Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1867)
- Date
- 1867-08-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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600 der Eultivirung der beiden für die Sch. Sch. Vereine in Ai rsgimg gebrachten Seiten hier nnd dort genügend dargelhan, daß für sie ein gemeinsames Statut erachtet werden kann, obsckon Hr. Dr. H. das selige nur für Oesterreich beiechnet hatte und wäre vielleiät eins dom andern nur in der Beziehung abweichend, daß man in Oesterreich zur Betreibung der Verlegung der Wockenmärkte ziemlich erheblicher Geldsummen zu bedürfen glaubt, während in Deutschland Geldausweudungen zu diesem Zwecke kaum nützen tonnen und die entsprechende Lhätigteit sich auf Petitionen bei der Legislative und Vorstellungen bei den mit den gehörigen Befugnissen ausgestatteten Magistraten besrbränken muß. Der deutsche Verein würde demnach sein Ziel in allen Richtungen schon verfolgen können, auch wenn nicht in der Lage, über starke Geldmittel zu verfügen; aber ein großes Maß moralischer Macht muß er besitzen, wenn feine Bemühungen von Aussicl t aus Erfolg begleitet sein sollen. Solche Macht und Einfluß kann er aber nur gewinnen, wenn er sich auf eine sehr große Mitgliederzahl stützen kann, was dann von selbst auch reiüliäern Zufluß materieller Mittel zur fsclge haben müßte, deren Verwendung gewiß nie Verlegenheit bereiten würde, da bei Gelegenheit dieses Vereins und als nahe mit den Absichten desselben in Zusammenhang stehend, eine ganze Reche wohlthätiger und heilsamer Einrichtungen fr. Zt. empfohlen wurden, deren Realisirung höchst erfreulich wäre und der Krone des Sch.-Sch.-Der. mehr Lorbeeren noch einflechten würde. Aber wo — möchte ich nun fragen — beginnt die gemeinsame Aktion, der die einheitliche Organisation zur Basis dienen müßte, wie weit kann sie sich erstrecken? Zn der Agitation wegen des Sabbathmorktes ist die Vereinigung der Bemühungen ausgeschlossen, da eine Petition nnd Vorstellung österreichischer Gemeinden bei den Behörden im übrigen Deutschland ganz wcrthlrs wäre; andererseits ist der Markt für Aussti düng und Placirnng junger Leute in Deutschland ausgedehnt genug, um nicht ihn mit'dem Oesterr. zu einem einzigen zu vereinigen. Dasselbe gilt umgekehrt. Uebrigens ist der Austausch zwiscken beiden Ländergruppen in dieser Hinsicht auch ein sehr geringer, ein weit besäränktercr als etwa der mit Frankreich und England, weshalb eher noch so geartete Vereinigung mit diesen Ländern zu erstreben wäre. Ob ein Land unter deutscher Krone steht, oder nicht, bleibt für uns in dieser Beziehung völlig irrelevant. Cs muß daher jedes der Haupi-Com. eine volle unbeschränkte Autonomie hoben nnd selbst die provinziellen eine nicht zu eng limitirte. Ich maße mir kein Uriheil über mir fernliegende Gegenstände an, wenn ich der sehr unmaßgeblichen Idee (eine Meinung ist es nickt einmal) Ausdruck gebe, ob die Gestaltung der pol. Verhältnisse Olsterreichs, nämlich die herg, stellte Autonomie Ungarns die Etablirung gesonderter Haupt Comit< es sowohl für die Ungarländer (in Eisenstadt) wie für die übrigen Kronländer (W>en) nicht sehr geeignet und forderlich erscheinen ließe. Es wäre dies wohl sorgfältiger Prüfung werth. Wenn man nun wohl üllerall zugeben wird, daß vollste Unabhängigkeit für die Eentral-Comiles Lebensbedingnng ist und sie im Allgemeinen nur Jedis für sich getrennt wirken werden, b'.iebe als Mittel, sie zu einem einzigen Ganzen zu vereinigen, nur dasjenige ein General-Eomite über alle zu constituiren, aber welche Aufgaben und Befugnisse ihm zutheilen? Jedenfalls wäre ein solckes nur sehr hinderlich und nicht minder unnöthige Kosten verursachend. Engste und und ununterbrockene Beziehungen zwischen den Haupt- Comiies und Ermöglichung der Zusammenwirkung in weitesten Grenzen und überall, wo nur möglich, herzustellen, habe ich schon neulich empfohlen und ist gewiß auf das lebhafteste zu befürworten. Jndeß ist selbstredend, daß die Männer, welche nur solche sein werden und dürfen, denen es um die Cache selbst zu thun ist, niemals einen nützlichen Schritt verabsäumen werden, weshalb sogar statutarische Bestimmungen über dieses Jneinavdergrcifen kaum nöthig sein möchten. Dieses würde aber auch, wie vor cniwi'ckelt, genügen. Mo da Anlaß bleibt über Zerreißung gleicher Bestrebungen zu klagen, vermöchte ich nicht zu erkennen. Noch zweifelt H. I)r. H., ob der deutsche Verein genügende Theiluahme stnden werde, um auf eigenen Füßen stehen zu können. Wie, sollte denn die zahlreiche und wehlstkhende Judensckaft des großen Deutschland so wenig guten Willen, Sinn und Opferwilligkeit für einen der edelsten Zwecke, eine drängendsten Nothwendigkeiten aufzuweifen haben, baß ein Schomre Sch. Verein von ihr nicht gegründet und lebensfähig erhalten werden könnte? Wäre das der Fall, so würden wir, wabrlick tief beschämt, als Cupplicanten kommen, die Vereinigung, die wir in der Materie selbst für nutzlos und den Erfolg nickt fördernd hielhiclten, zu erbitten, um unsrem Werke das Dasein auf Kosten des andern zu fristen. Wir wollen aber hoffen, daß dieser Fall nie eintrete, daß die blos ausgesprochene Besorgniß genüge, die Sch. Sch. Association in allen ihren Verzweigungen recht vielen Anklang finden und Ausdehnung gewinnen zu lassen durch Zutritt zahlreicher Mitglieder; dann werden die Erfolge sich schon bald Herausstellen; sie werden von Bedeutung sein und der Orthodoxie eine nicht zu schätzende Stütze abgeben. Das walte Gott! ^erantworrlrche Stedactton: Dr. Lehmann. — A erlag der Le Rour'schen tzosduchhandlung. — Damps-Schnellprefsendruck von I. Gottsleben in Mainz.