden oder Individuen, die als solche unverdienter Weise leiden, erfolgreiche Hilfe zu leisten; c) Die ungarische Sprache unter den jüdischen Glaubensgenossen zu verbreiten und einheimisch zu machen; zu diesem Behufe