Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1868)
- Date
- 1868-05-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Asien. Smyrna Die von Herrn Sidi gegründete Schule ist wieder eingegangen, weil die Eltern der Kinder dieselbe nicht zu unterstützen suchten, indem sie ihre Kinder nicht in die Schule schickten. Jüngst verbreitete sich wieder einmal ein falscher Lärm gegen die Juden. Die Juden hätten einen Albanesen, griech. Religion, verschwinden lassen. Derselbe hatte sich viel in der Nähe des Oberrabbiners bewegt und daher wurde dieses Gericht, als er vor einem Monat starb, auögesprengt. Die ganze Sache hat sich natürlich als eine niederträchtige Erfindung herausgestellt. Palästina. Jerusalem. Man vermuthet gewöhnlich, daß die Cedern des Libanon, die so berühmt und so reichlich in den Tagen Salomo's vorhanden waren, ganz verschwunden seien. Mehrere ausgedehnte Haine wurden in diesen Berg-Wildnissen von Herrn Jessup, einem amerikanischen Missionär, entdeckt. Ein einziger Hain im südlichen Libanon zählt 10,000 Bäume. Australien. Ballarat. Die hiesige Stadt hat 60,000 Einwohner, darunter ungefähr 200 Juden, welche eine hübsche Synagoge uno Schule haben. Unser Glaubensgenosse, Herr Karl Dyte, ist einer der Repräsendanten unserer Stadt im Parlament, und der Mayor der Stadt ist unser Glaubensgenosse, Herr Emanuel Steinfeld, ein geborner Deutscher, der nun schon zum zweitenmale zu dieser Würde erhoben wurde. Feuilleton. K t v 11 e. (Mitgethetlt von einem Rabbiner.) (Fortsetzung.) VII. Mit großer Pracht wurde das Hochzeitsfest begangen, das sogar der Landessürst und seine Gemahlin mit ihrer Gegenwart verherrlichten. Heitere Tage olflten demselben. Elvire machte ein großes Haus; Feste folgten auf Feste. Einmal regelmäßig in der Woche hatte der Justizminister offenes Haus, das heißt, es hatte Jeder, der bei ihm eingeführt war, das Recht ungeladen bei der Abendtasel zu erscheinen; an diesen geselligen Abenden, an welchen sich die Elite der Residenz im Salon der Frau Wetting versammelte, glänzte Elvire durch Geist und Schönheit. Alleschien sich günstig und glücklich für sie gestalten zu -»wollen. Still und trübe aber vergingen die Tage den trauernden Eltern, die Alles mieden, was sie daran erinnern konnte, daß sie dereinst eine Tochter gehabt hatten. Unterdeß zogen sich trübe Wolken am politischen Himmel zusammen, die auf das häusliche Glück Elvirens nicht ohne Einfluß bleiben sollten. Bis zum Monate Juni des Jahres 48 hatte die siegreiche Revolution nirgendwo Widerstand gefunden. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit waren die Rufe, welche die Welt beherrschten; vor ihnen hatten die gewaltigsten Machthaber sich beugen oder die Flucht ergreifen müssen. Die ganze Welt war wie von einem Rausche befangen; allein, bald sollte sie ernüchtert werden. Die große Klasse der Besitzenden fing bei der Ausbreitung communistischer Ideen an, für ihre Habe zu fürchten, und wünschte nichts sehnlicher als eine kräftige Regierung. Die durch die Revolution hervorgerufene Stockung von Handel, Verkehr und Industrie machte viele Menschen brodlos oder beeinträchtigte ihren Verdienst und ließ sie die Wiederkehr geordneter Zustande wünschen. Dagegen wurden die Ziele und Bestrebungen der Demokratie immer maßloser; die Liberalen von vor 48 wurden als „vormärzlich" gebrandmarkt und gewaltsam in das Lager der Reaction getrieben. Neue Parteibildungen hatten Statt, und offen wurde die Republik als das zu erstrebende Ziel bekannt. Dadurch wurde wiederum in den alten Monarchien die Treue für den Fürsten „um jeden Preis" geweckt. Die Folgen blieben nicht aus. In Prag war es, wo ein zügelloser Pöbel die Volkssouveränität durch die Niedermetzelung der Juden manifestiren wollte; schon war das Ghetto, die jetzige Josephsstadt, von blutdürstigen und raubsüchtigen Horden umlagert; ein alter Jude, der friedlich über den Altstädter Ring ging, war bereits durch eine meuchlerische Kugel niedergestreckt — da donnerten die Feuerschlünde vom Hradschin herunter; der verstorbene Fürst Windischgrätz — sein vielgeschmähtes Andenken sei gesegnet — räumte, nachdem ihm seine Frau durch Flintenschüsse in seiner Wohnung in der Zeltnergasse getödtet und sein Sohn verwundet worden, mit seinen Kanonen unter dem Pöbel auf und wies ihn zur Ruhe; er war es, der zuerst die Revolution besiegte. Verheerend flogen die Kugeln vom Hradschin in die Altstadt herunter und steckten die Oelmühlen in Brand, die 14 Tage lang brannten, — aber in die Judenstadt flog keine Kugel. Nun folgte im politischen Leben der Völker Schlag auf Schlag; die kommunistische Bewegung in Paris drohte die ganze Welt umzukehren und jede bestehende Ordnung zu vernichten. General Cavaignac rettete