Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1867)
- Date
- 1867-12-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447341--05725-2461246- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
888 Töchter in unsere Schule. In der jüngsten Zeit habe -ich auch in der englischen Sprache unterrichtet, hingegen den Unterricht in der deutschen Sprache ausgesetzt, da in diesem Bezirk wenig Inden wohnen, die deutsch sprechen. Mein Hauptaugenmerk verwende ich aus das Alte und Neue Testament und auf dm Katechismus; dabei sehe ich daraus, daß die jüdischen Kinder in den christlichen Gebeten geübt werden und habe ich die Hoffnung, daß es uns auf diese Weise gelingen wird, in die Herzen dieser jüdischen Kinder den christlichen Glauben zu verpflanzen, und daß diese auch, wenn sie erwachsm sind, unserm Glaubm zugethan bleiben. In den letzten Monaten wurdm unterrichtet: 5 Kapitel von den Briefen Matthias, 6 Kapitel von St. Marcus, 8 Kapitel von St. Lukas und 8 Kapitel aus der Sendung Johannes des Täusers. Die Kinder lernen diese Geschichten mit großer Freude, so daß die Mädchen gar keine Lust mehr zeigen, die jüdische Geschichte kennen zu lernen. Die Kinder können die christlichen Glaubenssätze auswendig hersagen. DaS sind die Hauptunterrichtsgegenstände, außerdem wird Schreiben, Rechnen und Geographie unterrichtet; die Mädchen haben auch Handarbeitsturden. Die Eltern freuen sich sehr über die Fortschritte ihrer Kinder und schicken sie sehr gerne in unsere Schule." — Höchst betrübend sind solche Erscheinungen; kaum zu glauben, daß Solches in einer Stadt wie Konstantinopel, woselbst so viele reiche, wvhlthätige und einflußreiche Männer und so viele Rabbinen wohnen, geschehen kann. Als sich in Europa die Kunde verbreitete, daß englische Missionäre die Falaschas in Abessynien zum Christenthum bekehren wollen, da war die europäische Iudeuheit ganz entrüstet darüber und erst jüngst schickte die „Alliance Isr.“ einen jüdischen Sendboten dorthin , um dieselben vor den Missionären zu warnen. Und doch sind diese Falaschas beinahe nur noch dem Namen nach Juden, die im Laufe der Jahrhunderte ihren Ursprung und fast alle Grundsätze der jüdischen Religion vergessen haben, und hier in Konstantinopel, inmitten so vieler Rabbinen, die in der h. Thora bewandert sind, kann es geschehen, daß ihre armen Glaubensgenossen ihre Kinder in Schulen schicken, in betten sie dem Chrrstenthume zugeführt werden? Muß da die Entrüstung nicht um so größer sein? Hoffen wir, daß unsere reichen Glaubensgenossen dieser Stadt den begangenen Fehler durch Errichtung jüdischer Sckule wieder gut zu macken suchen. Palästina. j Jerusalem, Ende November. Die Berichte der Zeitungen, daß eine Eisenbahn von Jaffa nach i Jerusalem gebaut werde, beruhen auf Irrthum. Es; wird vielmehr energisch an einer Chaussee gebaut;; diese soll bis Ostern fertig werden , weil bis dahin j die Kaiserin Eugenie, welche eine Pilgerfahrt nach Jerusalem zu mackm beabsichtigt, erwartet wird. Die amerikanische Colonie zu Jaffa hat sich aufgelöst. Es fehlte dm Leuten an Geld, und von Amerika blieb die erwartete Unterstützung aus. Das gegebene Beispiel mag unsere Glaubenögenossm zur äußersten Vorsicht mahnen, damit nicht ohne gmügende Mittel Projecte in Bezug auf den Ackerbau in Palästina in Angriff genommen werden, die nachher an Geldmangel scheitern. Hätten die Amerikaner ihre Grundstücke als bezahltes Eigenthum gehabt, wären sie mit Viehstand gehörig versehen gewesen — an Fleiß haben sie es nicht fehlen lassen; allein kann Fleiß allein aus Nichts Etwas schaffen? Das vermag nur Gott. — M. Sachs. Jerusalem, im November. Die Suppenanstalt, für die in diesen Blättern bisher gesammelt worden, ist eine sephardische, die sich daraus beschränkt, am Sabbat Speise verabfolgen zu lassen. Cs gibt aber auch eine aschkenasische, die täglich Speise verabreicht und zwar an 50 bis hundert Menschen. Es wäre sehr zu wünschen, wenn auch für diese Anstalt Spenden von auswärts eingingen. An der Spitze derselben st ehr H err F i s ch e l Lapin Cohn aus Grodno in Rußland, der reichste Mann in Jerusalem, der bereits Tausende an hiesige Arme vertheilt hat; die Gemahlin des Herrn Michael Silbermann, eines ebenfalls vermögenden Mannes, besorgt mit mehreren Köchinnen die Küche unentgeltlich. — Die beiden genannten Herren haben mick ersucht, an Sie, geehrter Herr Redacteur, die Bitte zu richten, Vorstehendes zu veröffentlichen, damit das große Werk Unterstützung im Auslände finde. Moses Sachs. Amerika. New-Bork. Der „Jew. Mess." fordert die Rabbiner und Vorsänger der jüdischen Gemeinden New-Uorks aus, dem Beispiele der Richmonder Juden zu folgen, Versammlungen einzuberusen und in denselben die Geschäftsleute zur Heilighaltung des Sabbats zu veranlassen. Dasselbe Blatt glaubt, daß diese Schritte ebenso von Erfolg sein werden, wie es in Richmond gewesen. Wasdirrgtvrr Washington zählt 150 jüdische Familien. Etwas mehr als die Hälfte derselben unterstützen die Synagoge. Einige geschlossene Geschäfte am Sabbat deuten an, daß die Religion noch nicht ganz daselbst erloschen ist. Die Schule hat 80 Schüler, die im Hebräischen, Deutschen und Englischen unterrichte: werden. In Georgetown und Alexanderia sind viele israelitv'cke Familien; aber kein geregelter Gottesdienst; in ersterer Stadt ist blos ern jüdisches Geschäft am Sabbat geschloffen. (Jew. Meff.)