Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1867)
- Date
- 1867-05-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Geilage;u Ur. 22 -cs Äsraelit. Frankfurt a. M., im Mai. Die neue von Fischer (und Gelbe) besorgte Ausgabe des Surtors'fthen Lexicon Chaldaicum talm. et rabb. (Leipzig 1866.) Besprochen von I)r. A. Sulzbach. Buxtorf's Lex. Chald. talmud. et rabbimcum ist als ein epochemachendes Werk in der talmudischen Literatur zu betrachten, dadurch dasielbe der nichtjüdischen Gelehrtenwelt der Einblick in die Gänge des Talmuds geboten wurde. Buxtorf war der erste unter den Christen, der ein eingehendes, vorurtheilsloses Studium der nachbiblischen jüdischen Schriften wagte und mit nicht geringem Erfolge. Doch wie gering ist die Zahl seiner Nachfolger geblieben, wie dürr gesäet sind die Männer unter den Christen, die gleich ihm mit solchem Eifer und solcher Lernbegierde in die Folianten des Talmud sich vertieften; wo wir im nichtjüdischen Kreise uns umschauen, ist bis auf wenige Ausnahmen, die man an der Hand aufzählen könnte, trotz Buxtorf, der Talmud eine terra incognita, überall nur Vermulhungen, dunkele Ahnungen, das Zipangu der allen Geographen; Eisenmenger hat in feinem Chronique scandaleuse-igtgl viel mehr die Herzen gewonnen als der ruhige, besonnene Forschergeist Brixtorfs. Ein Zeugniß für die geringe Betheiligung an talmudischem Studium von Seiten der Christen ist auch die Seltenheit des Buches, es hat nur eine Auflage erlebt — und von dieser sind wahrscheinlich die meisten Exemplare in Händen von Juden, die das Werk am Leichtesten hätten entbehren können — und ist es erst der neuesten Zeit Vorbehalten geblieben, der alten Ausgabe von 1639 eine zweite hinzuzufügen. Ist es in Folge eines bessern Strebens, daß die Nachfrage nach dem Werke eine zu große geworden, oder soll umgekehrt die neue Auflage zum Studium ermuntern und anregen? Wie es auch sei, das Unternehmen ist ein löbliches. Es liegen uns bereits vier Lieferungen der bei Schaeffer in Leipzig neu erscheinenden und von Ph. B. Fischer*) besorgten neuen Ausgabe dieses Werkes vor. Allbekannt ist es, daß von Buxtorf vieles nicht richtig erfaßt worden ist, was ihm aber feines ernsten Strebens und seines staunenswerthen Fleißes wegen gern verziehen wird; es muß daher die ' Aufgabe einer neuen Herausgabe sein, bei Erhaltung des Textes in Randbemerkungen auf die Fehler aufmerksam zu machen, und dieselben zu verbessern, eine Aufgabe, die, zu lösen, uns auch in dem das Werk begleitenden Profpecte versprochen wird. Jedoch ist diese Aufgabe in dem vor uns liegenden Theile des Wörterbuches nicht überall befriedigend gelöst; gerade da entbehren wir hier und da der Erläuterung und Verbesserung, gerade da fehlen oft Anmerkungen, wo sie zumeist nöthig wären. Es soll daher unsere Aufgabe sein, dem Werke Schritt auf Schritt zu folgen, und nothwendige Anmerkungen da einzufügen, wo der Herausgeber sie fehlen läßt.**) Schon das erste Wort ■pia« (S. 14) gibt zu einer Bemerkung Anlaß. Buxtorf läßt dieses Wort das erste im Aruch sein, dessen Bedeutung aber dort nicht erörtert werde. Jedoch ist zu bemerken, daß es sich gar nicht um das Wort -ptNN handelt, und daß die Schlußmeinung Buxtorf's, es sei dies gar kein fremdes Wort, sondern beziehe sich lediglich aus Jes. 45, 5. nichts Neues ist; schon Rasch: weist darauf hin, daß dasselbe der Schrift angehöre, wie auch der den Talmudausgaben beigefügte Citatenausweis hn min, den aber B. vielleicht nicht gesehen hat, die Worte „Jes. 45" anmerkt. Der Aruch will nur das Wort kk erklären, und darthun, daß dieses ein selbstständiges Wort ist, so daß derjenige, welcher am Sabbat schreiben wollte, jedoch aber nur die zwei ersten Buchstaben desselben schreibt, mit Recht von Rabbi Jehuda als der Sabbatschändung schuldig erklärt wird. 8u6 voce io« (S. 6) merkt Buxtorf an, daß das ün n'.V'p des Aruch in unfern Talmudausgaben sich nicht finde, sondern nur einfach nur"p gelesen werde. Hier hat aber B. zwei nicht zusammengehörende Worte zusammengezogen, auch Aruch hat nicht nwpUN, sondern: rpnwu njpbnntf nwp , dn: das nach dem Komma folgende ist ein Citat, durch welches dn als „Frucht" oder „Reife" erklärt wird. p« (S. 9) übers. Buxtorf lapis errantinm, „der Stein der Irrenden", eine Übersetzung, die auch in die neueste Ausg. des Aruch (Lemberg 1865) übergegangen ist; wer aber nur auf die Bedeutung dieses Steines sein Augenmerk richtet, wird das Fehlerhafte derselben einsehen. In Jerusalem war ein Stein, so berichtet der Talmud (Lada Mezia f. 28 b.), auf welchen derjenige, welcher etwas gefunden hatte, sich stellte, um das Gefundene dort auszurufen, so daß sich dort die Eigentümer der verlorenen Sachen melden und ihre Ansprüche geltend machen konnten. Demnach ist j'jna p«t nichts anderes als der Stein des Förderers. In ppw (rad. ipv) ist das ' als Fehler eingeschlichen, und haben auch schon die neueren Talmudausgaben das richtige piv. Die Lesart v'piv **) Am Schluß eines jeden Buchstaben werden wir auch noch Noten zu den Noten geben. *) Bei der Redaction der ersten zwei Lieferungen war auch PH. H. Gelbe thätig, der aber später zurückgetreten zu sein scheint.