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Der Israelit · 1868-03-25 · Heft 13 (25.3.1868) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 13 (25.3.1868)
Date
1868-03-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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218 nm. Verzeihen Sie, daß ich Sie mit meinem Berichte behellige, dessen Inhalt Sie vielleicht kennm, aber nicht so wie ich aus eigener Anschauung. Möge der Allgütige die Herzen unserer wohlhabenden Brüder mit Erbarmen erfüllen, damit sie helfen, Tausende vom Hungertode zu erretten. Genehmigen Sie die Versicherung vorzüglicher Hochachtung Ihres ergebenen L. Heß aus Bingen am Rh." Als zweites Actenstück lasten wir eine Bekanntmachung des Vorstandes der israel. Gemeinde zu K önigsberg in Preußen folgen, aus dem hervorgeht, daß die Israeliten Preußen auch aus den allgemeinen Sammlungen betheiligt werden. Die erwähnte Bekanntmachung lautet: „In Folge mehrerer von auswärts an den Unterzeichneten Vorstand gerichteten Anfragen, ob die den hiesigen verschiedenen Nothstands-Comiö's zur Verwendung überwiesenen Mittel auch im Sinne vollster Gleichheit in Bezug auf das religiöse Bekenntniß vertheilt werden, nimmt derselbe hiemit Veranlassung im Gefühle wahrer Befriedigung öffentlich zu erklären, daß bei der, dem Nothstande in Ostpreußen gegenüber in so reichem Maaße geübten Wohlthätigkeit, nirgends auch nur der geringste Unterschied zwischen Christen und Juden zu Tage getreten ist, daß sämmtliche Comitö's ihre aufopfernde Thätigkeit ohne Rücksicht auf das Bekenntniß der Dürftigen entfalten. Als besonders anerkennenswerth muß bezeichnet werden, daß denjenigen jüdischen Gemeinden Ostpreußens, deren Mitglieder durch religiöse Bedenken von der Benutzung rer dort eingerichteten Suppenanstalten abgehalten werden, auf ihren geäußerten Wunsch besondere Fonds zur Vertheilung an ihren Armen sofort überwiesen werden. Der Unterzeichnete Vorstand richtet zugleich an seine Glaubensgenosten die Bitte, auch ferner den hiesigen Comitö's reichliche Spenden zufließen zu lasten, und ist er der Ueberzeugung, daß gerechte Wünsche stets volle Berücksichtigung finden werden. Königsberg in Pr., den 13. März 1363. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde." Die dritte Correspondenz spricht sich noch deutlicher aus; wir geben sie ohne Bemerkung hier wieder: „Gumbinnen, im März. 'b »in idin qk ’i« now uh dn. Die traurige Berühmtheit, welche der Nothstand unserm Litthauen verschafft hat, erregte die thätige Liebe unserer Freunde in der Ferne für unsere hiesigen Glaubensgenoffen und wir wurden von verschiedenen Seiten angefragt, ob die gesammelten Gaben auch uns zu Gute kommen. Dies haben wir verneint, da, unseres Wiffens, keine Syn. - Gemeinde unseres Bezirkes eine Unterstützung aus öffentlichen Collecten beanspruchte. Glücklicherweise gibt eS in Ostpreußen keine jüdischen Proletarier, und die wenigen Almosenempfänger, welche hie und da sind, werden trotz aller Calamität von ihren Gemeinden ausreichend unterstützt. Darum hat weder Königsberg noch Tilsit, oder Lyck noch Johannisberg u. A. irgend welche Beihilfe der Herren Glaubensbrüder angesprochen, weil sie ehrenhaft sind und es verschmähen, die Mildthätigkeit unserer opferwilligen Genoffen auch ihrerseits auszubeuten. Das haben wir auch den Behörden gegenüber erklärt und wir wären stolz darauf, denn es ist ein Dffn irnp. Doch Sch. mit seinem Dutzend hat sich berufen gefühlt, ein jüd. Central- Unterstützungs-Comitä zu bilden und dies hat Gemeinden mit Gaben bedacht, welche bisher zu den Begütertsten in unserer Provinz zählten. Heilsberg, Rastenberg. Rössel und Wormdit haben jederzeit ihre etwaigen Armen ohne Schwierigkeit unterhalten und nie eine Unterstützung von Auswärts verlangt. Um so befremdender muß es sein, wenn jetzt, nachdem Memel und Lyck das bittere Elend der Israeliten Polens so lebhaft geschildert haben, — einen Nothstand, der auch nach unserer Ueberzeugung leider das höchste Maaß erreicht hat — die Duodezgemeinde noch ferner Almosen pro domo zu fordern wägt. Zwar dürfen wir ihr darum nicht grollen; aber eine jüdische Gemeinde Preußens, die wegen ihres angeblichen Nothstandes fortan noch Unterstützung von Außen annimmt pn re* ]rP nTny, versündigt sich an unfern hungernden Glaubensgenossen in Polen. Ich könnte Jammerscenen von drüben schildern, die herzbrechend sind. Ich kenne polnische Gemeinden, in denen es nicht einen Reichen und gar keinen lohnenden Erwerbszweig mehr gibt, wo viele Arme in ihren Hütten Hungers sterben, da sie ganz entblößt sind und darum nicht über die Grenze flüchten können. Wahrlich, für ein solches Elend gibt's in ganz Europa kein Seitenstück. Dabei herrscht dort eine Theuerung, wie sie bei den hiesigen Communicationswegen wohl nie sein könnte. Darum erbarmt Euch, Ihr Wohlthäter in Israel! sparet jeden Pfennig npnst für die Unglücklichen Polens. Sendet Euere Spenden nach Memel, nach Lyck und den andern Grenzgemeinden Ostpreußens, die gewiffenhaft es dahin senden werden, wo der Hungertod Hunderte von Opfern hinrafft, dann thut Ihr Euer Bestes; und wenn viele Gaben eingehen, wird es 'myn den Arbeitsfähigen endlich möglich gemacht werden, das Land des Verderbens zu verlassen und in der Ferne für Weib und Kind einen Erwerb zu suchen, den sie daheim nimmermehr finden können. Das ist unsere Ueberzeugung, und Gott weiß, daß wir es nur veröffentlicht haben." Wir lasten nun noch einen Aufruf aus Tilsit

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