Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1868)
- Date
- 1868-04-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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317 glauben der Sache aber näher auf der Spur zu sein. Der Art. 14 der preußischen Verfassung — die christliche Religion wird bei denjenigen Einrichtungen des Staats, welche mit der Religionsübung im Zusammenhang stehen, zum Grunde gelegt — diese Bestimmung, aus welcher man alles Mögliche hergeleitet hat, um den Juden den Genuß ihrer verfassungsmäßigen Rechte zu entziehen, fehlt in der Bundesverfassung. Hirn? illae lacrymae! An und für sich sieht die betreffende Bestimmung unverfänglich aus; wenn man eö aber weiß, was in all den Jahren, seitdem wir nun eine Verfassung haben, aus diesem Artikel gemacht und wie derselbe interpretirt und angenommen worden ist, so weiß man von wunderlichen Erfahrungen nachzuerzählen. Und ein ähnliches Princip soll jetzt durch die Hinterthür der Specialgesetzgebung auch für den Bund und die Interpretation seiner Verfassung eingeschmuggelt werden? Dagegen wird der Reichstag protestiren und mit ihm wird es einmüthig auch die gesammte unabhängige Presse! j Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen.; Deutschland. | Mainz, den 24. April. Wir haben soeben das j fünfte Tausend-Thaler nach Memel gesandt. Möge die Theilnahme unserer Brüder nicht erkalten! Von der Nothwendigkeit derselben zeugt die Correspondenz j „Memel, 21. April." Gebe Gott, daß es uns ferner gelingt b'L.-id! .1OI1 HDD! j □ München, im April. Vor einigen Wochen kam auch bei uns in Bayern, und zwar vorzüglich j in der Reichsrathskammer, die Civilehe zur Sprache, j Die Kgl. Regierung hatte nämlich einen Gesetzentwurf j eingebracht, nach welchem es denjenigen Personen,?. welche keinen der bestehenden christlichen Confessionen angehören, „Dissidenten" genannt, ermöglicht werden; sollte, eine Ehe nicht nur unter sich, sondern auch mit Angehörigen der im Staate anerkannten Religions-; genossenschaften, also auch mit Israeliten eingehen zu können. In der Abgeordnetenkammer ging der Gesetzentwurf durch, aber in der Reichsrathökammer wurde j den Dissidenten nur die Ehe unter sich gestattet. Herr : Bischof von Dinkel aus Augsburg wies darauf hin, - daß, obwohl die Israeliten den Katholiken näher stün- Z den, als die Diffidenten, so könne doch niemals von | einer Verbindung ersterer mit katholischen Christen | als solchen die Rede sein. Wir haben n"a somit | Aussicht, daß Ehen zwischen Juden und Nichtjuden i in Bayern sobald nicht eingeführt werden, s j &ifeinß*n, 16. Avril. Bei der heute dahier abgehaltenen Wahl eines Rabbiners für den Rabbinats- Bezirk Mainbernhüm, wurde Herr Rabbinats-Candidat Imanuel A^dler, bisher an der Hirsch'schen Erziehungs- und Handelslehranstalt in Mrinstockheim wirkend, mit überwiegender Majorität gewählt. Wir können den Angehörigen gedachten Rabbinats-Bezirks von Herzen Glück wünschen zu der getroffenen Wahl. Wie wir hören, soll der Rabbinatssitz von Mainbernheim nach Kitzingen verlegt werden. Möge es Herrn Adler vergönnt sein in seinem neuen Wirkungskreise recht viel zur Hebung unserer h. Religion leisten zu können. 8. Aus derrr Norddeutschen Bunde, im Nissan. (Privatmitth.) In Hamburg verstarb vor Kurzem ein Herr H. H. Liefmann, ein geborner MoiSlinger Israelit, und vermachte laut testamentarischer Verfügung den Armen dieser Gemeinde 1000 Mark Courant zu sofortiger Vertheilung. Memel, den 21. April. Das vierte Tausend Thaler haben wir richtig empfangen, was wir hierdurch bestätigen. Was wollen schwache Dankesworte sagen, im Vergleich zu der menschenrettenden Wohlthat, zu welcher sich die Summe für arme in Hunger und Elend verkommende Glaubensbrüder gestaltet? Aber ich kann und darf es Ihnen, verehrter Herr Redakteur, nicht verhehlen, daß von einer Zulänglichkeit dieser Mittel zur Linderung der Ungeheuern Noth nicht die Rede sein kann. Tagtäglich sterben Menschen Hungers. Erst heute ist uns das hier am Orte vor unseren Augen passirt. Ein junger Mann, Vater von fünf Kindern, hat für sich und seine Familie hier Rettung suchen wollen; heute Mittag kam er hier an, da war seine Kraft zu Ende, er mußte sich zu Bette legen, kein Mittel wollte mehr anschlagen, heute Abend schon war er eine Leiche. Alle Welt behauptet, der Mann ist verhungert. Sie dürfen sich versichert halten, der Verein thut sein Mögliches, um überall da beizuspringen, wo die Noth am größten; aber unsere Mittel sind zu schwach, um etwas Erkleckliches leisten zu können. Hat man doch E um den Nothstand in Ostpreußen zu bändigen, Millionen aus allen Theilen der Welt zusammengebracht; da drüben in Rußland wohnen fast so viel Juden als Ostpreußens Gesammtbevölkerung, die Zahl der Nothbcdrängten ist aber eine viel größere und der Nothstand hat dort eine Höhe erreicht, wie ihn Ostpreußen niemals erfahren und empfunden hat. In einer gestrigen Vereinösttzung, welche uns bis Nachts ein Uhr zusammenhielt, haben wir zwar den Kreis unserer regelmäßigen Wirksamkeit allwöchentlich erfolgende Unterstützungen in etwas beschränkt, nämlich auf 19 Städte, welche vier Wochen lang allwöchentlich, und 6 Städte, welche drei Wochen lang all-