Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 14-15 (1.4.1868)
- Date
- 1868-04-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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250 durch den seit einigen Zähren errichtete« Telegraphen Europa bedeutend naher gebückt. Die Weitcrfahrt von Jaffa in's Innere des Landes findet setzt entweder zu Pferd oder in einer, von 2 — 4 Maullhieren getragenen Sänfre (t^edtsrouan) statt. — Von Jaffa bis Jerusalem find 4 Etappen vorbanden, eine sede 4—5 Standen entfernt von der andern. Die erste ist Ramleh, 3 Stunden weit von Jaffa. Wmn man Nachmittags gegen 4 Uhr, wo die Wirkang der Sonnenstrahlen bereits geschwächt und sie den Ratenden nicht mehr qaälen, von Jaffa aufbricht, so ist man gegen 7 bis 728 Uhr bereits in Ramleh, wo unsere israelitischen Touristen im comf-rtablen und reintich-n russischen Hospiz ein sehr bequemes Nachtlager finden. Da alljährlich eine enorme Anzahl russischer Pilger nach Jerusalem wallfahrtet, so hat die ruffische Negierung — aus politischen wie aus Humanitäts- Rückiichten — für ihre Unterthanen in Jaffa, in Ramleh und in Jerusalem sogenannte Hospizen, Prachtbauten, namentlich inJ rusalem außerhalb der Mauern tost eine kleine Stadt errichten lassen. Ein Riesengcbäude, in sich enthaltend die Wohnungen des Consuls sammt Beamtenheeres, die Wohnung des russischen Patriarchen und gesammten zahlreichen Clerus, die Wohnungen der ruffi'chen Missionsmitglieder, ein prächtig eingerichtetes Hospital, ein über 600 Pilger 'affendes Hospiz. Bemerkenswcrlh ist auch, daß in Syrien, besonders aber in Jerusalem, wo — wie im ganzen Oriente — das Geld verschiedener Regierungen courfirt, außer dem türkischen, am meisten, fa größte ntheils nur russische Münzen im Verkehr sind. Wenn man bei Zeiten Morgens von Ramleh aufbricht, so reitet man durch die Ebene von Saron 5 Stunden lang bis zur zweiten Etappe, Namens Bab el Ouad. Hier cxistirt bis jetzt nur ein arabisches sogenanntes Kaffeehaus, eine von Nauch geschwärzte schmutzige Lehmhütte, mit einer von Laub errichteten Vorhalle; daielbst bietet ein arabi'cher halbnackter Caffetier, den rastenden Touristen seinen wohldustenden Mokka und Nargileh dar. Um also hier einen Mittagsimbiß nehmen zu können, ist der Tourist gezwungen, entweder in Jaffa oder in Ramleh sich mit Nahrungsmitteln za versehen Bei der enormen Frequenz Palästina's von Seiten der Russen, Engländer, Deutschen und Framostn würde es ein lohnendes Unternehmen sein, in Bab el Onad ein Wirthshaus zu errichten; namentlich jetzt, wo der Straßenbau von Jaffa bis Jerusalem bereits in Ang.iff genommen, in einigen Monaten schon ganz vollendet sein dürfte. Mit Recht kann man Palästina auch jetzt noch „das Honig und Milch reichlich bietende Land" nennen, wenn man im Frühling, Sommer oder Herbst die Ebene Saron's durchreitend daselbst die üppige Vegetation zu bewundern Gelegenheit hat. Das Land bietet, trotz des voles far niente s> iner eingebornen und eingewanderten Einwohner, trotz des primitivsten Zustandes der Cultur, eine reichliche Ernte an Getreide und Früchten. Bis Bab el Ouad war auch bis jetzt der schon von der Nutur geebnete Weg ziemlich passirbar; von da an jedoch bot das enorm hohe, bis Jerusalem sich erstreckende Gebirge Judäa's mit seinen engen, holperigen. mit Felsb'öcken und Gruben durchsetzten unsicheren Wegen eine ziemlich ermüdende, mitunter lebensgefährliche Reise dar. Jetzt hingegen wird theils durch Abtragen der Anhöhen, durch Fallen der den Weg versperrenden riesigen Kaktusbäume. theils durch Sprenge« der Felsblöcke eine, wenn auch bald schlangen, bald wellenförmig ungerade, jedoch ziemlich paffirbare Straße gebaut. Die dritte Etappe ist das von Bab el Ouad 4 Stunden entfernte Dorf „Abugosch", einst berüchtigt durch seine raubgierigen Einwohner, die, Dank den Maßregeln des Paschah's Kiamil. jetzt die friedlichsten und fleißigsten Ackerbauer sind. Hier ist nicht einmal eine Hülte zum Rasten der Touristen vorhanden; man ruht in der Nähe der noch von Gottfried von Bouillon errichtet sein sollenden Kirchenrume, wo eine Cisterne die erschöpften Reiter mit frischem, klarem Trinkwaffer erquickt. — Von da gelangt man in 4 Stunden zu dem sogenannten Jaffa er Thore Jerusalems. vr. London. ANZEIGEN. in Lehrer, welcher im Hebräischen gründlichen Unterricht ertheilen kann. wird für einen Knaben von 8 Jahren und für ein Mädchen von 6 Jabren gesucht. Da die Kinder die deutsche Schule besuchen, so ist dadurch einem jungen Manne Gelegenheit geboten, sich am hiesigen Gymnasium auSzubilde«. Reflectanten wollen sich gefälligst an den Unterzeichneten wenden. Bernard Levy in Münstereifel.