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Der Israelit · 1868-01-29 · Heft 5 (29.1.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 5 (29.1.1868)
Date
1868-01-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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79 dieser gesch. Zeitschrift das Wort geredet wurde — auf Widerstand stieß, und doch ist dem so. Sie hat noch heute der Gegner genug, ohne daß diese einen triftigen Grund für die Aufrechthaltung der kleinen Bethäuser anzugeben im Stande sind, während sie selbst einräumen müssen, daß die kleinen Synagogen den großen nicht nur bedeutenden Abbruch an Ansehen und Einkommen thaten, sondern daß der Fortbestand der elfteren die Auflösung der letzteren zur Folge gehabt hätte. Oder sollten diese Herren die Schließung der großen Synagogen zu Gunsten der kleinen vorziehen? Das ist doch nicht anzunehmen. Und da ich von den Herren zu gut denke, um ihnen zuzumuthen, daß ihr Widerstand aus bloßer Streitsucht entspringt, so kann es nur Haß gegen jede neue Einrichtung — und wäre diese auch noch so vortrefflich, noch so berechtigt und durchaus nicht gegen den j/'Y'tp, selbst nicht gegen einen arm verstoßend — sein, was sie veranlaßt, dieserwegen dem hochw. Herrn Rabbiner, dem ehrw. Rabbinats Collegium, noch mehr dem Hrn. M. L. Kohn, der sich, nebenbei bemerkt, in der ganzen Angelegenheit passiv verhielt, zu grollen, und insbesondere den allgemein geehrten Vorstand anzufeinden. Um so größer jedoch ist das Verdienst des wackern Vorstandes, der sich hierdurch in seinem Beschlüsse nicht beirren ließ. Er kann sich auch getrost über die Meinung Jener hinwegsetzen; denn mit ihm ist das Recht und hinter ihm stehen alle Besserdenkenden in der Gemeinde. Uebrigens werden auch die Unzufriedenen zur Einsicht gelangen, und wird der Friede und die Eintracht in der Gemeinde nicht gestört werden. — Bedauernswerth.ist nur, daß durch die Aufhebung der kleinen Beihäuser die Funktionäre dersel en ganz brodlos geworden und völlig der Roth und dem Elende preisgegeben find. Doch läßt sich zuversichtlich erwarten, unser durch Gerechtigkeitssinn und Großherzigkeit ausgezeichneter Vorstand werde den Ansprüchen dieser Armen Rechnung tragen, und sie auf irgend eine Weise für den erlittenen Verlust vollkommen entschädigen. — Donaufürstenthümer. Jassy, 8. Jan. Wir haben bereits kurz erwähnt, daß der gräßliche Vorgang in Galacz vom letzten Sommer leider nicht den letzten Abschluß jener brutalen Judenverfolgung bildet, deren der fanatisirte Pöbel sich hier und in anderen rumänischen Städten schuldig macht. So wird einem Wiener Blatte aus der Disirictsstadt Verlad gemeldet, daß der Tod des Mönchs Sophonie Varnaff das Signal zu neuen Kundgebungen dieses Judenhasses gegeben hat. Der Verstorbene, der als ein ehrenwerther aber exaltirter Charakter geschildert wird, gehört zur rolhen Partei und war Volksvertreter. Nach 1848 hatte er eine Zeitlang das Land meidm müssen. Als dieser Mann nun vorgestern plötzlich mit Tode abging, verbreitete sich sofort der Verdacht eines Mordes. „Varnaff ist vergiftet!" schrie ein zusammengerotteter Pöbel. „Nieder mit dm Juden!" war bald das Feldgeschrei. Und mit Berserkerwuth stürzte eine Pöbelrotte in die Häuser und Geschäftslocale der Juden, mißhandelte, zerstörte und plünderte nach Herzenslust. Die Localbehörde hat mit apathischer Gleichgiltigkeit dem Entwicklungsgänge dieser traurigen Vorfälle zugesehen; als aber die Plünderung überhandgenommen, die Zahl der Schwerverwundeten gewachsen und die Bestürzung der Population auf das Höchste gestiegen war, entschloß sie sich zum Heranzuge der Dorobanzen-Abtheilung. Lieutenant Eotes wurde bei dem Bemühen, die Ordnung wiederherzustellen, schwer verwundet. Auch der gewesene Minister und Kammerpräsident Epurano ist vom Pöbel übel zugerichtet worden. Die ersten Flüchtlinge aus Verlad sind soeben hier eingetroffen, es herrscht dort große Aufregung und BtAärzung. Das Haus Epurano's ist demolirt, man hegt dort Befürchtungen für den Begräbnißtag Varnaff's. Bukarest, 15. Januar. Die ordentliche Session der Kammer und des Senates wurde heule feierlich durch den Fürsten Karl eröffnet. Die in rumänischer Sprache gehaltene Thronrede versichert die Aufrechthaltung der Principien der Humanität und Toleranz gegen die Israeliten. Aus Bukarest geht uns vom 10. December, folgende Mittheilung zu: „Die Gerüchte von einer Entlassung des fürstlichen Cabinets-Secretairs, Hofraths Friedländer, entbehren jeder Begründung. Im Gegentheil ist derselbe zum Chef des fürstlichen Cabinets ernannt worden." Friedländer stammt bekanntlich aus Breslau, wo er früher einen Cigarrmhandel betrieb, und ist Jude. — (Abld.) Palästina. □ Einer englischen Aktiengesellschaft ist die Concesfion zum Bau der „Orientbahn" verliehen worden. Dieselbe wird in ihrer Hauptlinie von Konstantinopel bis Basrah am persischm Meerbusen , Nordpalästina berühren, und eine Zweigbahn bis Suez das eigentliche hl. Land durchschneiden. — Australien. Melbourne. Bei der Anwesenheit des Herzogs von Edinburg am 26. November vorigen Jahres hatten die beiden Vorsänger, Herr M. Rintel und Herr A. F. Orenstein bei demselben Audienz. In derselben überreichten sie ihm Adressen von den beiden isr. Gemeinden. (Jew. Chron.)

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