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Der Israelit · 1867-12-11 · Heft 50 (11.12.1867) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 50 (11.12.1867)
Date
1867-12-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
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868 worin wir versammelt sind, Ew. Excellenz zu empfangen. Die Kosten des Hospitals betragen 3 t 0,000 Rupien. Die Regierung gab den Boden und ein Drittel der Summe, und Herr Sasioon 213,000, oder 63,000 Rupien mehr als seine versprochene Gabe. DaS Gebäude kann 144 Patienten ausnehmen. Sollte eine Epidemie ausbrechen, so können im Nothsall noch 60 mehr, also zusammen 200 Patienten, Aufnahme finden. Feuilleton. Belohntes Kottvertrauerr*). Von Abraham Tendlau. Cm schon bejahrter Mann, der früher in guten Umständen gelebt, nun aber unverschuldet verarmt war, kam zu dem Almosenpfleger Raba und bat um Unterstützung. — „Wie bist du zu leben gewohnt?" fragte ihn Raba, eingedenk deS göttlichen Wortes: „Gib dem Armen nach seinem Bedürfnisse**)!" — „Ich esse gern," sagte der Alte, „ein gemästetes Huhn und trinke gern ein Glas guten, alten Weines." „Aber," fragte ihn Raba, „kümmert Dich die Belästigung der Gemeinde nicht?" — „£)," erwiederte der Alte, „zehre ich denn von dem Gute der Gemeinde? — Ich zehre von dem Gute Dessen, von dem geschrieben steht***): „„Aller Augen warten auf Dich, uud Du gibst ihnen ihre Speise, jedem zu seiner Zeit,"" d. h. jedem nach der Zeit und den Umständen, die ihm angemessen sind." „Ein stolzes Vertrauen!" sagte Raba zu sich. — diesem Augenblick trat die Schwester Rabats, die er in zwölf Jahren nicht gesehen, zur Thüre herein und brachte ihm zum Gruße — ein gebratenes, wohlgemästetes Huhn und eine Flasche guten, alten Meines. „Welch lieber, unverhoffter Besuch!" rief freudig Raba, und zugleich sich lächelnd zu dem Alten wendend, sprach er: „Verzeibe mir! Setze Dich und iß und trink mit mir! Gott hat augenblicklich Dein Vertrauen auf ihn belohnt." — *) Nach Ketuboth 67, b. — **) 5. B. M. 15. 8. —■ ***) Ps. 145, 15. — gilt Aesuch iit der k. k. Strafanstalt zu Würau. Von Ol. Karpeles. (Schluß.) Eö dürfte dem mit den Landesverhältnissen unkannten Leser ziemlich unglaublich erscheinen, welche Unwissenheit und krasse Ignoranz auf religiösem Gebiete im Allgemeinen in Polen und Galizien herrscht. Folgende Geschichte, durch Ohrenzeugen verbürgt, möge als Beleg für diese Behauptung dienen. Die galizischen Juden bi'den in der Strafanstalt den überwiegenden Theil der jüdischen Insassen. Nun müssen alle Sträflinge vor ihrem Eintritte in die Strafanstalt sich einer Prüfung in den wichtigsten Lehren der Religion, der biblischen Geschichte u. s. w. bei dem überaus humanen und wahrhaft judensreundlichen Pfarrer der Anstalt, Hrn. P. Scntenzky, unterziehen. Gin polnischer Iudenjnnge, mit vielen andern Collegen wegen Diebstahl und Betrug bestraft, wurde dem Hrn. Pfarrer zur Prüfung vorgestellt. Dieser richtete an ihn einige Fragen aus der Religions- und Morallehre. Dock der 14jährige Junge blieb jede Antwort schuldig. Nach langen Kreuz- und Querzügen, fragte ihn endlich der würdige Geistliche: „Aber Abraham wirst du doch kennen?" keine Antwort; „also hast du doch sicherlich schon von der Akedatb Izchaks gehört?" „nein gar nischt." Nun, mein Gott, da weißt du wohl auch nichts von deinem Stammvater Jakob? Halt, da besinnt sich der Junge: „Ioi, Iaikes, kenn' ich, eb' ich Iaikes kenn, er i doch e großer Gaues ün ward e Wade ach bald her kümmen." Der Unglückliche meinte, es sei von einem seiner Spießgesellen die Rede. — Dies das nackte Factum; wir halten es nicht für nöthig, dem noch etwas hinzuzufügen. Erfreulich ist eö, daß die Verwaltung der Anstalt auch für die Erziehung und den Unterricht der Kinder sorgt; so daß die Knaben, wenn sie die Strafanstalt verlasitN haben, brauchbar für's Leben sind und es nicht nöthig haben, vor den Thüren ihrBrod zu erbetteln und etwa wieder die Zuchthäuser zu bevölkern. Dasselbe geschieht auch mit den Männern hinsichtlich des Arbeitens, so daß selbst Diejenigen, die keine Profession ausüben können, während ihrer Strafzeit ein Handwerk erlernen, das sie dann als freie Männer hinreichend zu ernähren im Stande ist. Zum Schluffe will ich noch die Wahrnehmung erwähnen, daß sich noch nie ein Jude in der Strafanstalt ein disciplinarisches Vergehen zu Schulden kommen ließ, sondern daß im Gegenlheil die jüdischen Sträflinge, die doch nur in den seltensten Fällen ein Handwerk ausüben können, dennoch die rüstigsten Arbeiter sind und nur Anlaß zur Zufriedenheit geben.

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