Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 14-15 (1.4.1868)
- Date
- 1868-04-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Geiiage ju Ar. 14 & 15 des Israelit. Das Werk des Herrn Nabdinowih. Von Rabbiner Dr. Hildesheimer. onöiD ’pnpi ICD Variae lectiones in Mischnam et in talmud Babylonicum von R. Rabbinowitz. München 562^. Hofbuchdruckerei. Eisenftadt, 1. Adar. Der folgende Artikel ist schon seit4 Monaten fast ganz vollendet, wurde jedoch durch anderw°itige dringende Arbeiten verzögert. Während dieser Zeit hat das in Rede stehende Werk und der Verfasser auch in öffentlichen Blättern mannigfache Ausdrücke würdiger Anerkennung gefunden. Da ich jedoch diesen Artikel auch um dcs Allgemeinen willen für nicht ganz überflüssig halte, so bitte ich Sie, Herr Redacteur, denselben aufzunehmen. Wer kennt nicht den großen Unterschied zwischen den Weisen der D'JW&n und der DnnriN in der Behandlung b r talmudischen Interpretation und der Rechtsgutachten? E stcre kurz und gedrängt, entschieden und b. stimmt, sich ausschließlich auf den eigentlichen Gegenstand beschränkend; lctztere mehr oder weniger breit und ausführlich, die Wahrh.it erst dialektisch eruirend, daher mit der eigentlichen Frage auch Verwandtes, Naheliegendes, von ähnlichem Prinzip Getragenes verbindend. Das Grundmotiv dieser großen Verschiedenheit liegt in dcm total vermiedenen Standpunkte der Exegese, resp. religionsgesetzlichev Entscheidung. Dis der Alten ist fast ausschließlich Tradition, daher objektiv, die der Neueren vorwiegend subjektiv; jene hoben meist Ueberkommcnes weiter gelehrt. Alles war 3->nn TD^>n rtop, der d’jinj bis zum *)*n und von diesem von Gerecht zu Geschlecht. Daher die unglaubliche Sicherheit und Bestimmtheit in Allem und Jedem, die über jedem Zweifel erhabene objektive Wahrheit. Ganz anders, als mit dem letzten der oberen der lebendige Fluß dcr Tradition versiegte und die Verhältnisse s ch so gestalteten, daß bei noch so großem Einflüsse des Lehrers auf den Schüler, bei allem Weithe des noch bis auf den heutigen Tag erhaltenen BnmBr, dennoch der bei Weitem fl' orte Theil des Wiffens subjektive Forschung in den Quellen ist. vorzüglich in der Theorie nämlich der Talmude und der Werke der Alten; da sich die spezielle Instruktion des :n an den -i'Q7n m hr auf iV'in ’mjy beschränkt Seit dieser Zeit m,ß die persönliche Combination und Disputation die Derstandesthätigkeit und die Auffindung des Reultales an die Stelle des früher schon fertig Ueberkommencn treten; und es muß natürlich Breite an die Stelle der Bestimmtheit, weitläufige Behandlung des Stoffes an die Stelle weniger präciser Worte, eine Fülle von Argumentation an d e Stelle apodiktischer, über jedem Zweifel erhabener UeL riicferung treten. Einen großen Theil an dieser so wesentlichen Veränderung in der Behandlung des trad tionellen Stoffes trägt die Veränderung, die mit dcr Situation der Gesell'chaft überhaupt vorgegangen war. In früheren Jahrhunderten war es bei den relativ geringen Anip üchen des Lebens allerdings viel eher möglich, bis zu vierzig Jahren und darüber zu Füßen großer Lehrer zu sitzen, bis sich die Belehrung über alle Theile des Talmud und der Erklärungen und Rcsponstn dcr duiw verbreiten konnte. Jetzt kann dies nur eine relativ kleine Reihe von Jahren instruktiv geschehen, das Ucbrige muß dos Prwalstudium. d. h. müssen die Bi cher thun. Daß dazu die Buchdruckcrkunst und die dadurch erzielte Erleichterung, sich dte nothwendigen Werke anzuschaffcn, das Ihrige beigetragcn, versiiht sich von selbst. Summa feummarum des ganzen Gegensatzes: dort die viva vox, hier die Büchergelehrsamkeit. — Und wie unendlich viel G"1e hat der himmlische Vater gerade hierin uns ongedeihen lassen! Was würden wir heute anfangen, wenn nicht nach Abschluß jener mehr erwähnten früheren Zeit sich die Koryphäen der »Zwischenzeit" sofort des gewaltigen Materiales bemächtigt, es mit den Flügeln ihres Riesengeistes beschattet, mit der einschneidenden Schärfe ihres kritischen Blickes durchfurcht, jede leise Andeutung entdeckt, jede sachgemäße Diskussion angeknüpft und jede Consequcnz gezogen hätten? Oder wären uns nicht etwa heute schon mobm lrn B’jwan ’pDBi mit sieben Siegeln verschlossene Bücher, wenn nicht als noch kaum der letzte der owron das Auge geschloffen, in der ro!?n, Männer wie 'im '"2 Ynn p'"->.i"v in der Erklärung der iona rc. muin"D, bv“^n“n die beiden D//"in"o, in neuerer Zeit '"v n'V'Nrr^D, nn"ia"pi rp"m'Vx" p"jni d"d rc. und noch in dcr Gegenwart 'im on-u nrp nimm 'o D*ny"3 i*o"NimTn “ibd D"nyw2, v'Qp roe^o 'd o"ny"3 ^3bw ^>ru D D"ny"a 2py »Wmi, Männer, deren Größe um so erstaunlicher und imponirender, als dieselb n eben nur sich selbst und ihren kritischen Apparat als Weikreuge ihrer Thätigkeit hatten; würden wir ohne das Glück, stets solche geistige Führer gehabt zu haben, eines irgend nennenswerthen Verständnisses des traditionellen Stoffes uns rühmen können? Zu anderen Quellen, als den Lesearten unseres gedruckten Talmud und höchstens der in den owrfen bereits erwähnten Varianten konnte man nicht greifen; denn die Zeit der Erlösung für die nur den Würmern zugänglichen Codices war noch nicht ge-