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Der Israelit · 1868-04-01 · Heft 14-15 (1.4.1868) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 14-15 (1.4.1868)
Date
1868-04-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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246 „Za, edler Gälte, wie die Sonne soll man sein, duldsam und nachsichtig, rein, leuchtend und erwärmend!" XI. Die Weihe. Ach, daß ich von dieser trefflichen Frau auf ewig getrennt leben muß! Und von meinen geliebten Kindern! Anfangs konnte ich wir nicht Vorsteven, wie ich im Stande sein würde, die erlittene Trennung zu ertragen. Mir wurde ja das Tbeuerste und Liebste entrissen, was ich aus Erden besaß. Es schien mir, wie wenn mir ein Thnl meines eigenen Wes. ns genommen worden wäre Die Welt hatte nun keinen Reiz mehr für m'ch, ich sah überall nichts als Vergänglichkeit. Der zarte Farbenjchmelz, der heute die Schwingen des Sonne» vogels ziert, ist morgen schon von dem rauhen Ncrd zerstäubt; das strahlende, duftige Gold der Blume, welches heute des Menschen Auge erfreut, wird morgen schon vor dem glühenden Strahl der Sonne erbleichen. O! mag die mit Duft geschmückte Rose ih" glänzendes Haupt mit Stolz erheben, der gefräßige Wurm nagt tödtlich an ih er Wurzel; mag der Quell seine funkelnden Sllbcrpcrlen in den Aether werfen, auf seinem Grunde schleicht das häßliche Reptil langsam und träge dahin. Gott allein ist unvergänglich, ewig währt sein Dasein; selbst rmnn die ganze Schörfurg oushört und Alles prrgcht, wird Er noch sein. Zhm sich m weihen. Seinen Namen zu verherrlichen, ist das höchste Gut der Men'chen. Dieser Gedanke bemächtigte sich meiner ganzen Seele und erhob m ch über alle irdischen Dinge, über olles menschliche Thun und Lüsten. Meipe Zelle wurde ein Tempel Gottes, wo ich gehüllt im Talith, mit Tephillin geschmückt, von Morgens bis Abends dem Ewigen diente. Die Psalmen 7 avidS, die erhebendsten Gesänge zum Preise Gottes, beschäftigten mich Tag und Nacht. Zuerst commentirte ich in zwei besonderen Werken das Halle! oder die Psalmen 113 b»S I18 und den Psalm 119, genannt Th«mania Appe; dann die übrigen Psalmen in einem dritten Bucke. Die Erklärung des Psalm 119 ist dos oben erwähnte, von meinem seligen Vater angefangrne Werk: er halte den Psalm nur bis zu den Buchstaben Wav commenürt. Zur selben Zeit, als ich anfing, die Psalmen so eifrig zu erklären, studirte ich mit nicht weniger Eifer die Mischna. Za, dieser Text der mündlich.n Lehre Gottes beschäftigte mich vielleicht noch mehr als die Psalmen, weil wir Zoseph Caro's große Folge dieses Studiums bekannt war. Denn seitdem mir mein seliger Vater liefe merkwürdige Folge erzählt, hatte ich mir besten Schrift Maggid Mescharim verschafft und sie fleißig gelesen. Die Wirkung blieb auch bei mir nicht aus; ich soh — o! wer gibt mir Worte, auszudrücken, was ich sah: Es schwebte aus himmlischen G'filden Ein höheres Wesen gegen die Erde herab. Sein seliges Auge, voller Sanfimnth, Grüßte freundlich mein erstauntes Herz. Siebe ein stilles einsames Leben, Fromm und ergeben Gott geweiht; Dessen he-ße S.hnsuchr seiner Seele Dich mit heiligen Thänen willkommen heißt. Du ziehst mich an, himmlische Erscheinung, Doch weiche ich bange Zurück; Du fistelst mich, höheres Wesen, Doch zittere ich vor Deiner Stimme. Da ertönte dwch meine Zelle, harmenisch wie die Saite einer Arolrharfe: Friede, Friede, Friede dem Dulder! Heilig ist sein Gezelt, heilig der Ort, wo er sich Gott geweiht. Ein seliges Vergessen aller irdischen Leiden hatte sich meiner bemächtigt. Mein Geist, von ollen menschlichen .Fesseln befreit, erhob sich in den Himmel. MeS, was ich in meinen einsanun Stunden uur dunkel geahnt stand in lichter, vollendeter Klarheit groß und erhaben vor meinem geistigen Auge! Alles in mir, außer mir war Entzücken. Liebe, Seligkeit! Zch sah die Schaaren verklärter Geister mit Palmen gesctmückt durch unendliche Welten schreiten unbeengt durck R um und Zeit. Die Helden der Wistenschaft, der Wnsheit und des Glaubens sah ich mit gekröntem Haupte im Paradies sttzen und mit seliger Wonne die erhabensten Eigenschaften Gottes bewundern. (Forts, folgt.) A N2 E I (* E i« Bei bescheidenen Ansprüchen. Sine junge Hamburgerin, ans höchst achtbarer Familie, sucht außerhalb Hamburgs eine Stelle um der Hausfrau bei der Erziehung der Kinder und äUch im Haushalt behilflich tu sein. Gest. Wbt unter S. O. 415, nehmen 8? Dbglev in Hamburg entgegen.

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