Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1868)
- Date
- 1868-01-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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81 Schule unterrichtet wurde, mit aller Pünktlichkeit wiederholten; erst wenn wir dies gethan hatten, erlaubte er uns einige Erholung und Unterhaltung. Bisweilen ging er mit meinen Brüdern und mit mir spazieren, und ich erinnere mich noch immer mit vielem Vergnügen der lehrreichen Gespräche, die er mit uns hielt. Besonders gern lenkte er seine Unterhaltungen auf die berühmten Männer in Israel, und sagte rft zu uns: — „Liebe Kinder, vergesset nie die Männer des Ruhmes; haltet euch stets an ihren Lehren; wandelt auf ihren Wegen, und auf ihren Stegen ist Heil." Welche denkwürdige Anekdoten und Charackterzüge hat er uns von ihnen mitgetheilt! Besonders machte auf mich, ein Zug aus dem Leben des hochgeehrten Rabbi Joseph Caro, einen überwältigenden Eindruck. Dieser große Mann, dem wir unfern Religions- und Ritual-Codex, Schulchan Aruch genannt, verdanken, hatte prophetische Träume und weissagende Visionen, welche ihm durch ein höheres Wesen geoffenbart wurden. Dieses Wesen war aber weder ein Engel noch sonst ein höherer Geist, sondern die Misch na, unter dem Bilde einer Person vorgestellt. Sie hat sich aus Liebe zu ihm, weil er sich mit besonderm Fleiß ihrem Studium gewidmet hatte, huldreich gezeigt. und ihm des Nachts Offenbarungen mitgetheilt. Diese Visionen, von Caro sorgfältig ausgezeichnet, und nach seinem Tode theilweise im Druck erschienen, find sehr merkwürdig. Das höhere Wesen oder die Mischna, auch Mutter - Mischna genannt, war eine fromme, ernsthafte Mutter. Sie versagte ihrem Liebling den Genuß von Fleisch und Wein, oft selbst nach Lust, Waffer zu trinken, außer an den Tagen des Sabbat's und der Feste. Das geringste Vergehen von Seiten Caro's erregte ihren Eifer. Sie erschien ihm alsbald des Nachts im Schlafe und machte ihm die strengsten Vorwürfe. Hingegen war andrerseits, bei genauer Beobachtung der Synagogengebräuche, der Synagogenordnungen oder des Studium's der Mischna ihre Mutterliebe so groß, daß sie ihm die wichtigsten Familienangelegenheiten offenbarte. So verkündigte sie ihm einst, als ihm zwei Kinder durch den Tod entriffen wurden, und ein Sohn ihm plötzlich stumm ward, daß ihm seine Gattin einen frommen Sohn gebären werde, dann ihm wegfterbe, und er zwei Frauen, eine nach der andern heimführen werde. Diese Verbindungen würden ihm mit^'weltlichen Gütern überhäufen, und fein Glück machen. Und so geschah es auch in der That; Joseph: Caro hatte drei Jungfrauen nach einander geheirathet, wovon die zwei letztern und besonders die deutsche, Tochter des reichen Zacharia Sachsel, ihm viel Geld zubrachten. (Fortsetzung folgt.) König Davids Tod. Wie Vieles, Herr! hast Du mir kundgegeben, Wenn ich in Weihestunden vor Dir lag! O, laß mich meiner Zukunft Schleier heben, Verkünde mir, wann naht mein Sterbetag? So flehte einst der königliche Sänger. Darauf der Herr: „Wann deine Stunde kommt, Vorwitz'ger Frager! Forsche du nicht länger. Verborgen bleib' ein Wissen, das nicht frommt. Nur dieses will ich weisend dir enthüllen: An einem Sabbat halte dich bereit." Am Ruhetag? Noch gönne zu erfüllen, Was ob mir liegt, des nächsten Tages Zeit. „Um diesen nächsten wär' die Herrscherdauer — Wirst du das wollen? — Salomo's verkürzt." Am Freitag denn, da König sich und Bauer Zur Sabbatfeier reiniget und schürzt. „Auch nicht am Freitag. Ob nur Eine Stunde Von deinem Leben, David! ich entrieth*, Entginge mir an Preis aus deinem Munde Mehr als dein weiser Sohn an Opfern biet'. Bestimmt für Jeden und nicht zu verrücken Ist seine Zeit, so Ende wie Beginn. So wirke fort, um Juda zu beglücken Und mir zu Ehren forsch' mit treuem Sinn." Und forschend treu — an einem Sabbat eben — Der König wandelt' in der Gärten Raum; Er sinnt und forschet — Gottes Wort ist Leben — Der Tod umschleicht ihn, wagt sich näher kaum. Gekommen ist des heil'gen Sängers Stunde; Doch weil er betet, säumt der Tod und harrt, Bis ende das Gebet aus seinem Munde, Nicht früher sei für immer er erstarrt. Zu lange währt's. Wird nicht der Fromme schweigen? Die Inbrunst, die zu Himmelshöhen flammt. Für einen Augenblick zur Erde neigen? Erfüllen endlich muß der Tod sein Amt. Er schüttelt, daß wie Sturm die Blätter rauschen, An einem hohen Baum — der König schweigt, Der Störung gram, dem ird'scheu Ton zu lauschen — Und hat auch sterbend schon sein Haupt geneigt. Von blauen Höhen aber schwebt hernieder Ein Adlerpaar und decket wie ein Zelt Im Sonnenbrand den Sänger heil'ger Lieder, Die weih'durchschauert singt die Enkelwelt. Adolf Foglar. (Hebrew.)