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Der Israelit · 1867-12-04 · Heft 49 (4.12.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 49 (4.12.1867)
Date
1867-12-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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845 um Emancipation der Juden Herrn Koloman Ghyczy mit der Bitte überreicht, dieselbe in die Hände des Adressaten gelangen zu lassen. Herr Ghyczi empfing die erschienenen fünf Herren aufS Freundlichste und bemerkte ihnen, daß der ihre Angelegenheit betreffende Gesetzentwurf baldigst eingebracht, und, wie er hofft, die günstigste Erledigung finden wird. Zugleich sicherte er der Deputation die wärmste Unterstützung der Angelegenheit durch ihn und seine Parteigenoffen zu, entließ sie nach längerer Unterredung, in deren Verlauf er wiederholt zu den besten Hoffnungen auf die entsprechende Entwicklung der gerechten Sache ermunterte. lFrdbl.) Wien. „ Dem TageSboten" schreibt man aus Wien: An der Hochschule zu Gratz wird demnächst vr. Theodor Gomperz, der Bruder des Bankier Max Gomperz, zum Professor der klassischen Philologie ernannt werden. Gomperz, der sich an verschiedenen deutschen Universitäten aus gebildet, auch längere Zeit in England die klassischen Studien getrieben und als Helenist einen ausgezeichneten Ruf genießt, ist Jude. Er habilirte sich erst mit dem Beginne dieses Semesters an hiesiger Universität. Begreiflicher Weise ist seine Ernennung ein bedeutender Schritt weiter auf der Bahn der Judenemancipation. Lemberg. Die amtliche „Gaz. Lw." meldet, das Urtheil des Lemberger Bezirksgerichtes, das bekanntlich die Sara Radamska zu zehntägigem Arreste verurtheilt, sei von dem Oberlandsgerichte bestätigt und ihre Bitte um Nachsicht der Strafe abgewiesen worden. Erlau, den 49. Nov. Die politische Briese, welche jetzt so frisch und belebend in unserem engeren Vaterlande weht, wirbelt leider viel unnützen Staub auf, und sehe ich mich aus diesem Anlässe bemüssigt die Spalte Ihres, für die Rechte des Unterdrückten so mannhaft einstehenden Blattes zu benützen, um einige Vorfälle in unserer Stadt zu registriren. Zwar haben diese Zeilen keine bestimmte Adresse, nur begnüge ich mich mit der Hoffnung, daß diejenigen, für die sie geschrieben sind, dieselbe sich auch abholen werden. Bekanntlich gehört unsere Stadt Erlau zur enragirtesten Linken, soll also heißen zu den äußersten Liberalen, wie es aber um diesen angeblichen Liberalismus bestellt ist, wollen wir einige Pröbchen zum Besten geben. Der jüngst hier abgehaltene Neujahrsmarkt fiel auf dieheiligen Neujahrstage, und alle Petitionen und Bitten des Herrn Oberrabbiners und der löbl. Cultusgemeinde, diesen Markt auf einen andern Tag zu verlegen, ja selbst das wackere Auftreten des Herrn Bürgermeisters von Tavasy begegnete nur einem starren von possumus. — Hier ein Anderes. Am verflossenen Versöhnungstage, an welchem Tage überall die Lehranstalten geschloffen zu sein pflegen, waren schon die Gymnasialferien abgelaufen, und trotz meiner Bitte und mehrmaligen dringenden Vorstellung um Befreiung der israelitischen Zöglinge von dem Unterrichte dieses Tages, konnte ich es nicht durchsetzen, die Zöglinge vor einem flagranten Religionsbruche zu hüten, dieselben mußten zum allgemeinen Aergerniß die Schule frequentiren, denn an dem tarpejanischen Felsen des starren non possumus prallten alle Vorstellungen wirkungslos ab. — Hier endlich noch eine Probe. Ein Herr vr. Frantz, seit jüngster Zeit constitutioneller Comitatsphisicus, hat einen Vortrag über medica forensis von Stapel laufen lassen, welcher von Elsen mengeriaden strotzt. Ueber die Deutung, die selber die Gesetze Mösts fälschlich unterstellte, wollen wir nicht rechten, doch vergaß sich Herr vr. Frantz im Laufe des Vortrages so weit, das er folgende Worte fallen ließ. — „Moses hat das übliche Händewaschen eingeführt; doch nützt alles nicht, die Juden bleiben doch schmutzig." Ich fühle mich nicht aufgelegt, eine fernere Distel-Lese der übrigen füglich in den schmutzigsten Rinnsal gehörigen Expectorationen des Herrn vr. zu halten, ich will mich auch nicht als Anwalt des um Erlau so verdienten, allgemein hochgeachteten großen Industriellen Herrn Stephan Schwartz, Dampfmühlenbesitzer hier geriren, oder der abgetretenen Behörde, die Herr vr. F. des Unterschleifes bezüchtigte, ja sogar im wissenschaftlichen Vortrage genaue Details, über die Abfindungssumme gegeben, um welche Herr Schwartz das Recht erkauft habe im Rayon der Stadt eine Dampfmühle zu besitzen, trotzdem die Stadt durch den Rauch mit Miasmen geschwängert wird (?); ich will es nur mit Bedauern constatiren, daß Männer, die als Bildner der Generation, unverdrossen Hand anlegen sollten, um auch das letzte Wrack des allenthalben schon gestrandeten Schiffleins „Vorurtheil" MS Meer der Vergessenheit zu versenken, immer noch auf der verwetterten Zinne der mittelalterlichen Zwingburg der Parteileidenschaften stehen, um von diesem Piedestale herab, Theorien, die lange ein überwundener Standpunkt sind, das Wort zu sprechen. — Wahrlich es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, wenn Männer, deren Aufgabe es sein soll, den Kampf mit dem Drachen „Vorurtheil" aufzunehmen, nicht aber am Vorabend der Emancipation, die aufrichtigen Bestrebungen der Israeliten zu verdächtigen, durch Beimengung bitterer Extracte der nässesten Intoleranz, verrottete Vorurtheile, den harmlosen Schülern als Extrakt reiner Forschung austischen. — Doch diene jenen Herren das Eine zur Lehre, daß das Rad der Civilisation unaufhaltsam weiterrollt.

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