Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1867)
- Date
- 1867-10-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447334--05578-2461092- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
750 dem Präsidium des Hauses, sowie dem Herrn vr. Mühlield zugekommen ist, kav auch mir in der Nacht gegen 1 oder 2 kchr zu, unv ich habe E um 6 Uhr Früh im telegraphischen We-e «it der e»tsprechenden Weisung am den StatthaAer von Gcklizien vorläufig erledigt. Ich nehme keinen Anstand wörtlich mitzutheilen, was ich dam Sttttthelter aufgettag« habe. Nach kurzer GirsKinmg des AuS-uges ES dem mir zuge kommenen Telegramme, sagte ich dem Statthalter: „Ich ersuche Euer Excellenz, vorläustg jedenfalls dm Vollzug der Taufe hintanzuhalten, dem Vater die persönliche Rücksprache mit der Tochter zu ermöglichen, die Sache eingehends zu erheben, eventuell das Einschreiten des Strafgerichtes zu veranlassen und darüber unverzüglich zu berichten. Zugleich ersuche ich neuerlich mn endlichen Bericht über den gleichen Vorgang im Biala." Ich thkile nämlich dem hohen Hause mit, daß vor etwa vier Wochen ebenfalls zur Nachtzeit mir sin Telegramm beinahe des crleichen Inhalts von Eltern -ugekommen ist, die mir sagten. „Es ist uns gestern unsere 14jährrge Tochter entlaufen. Nachdem dieselbe einsn Diebstahl an Geld und Werthpapieren im Haufe auSgeführt, ist sie in eia bestimmtes Kloster entlaufen, wo mau es zum Christenthum bekehr-e» wolle. Wir ßiud mcht in der Lage, trotz unserer Bitten, dieselbe zurückzuerhalteu, bitten daher den Kultus- und Justizminister um Abhilfe." Ich habe das Nämliche gethan, was heute geschehe» ist, und darauf wirklich nach zwei Tagen die Nachricht 'erhalte«, daß die Taufe hintangehalte« wordm ist, ruck daß über die eigenthümlichen Vorgänge dieses Falles ich iv kürzester Zeit Bericht erhalten werde. Diesen Bericht habe ich bereits urgirt, und wie das verehrte HauS sieht, heute zum drittm Mal. (Rufe 8#te: Statthalter abfetzen.) Ich «erde gar keinen Nvftand nehmen, de« Bericht, den ich diesfalls erhalten werde, mitzutbeilen. Damit ist die Sache vorläufig -erledigt. Ach kann weiter nichts thun, bis ich gemaueKennkriß von der Sache erhalten Hecke. (Bravo.) Der Abends stattgefundenen Sitzung des PetitionS- -auSfchuffes über die Petition des Markus Radamsk!i «US Lemberg wohnten die Minister Ta affe und H ye bei. Auch der Abg. Dr. Mühlfeld, welcher die Ege Petition signirt hatte, war über Einladung des Ausschusses erschienen, mußte jedoch wegen eines chm Während der Sitzung zugsstoßenen bedenklichen Unwohlseins aus derselben sich entfernen. Minister 5ta affe gab die Erklärung ab, daß er, obwohl diese Angelegenheit nicht strenge in sein Ressort, sondern in das des betreffenden Fachministers gehöre, sich doch wegen der Wichtigkeit deS Falles veranlaßt gesunden habe, den Statthalter von Gültzien sogleich im telegraphischen Wege um Aufklärung über diesen Vorgang zu befrag«. Minister H y« bedauerte «egen einer Störung des Telegraphen, welche den directen Verkehr mit Lemberg ««möglich macht, auf feine dorthin gerichtete Depesche bisher kerne Antwort erhalten zu haben, und er fand sich aus diesem Grunde veranlaßt, während dieser Ausschußverhaudlusg eine zweite in demselben Sinne -wie tue im Hause zur Verlesung gebrachte Depesche an den dortigen Statthalter abgehen zu lassen. — Dem Ausschüsse wurde ferner die Mittheilung, daß dem Abg. Dr. Landsberger neuerdings von dem Lemberger Prediger ein Telegramm zugekommen sei, mit der Bitte, Vorsorge zu treffen, daß schleunigst Gerechtigkeit geschehe. In Aul^trachr dieser Umstände faßte der Petitiousansschuß de« Beschluß, bereits in der morgigen Sitzung durch den Berichterstatter Abg. Figuly folgenden Antrag dem Hause vorzulegen: Die Mirüster des Innern und der Justiz seien rmfzusvrdern: t. baß Verfügung getroffen werde, wonach durch die politische Behörde in Lemberg ohne jeden Aufschub die Susa, richtig Chaje Sara Rad am Ski aus dem Bmevictinerkloster zu Lemberg hinweggenommen werde, und im Einvernehmen mit der Kuratelbehörde die Rückstellung derselbe« an den Vater Markus Radamski nach Erhebung der Personalverhältnisse, und insofern« hinsichtlich der persönlichen Sicherheit der Tochter ein Anstand obwaltete, die Unterbringung an einen andern Äusenlhaltsort erfolge; 2. den Auftrag an dir kompetente Behörde zu erlassen, daß sofort die gesetzliche Amtshandlung eingeleitet, und daß 3 über oas Verfügte schleunigst umfassender Bericht erstattet «erde. In dem diesfälligen Berichte wird zugleich die chleunige und kräftige Amtshandlung des Mmisteciums anerkennend hervorgehoben werden. Wien, 17. Ott. Die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde mit der Erwähnung der kaiserlichen Antwort an die Bischöfe eröffnet, welche der Präfckent Mil nachfolgenden Bemerkungen begleitete: „Es ist in derselben der Ueberzeugung des Kaisers Ausdruck gegeben, daß forthin der ConstitutionalismuS in Oesterreich herrschen soll, und daß alle gegen denselben gerichteten Wege, woher immer sie ihren Ausgang finden, Niemanden zum Ziele führen solle«. ES ist in derselben ausgesprochen, daß in Oesterreich nicht bloß die Gewissensfreiheit eine ^sichere Stätte finde«, sondern auch der religiöse Friede herrschen soll (Bravo! Bravo!), und daß unter Beachtung der heiligste« Interessen der Bevölkerung doch auch die wichtigste Belange des Staates fernerhin sicheren Schutz und Schirm finden sollen." Der Präsident schloß seine Ansprache