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Der Israelit · 1868-03-18 · Heft 12 (18.3.1868) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 12 (18.3.1868)
Date
1868-03-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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208 Alderman Glorer: Herr Jackson, Sie müssen das Zeugniß unterschreiben, ehe Sie das Gerichtshaus verlassen. I.: Dann bleibe ich, bis der Sabbat vorüber ist. Stadtrath Anderson: Ein Christ achtet seinen Ruhetag eben so, wie Sie den Ihrigen achten, und dieser würde sich nicht weigern, ein Blatt zu unterzeichnen. I.: Dadurch übertreten wir das Gesetz. Sie wisien, daß ich darin erzogen bin. Herr Jackson setzte sich, und die Verhandlungen gingen weiter. Während die anderen Fälle vorgenommen wurden, verließ Jackson das Gericht, um sich ein Getränk zu holen, und als er zurückkam, wurde er auf eine solche Weise behandelt, daß er endlich ein Handzeichen machte; das war aber nicht genügend, und da ihm gedroht wurde, 7 oder 14 Tage in's Gefängniß zu kommen, Unterzeichnete er endlich seinen Namen. (Jew. Chron.) Syrien. Danrascus, 27. Januar. Vor etlichen Tagen gelangten nach Damascus 30 jüdische Familien, welche auö Persien entflohen waren. Sie erzählten, daß jie bei ihrer Abreise von ihrer Geburtsstadt (in der Nähe von Hamadan) zahlreicher waren, und nur durch große Geldopfer die persische Grenze überschreiten konnten. Viele von diesen Unglücklichen wurden auf dem Wege von den Beduinenhorden ermordet, alle jedoch geplündert, so daß sie in der gräßlichsten Armuth hierhergelangten. Die hiesigen Israeliten haben sie bis heute verpflegt; erst jetzt werden diese Verlassenen sich nach den verschiedenen Städten Syriens zerstreuen. Das Herz erbebt bei dem Anhören des Druckes, wovon sie erzählen. Leider ist es auch schwer, diesen Unglücklichen Hilfe zu bringen, da die Centralregierung zu Teheran oft selbst unmächtig ist gegenüber ihren habsüchtigen Provinzialbeamten. Sodann ist der persische Muhamedaner außerordentlich fanatisch. Jndeß wagt er es dennoch nicht, sich an den im persischen Reiche wohnenden Armeniern und Nestorianern zu vergreifen!! Sehr verdient um das persische Judenthum macht sich Herr Lurian aus Bagdad. Derselbe, ein geborner Lithauer, wohnt seit zwölf Jahren in Bagdad, von wo aus er über die nahegelegnen jüdischen Gemeinden wacht und bei dem geringsten Vorfälle das Interesse der Consuln für dieselben erweckt. Herr L. ist auch sehr geachtet in der großen Gemeinde, welche er zu heben bestrebt ist. Die ungetheilte Sympathie der Juden Bagdads für Herrn I. Lurian ist das sprechendste Zeugniß für dessen edles Streben, da sonst die arabischen Juden den Aschkenasim nicht immer hold sind. In Bagdad erscheint jetzt eine lithographirte Zeitschrift in hebräischer Sprache; in neuerer Zeit wurden dorthin auch viele jüdische Werke aus Europa versendet. Vor etwa vierzehn Tagen sah ich dahier einen Israeliten, welcher auffallender Weise Beduinenkleidung trug. Einen Augenblick gab ich mich der Hoffnung hin, einen Jehud Chebr gefunden zu haben. Ich wurde jedoch getäuscht und konnte nur erfahren, daß genanntes Individuum aus der Umgegend Mossul's sei und jetzt sich auf einer Pilgerreise nach Jerusalem befände. Die hiesigen Nabbinen wähnten in demselben einen Karaiter, da er von Talmud nichts wußte, trotzdem er ganz geläufig die hebräische Sprache spricht. Ich bemerkte den Chachamim, daß in Mesopotamien nie Kara'i'ten gefunden worden waren, daß vielmehr die Unkenntniß des Vorhandenseins des Talmuds sich durch die Jsolirung erklären ließ, in welche die Juden jenes Striches seit langer Zeit gebannt seien. — In Bezug auf die Jehud Chebr sagte mir Jemand, welcher viel mit Beduinen umgeht, und seit langen Jahren Nachfrage nach diesem Stamme hält, daß ein Beduine ihm den Ausdruck Jehud Chebr als einen Spottnamen bezeichnete, womit die Araber der Karawanenstraße Mekkas einen Stamm verhöhnen. Derselbe Beduine versicherte, daß diese Jehud Chebr Muselmänner und Beduinen seien. Ich halte diese Angabe für nicht unwahrscheinlich; von den fernsten Gegenden strömen doch Juden nach Palästina, welches selbst die unwisscnsten als unser heiliges Stammland anerkennen; sollten so nahewohnende Stämme sich nicht einmal wenigstens hierher wagen zu ihren Glaubensgenossen? Dieser Araberstamm, gekannt unter dem Namen Jehud Chebr, wohnt etwa Zehntagreisen entfernt von hier an der großen Straße, auf der alljährlich tausende von Pilgern nach der Kabbah wandern. — Die Ankunft eines ehrwürdigen jüdischen Greises aus Persien hat mich wiederum auf die Beobachtung gebracht, daß die Sprache und Betonung der jüdischen Sprache in Persien sich mehr der unsrigen als der arabischen nähert. Die arabischen Israeliten betonen fast jedes Kametz A, den Buchstaben fl immer wie ft, etwas zischender, während ich von einigen Persern das p| gerade wie bei den deutschen Juden aussprechen Hörle. Es liegt dies an der Verschiedenheit der Idiome. Ich habe auch bemerkt, daß die Aussprache des p"r6 nicht überall dieselbe ist in der Türkei. Im Archipel wird das n wie das griechische ck dsalet ausgesprochen, n wie D oder das englische Isis. Von dem in Italien so stark nasalirenden v konnte ich hier nichts vernehmen; dieser Buchstabe wird hier rein als Guttorale betont, wozu die Araber besonders fähig find. Hingegen wird das p (Kuss) bei den arabischen Juden hart mitgenommen oder vielmehr wie der arabische Buchstabe ganz vernachlässigt. In DamaS-

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