Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1867)
- Date
- 1867-10-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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t Wisscnschastliche Lcilagc M Nr. 43 -es Israelit. Einiges M Erklärung rabdiuischer Wörter. Von 1)r. Aron Hfrsehfeld. (Schluß.) Größere Schwierigkeiten bietet jedoch die Erklärung des talmud-scheu (Sabb. 1t7s) p»2« '2 und ’bisj '2 dar. Naschi hält beide Wörter für Eigennamen und zwar das letztere dev. Person, das elfteredes Ortes, als chreS Sammelplatzes, wo häretische Bücher sich befanden, ms d neu heftige Angriffe von Seiten der Ungläubigen gegen das Judenthum ge macht worden sind. Bnxtorf in seinem Lexicon thalmudicum nennt es domus perditionis. domus perdita (abgeleitet von N2rr zu Grunde gehen). Er pflichtet aber später der Ansicht Raschi's bei, indem er weiter sagt: „sie vocarunt olim scholas haereticorum, i. e. christianorvm, in quibus docebant et explicabant Euangelia et Hbros fidei christianorum disputabantque contra Judaeos“. (So nannte man einst die Schulen der Sectirer, d. i der Christen, in denen sie lehrten und erklärten das Evangelium und die Bücher des Glaubens der Christen und disputirten gegen die Juden.) D?r Aruch stimmt gleichfalls der Ansicht Raschi's bei und Landau hat beide abgeschrieben. — Wenn mich jedoch meine Ansicht nicht trügt, so halte ich beide Ausdrücke keineswegs für Nomina propria, sondern reine Appellativs und zwar aus dem Griechischen hergeleitet. Das |T2n '2 scheint nach der Ansicht alter Erklärer und Forscher eim- Bildungsanstalt zu sein. Aber welche? Darüber sind die Ansichten zweifelhaft und verlieren sich in's Dunkele! Meinem Dafürhalten nach bezeichnet dies Wort eine Schule, in der ursprünglich Poesie gelehrt wurde, aoidog heißt der Sänger, Dichter, der grn. plur. davon aoiddor. JT2N '2 wäre dann soviel als aoidcov ein Haus der Sänger. Es bezeichnet demnach eine Bildungsanstalt, in welcher, ausgehend von der Poesie, als der allgemein zu lehrenden, die Grundlage alles Wissens bildenden Kenntniß olle Fächer des Wissens, besonders aber Theologie, die im Alterthums mit der Dichtkunst im engsten Zusammenhangs stand, gelehrt wurde. Solche Lehrhäuser, so unschuldig und nur ihrem Zwecke entsprechend sie auch anfangs gewesen sein mochten, nahmen später unter dem sich immer mehr verbreitenden Christenthume einen polemischen Character an, die daher von einigen Rabbinen gern gemieden wurden. Wenn es heißt *6 22 :mdip p'2N '2b, Raw habe diese Schule der Sänger nicht besucht, wohl aber Samuel: so läßt sich daraus der Schluß ziehen, daß viele Andere, die nicht! so ängstlich, und starr, im. Glauben waren, fie freqgentirt haben und dies wahrscheinlich zum Zwecke ihrer wissenschaftlichen Ausbildung. Denn zum blpßen Vergnügen würde «ohl Niemand dorthin gegangen sein, wenn sie nicht wahrscheinlich durch ein katserliches Edirt. dazu gezwungen worden wären, um dort Kenntniß in der Poesie d. i. Götterlehre zu erhalten, wie dies aus Aboda Sara 17 a. hervorgeht, als unter Hadrian neben Hananja, Sohn des Theradian, auch Eliasar, Sohn des Prata, deshalb gefangen genommen worden, weil er unter andern Anklagepünkten beschul-! digt wurde, nicht in das Haus der aoidcav gekommen : zu sein. Wenn aber, wie Ralchi meint, cs waren. 1 br«2L" uv D’nTP2i Erpns dip ronnrp wvn aipu I m*opö2, Bersammlungshäuser, wo Sadducäer und : Bajthäcr mit. rechtgläubigen Israeliten über Glaubensj themate stritten. io würde wohl Niemand von dm. Rabbinen deren Schwelle betreten haben. Denn abi sichtlich dahin zu gehen, um mit sectirenden Jsrqelilen sich in gefahrbringenden Disput einzulassen, wo ' sie leicht dem Spott und dem Hohn sich ausgesetzt rehen konnten, lag dem Wesen und dem Charactex der Rabbinen fern. Daß dieses p’2N '2 durchaus keine > jüdische Anstalt gewesen sein kann, ist zwar schon oben I angedeutet worden, geht aber noch mit großer Wahr-; scheinlichkeit aus den Worten des Thalmud's (Sabb.! 152) hervor, wo es heißt yianrv '“6 -iD’p ni'b ~idn! p'28 '2b rrn« sb nim p! Ter römische Kaiser! fragte R. Josua, warum hast du das Haus des Aboda | nicht besucht? Welches Interesse hätte ein römischer! Kaiser, ob R. Josua diese Anstalt, wenn sie eine rein! jüdische wäre, besuchte oder nicht? Ob diese oder jene i jüdische Seele den Sieg über die andere davynträgt, j konnte ihm gleich bleiben. Nehmen wir jedoch an, « daß sie eine heidnische, im römischen Staate allgemein ' verbreitete Bildungsschule für Dichter und Gelehrte! war, wo Poesie und die damit zusammenhängenden! Wissenschaften zum Vorträge gekommen sind, so konnte ein römischer Kaiser wohl Partei für sie nehmen und zu deren Besuch dringend auffordern. Da aber mit der Kenntniß der damaligen Poesie auch die Götterlehre in engster Beziehung stand, so batten viele unserer Weisen es beanstandet, in dieselben hineinzugehen, weil sie dieses für sündhaft hielten. Wenn diese aber schon zu R. Josua's Zeiten geblüht haben, so konnten sie aber auch, wie Buxtorf meint, nicht rein christljchss Schulen gewesen sein. Denn zu dieser Zeit war dqS Chriftenthum nur erst kurz nach seinem Entstehen und unmöglich schon so weit entwickelt und gediehen, daß von deren Schulen » in dem Heidenthum huldigender römischer Kaiser lebhaftes Interesse genommen haben konnte. Möglich jedoch, daß später unter dm römischen christlichen Kaisern diese Schulen einen t f :! t