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Der Israelit · 1867-08-21 · Heft 34 (21.8.1867) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 34 (21.8.1867)
Date
1867-08-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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584 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, im August. Es ist sicherlich allen Freunden des Armen- und Pilgerhäuserbaues zu Jerusalem erfreulich zu vernehmen, daß ein gewisser Herr B. L. in B. nebst anderem zur Verfügung des Herrn Districts - Rabbiner Bamberger dahier behufs Verwendung zu wohlthätigen und edlen Zwecken gestelltem Gelde auch zum Armen- und Pilgerhäuserbau 200 fl. bestimmte, mit dem Ersuchen, seinen Namen in öffentlichen Blättern nicht zu nennen. Es sind diese 200 fl. bereits beim Comits zu Amsterdam behufs Weiterbeförderung eingetroffen. Möge diese hochherzige Handlung recht viel Nachahmung finden! Ulm a. D. Die Erfahrung der Neuzeit, daß Synagogenbauten nach modernem Styl in der Regel Zank, Hader und Spaltung in den Gemeinden Hervorrufen, scheint sich auch in der hiesigen jungen Synagogengemeinde zu bewähren, obgleich bekanntlich das Haus mit allgemeiner Zustimmung um Z6,OO0fl. erworben ward, in welchem Gotteshaus, Schulzimmer und Amtswohnung eingerichtet werden sollen. Der jüngsten Gemeindeversammlung, die vom Vorsteheramt einberufen wurde, lagen zwei Projecte vor, aus welchen hervorgeht, daß das erworbene Haus als Prioatwohnung zwar preiswürdig, aber für die Gemeindezwecke ungünstig und theuer ist. Mag man nun bloß den Hof überbauen und das Licht von oben in die Synagoge bringen (solch ein höheres Licht wäre zwar hier Q'W uwb sehr nothwendig), oder, das Hauptgebäude niederreißend, an einen Neubau sich wagen, so wird doch in beiden Fällen der Gemeindesäckel sehr stark in Anspruch genommen. Ein dritter Plan, j/’-onn, dürfte deßhalb noch die Majorität gewinnen, da er geeignet ist, der Gegenwart und der Zukunft gleichsehr gerecht zu werden. Viele wünschen nämlich, man solle, der Bevölkerung entsprechend, vorerst nur einen würdigen Betsaal im Hauptgebäude einrichten und bis zu der Zeit, da ein Neubau unumgänglich aufzuführen sein wird, den Hauskaufschilling zu tilgen, resp. das Haus unter günstigen Verhältnissen wieder zu veräußern oder zu vertauschen suchen. Hinter einem Neubau lauert auch noch die Aufstellung einer Orgel mit allen ihren theuren Consequenzen. Noch hat zwar der Vorstand in dem Bauplane nur einen Ort zu diesem Kircheninstrumente vorsehkn listen, weil er vielleicht aus lediglich finanziellen Hindernissen und klugen Rücksichten die wirkliche Orgeleinsührung gnädiglich zu sistiren geruht hat; allein der leere Raum würde bald ausgefüllt werden, wenn nur erst einmal der Neubau im Gange oder vollendet wäre. Man denke sich aber eine verzinsliche Schuldenlast von fl. 50—70,000 und hiezu den jährlichen Aufwand für Orgel, Organist, Kantor, Sängerchor und Musikalien in einer Gemeinde von ea. 60 Genoffen mit kaum fl. 10,000 Grundstocksvermögen l Diese Tempeltheuerung wäre übrigens noch zu entschuldigen, wenn wirklich ein Andachtsbedürfniß damit befriedigt werden müßte. Erwägt man aber, daß die Räume des Gotteshauses Jahr aus Jahr ein fast leer stehen und höchstens an den O'*ou v'Q' sich füllen und an manchen vwiv upd' besucht werden, so möchte ein geräumiger und würdiger Betsaal im eigenen Hause mit der religiösen Stimmung der Ulmer Gemeinde- Majorität bester harmoniren, als das projectirte Prachtgebäude. N'2 ft DrpJD *6 nnb -ivrft wo-? idih?d’n« (2. Sam. 7, 7.) Wenn so großer Eifer für religiöse Institutionen vorhanden wäre, so müßten die in diesen Blättern oft gerügten Zustände (bv npwn 'ui monier ,mpo p,(2) jedenfalls gleichzeitig ebenfalls nach Vorschrift unserer heil. Religion verbeffert und eingerichtet werden. Oder hofft der Vorstand durch den äußeren Prunk der Synagoge und durch die Orgeltöue die Ulmer Indifferenten und sich selbst mehr für den Gottesdienst zu begeistern, als anderswo, wo solche Neuerungen schon Jahrzehnte bestehen? Man gehe nach Frankfurt, Stuttgart, Mainz, Berlin, Hamburg u. s. w. und sehe sich an Sabbat- und Werketagen nach dem Besuch des Gottesdienstes in den Reformtempeln um, wie uns da eine erschreckende Leere angähnt und das ganze Auditorium oft fast nur aus bezahltem Personal besteht (1. Kön. 9, 1—10.) Freilich *.□ r>2\2 ftoy nib7 N'2 nn’ 'n o». Mögen der Vorstand und die Aufsichtsbehörde dies beachten und nicht durch finanzielle und religiöse Mißgriffe einen unheilbaren Riß in die Gemeinde bringen, by ü)bv Laupheim. Am Sabbat 's hielt der hier geborene nach Hamburg berufene vr. Sänger, z. Z. Bezirksrabbiner in Mergentheim, auf Ersuchen der Gemeinde eine Abschiedsrede in der Synagoge über Micha 6, 8, welche nach Form und Inhalt befriedigte. Während seines Hierseins traf die Nachricht von Jena ein, daß deffen literarische Arbeit über den Propheten Micha an der dortigen Universität mit dem Doctordiplome beehrt worden ist. Es sollen noch einige druckfertige Manuscripte seiner linguistischen Studien bald veröffentlicht werden. Mit Vergnügen hat Einsender dieses aus dem Munde dieses Predigers vernommen, daß er in feinem neuen Wirkungskreise in Hamburg auf jüdisch-religiösem Boden wie in der meist orthodoxen Gemeinde zu Mergentheim fortzuarbeiten bemüht sein werde. Möge sich an ihm dann bewähren: ft ttan.

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