Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1868)
- Date
- 1868-04-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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802 der Untersuchung über die jüdischen Forderungen, wo angeblich mehrere Inden den Zinsfuß überstiegen hätten, die benachtheiligten Schuldner keinen Heller Strafgeld bekamen, sondern der Markgraf allein Alles erhielt. Doch wozu weiter die haltlosen Zustände der Israeliten im Fürstenthum Anspach schildern? Die unerhörte Verfolgung meines unschuldigen Onkels Elkan Fränkel und meines unschuldigen Vaters Hirsch Fränkel ist der größte Beweis von der Rohheit, Gemeinheit, Niederträchtigkeit und Lügenhaftigkeit der Regierung Wilhelm Friedrichs in Bezug auf die Söhne Abraham's. O, edler Vater! Du mein lieber, unvergeßlicher Lehrer, hier schließe ich Deine traurige Geschichte und weine meinen Schmerz aus in bitteren und heißen Thränen. Der Sturm, der Dich und Deinen rechtschaffenen Bruder in's Verderben stürzte, warf uns, Deine Frau und Deine Kinder, weit von dem deutschen Vaterland. Wir leben nun in Frankreich, einem Lande, wo der Jude als Mensch betrachtet wird und Opfer wie Du, edler Vater, oder wie der gute Onkel nicht stattfinden können. Und so ruhet in Frieden, ihr Redlichen! Eure reine Seelen — sie sindgewiß geborgen im Schatten des Allmächtigen. ANZEIGEN« Für jüdische Schulamts-Candidaten. Es gab eine Zeit (und sie liegt nicht so ferne hinter uns), in welcher Mädchen, welche Gouvernanten werden wollten, nicht wußten, wo sie sich für das vorher abzulegende Examen ordentlich vorbereiten sollten. In der Neuzeit können in eine derartige Verlegenheit nur ganz unbemittelte junge Damen kommen. Für jüdische Jünglinge, welche sich dem Lehrfache zu widmen beabsichtigen, besteht dieselbe Verlegenheit, wenn sie nicht im Stande sind, das Seminar in Berlin zu besuchen. Seit zehn Jahren habe ich einen Theil meiner Mußezeit solchen Jünglingen gewidmet und sie theils für die Rektorats-Prüfung, theils für das Commissions-Examen vorbereitet. Drei Uebelstände sind mir dabei consequent begegnet. Erstens meldeten sich die jungen Leute zu spät: 3—4 Monate vor der Prüfung; sodann traten sie nicht gleichzetig ein; endlich beschränkten sie ihre Vorbereitung auf einige Wissensfächer. An eine auch nur bescheidenen Ansprüchen genügende Präparation war unter solchen Verhältnissen nicht zu denken. Kein Wunder deshalb, daß die Aermsten denn nur mit „Zittern und Zagen" vor die Prüfungs.Commission hintraten und gewöhnlich nur ein wahres „Noth-Examen" ablegten. Ein „gut bestanden" gehörte in die Rubrik „alba avis.“ Jetzt, wo die jüdischen Candidaten in den Reihen der Seminar-Abiturienten Platz zu nehmen haken, ist eine gediegene Vorbereitung unerläßlich. Sie ist aber auch wünschenswerth im Interesse der jüdischen Schulen, welche doch überall im Stande sein sollten, mit den christlichen zu concurriren in Allem, was Ekementar- Kenntnisse und Fertigkeiten anlangt. Auf dem bisherigen Wege mag ich aber auch um meiner selbst willen nicht mehr fortwandeln. „Ich hasse, waS da staubig; nur an das Frische glaub' ich" — dies „Frische" dient dem Lernenden und erquickt den Lehrenden; dies „Frische" muß aber da mangeln, wo die Aussicht auf „Ernte" eine so klägliche, wo nur wissenschaftliche „Flickarbeit" vollzogen werden kann. Examinirt wird in: Pädagogik, Muttersprache, Rechnen, Geometrie, Geschichte, Geographie, Physik, Naturbeschreibung. Genügen hierfür 100—150 Repetitions-Stunden? Gewiß nicht. Von mehreren Seiten darauf aufmerksam gemacht, daß eine Annonce in diesen Blättern nicht nur erwünscht, sondern auch von Erfolg sein würde, theile ich hierdurch meinen Entschluß mit, einen ordentlichen, mehrmonatlichen Vo r b er eitun gs- C u r s u s für die Osterprüfung 1869 abzuhalten, wenn eine hinlängliche Anzahl von Candivaten im Laufe der nächsten Monate sich meiden sollte. Breslau, April 1868. Gustav Battig, Königl. Seminarlehrer. _(Vorderbleiche Nr. 8.)_ in junger Mann, 21 Jahre alt, welcher Familienverhällnisie halber gezwungen ist, sein Studium zu unterbrechen, sucht eine Stelle als Elementarlehrer in einer Gemeinde oder als Hauslehrer in einem frommen Hause; derselbe ist befähigt in allen Elementar- Unterrichtsgegenständen zu unterrichten, den ersten Unterricht im Lateinischen zu ertheilen, gründlichen Unterricht im Hebräischen — die Bibel nebst Commentatoren — zu geben und Anfänger im Talmud rc. zu unterrichten. Nähere Auskunft wird Herr Oberrabbiner Stern in Hamburg zu ertheilen die Gewogenheit haben. Ein Uhrmacher - Gehülfe sucht eine Stelle, wo er an Sonn- und Festtagen von der Arbeit dispenfirt ist. Gefäll. Offerten, sign. U. K. befördert die Exped. d. Bl. sud Nr. 319.