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Der Israelit · 1867-05-29 · Heft 22 (29.5.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 22 (29.5.1867)
Date
1867-05-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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360 Zöglinge von den Aerzten eine gesunde, nahrhafte Kost und die sorgfältigste Reinlichkeit hingestellk wird, ist eine gebotene strenge Oekonomie keine leicht zu lösende Aufgabe. „DerDirector der Anstalt, Herr Deutsch, eine anerkannt bedeutende Capacität in seinem Fache, bezieht ein nichts weniger als glänzendes Honorar. In demselben Verhältnisse beinahe find die anderen Lehrer besoldet und dennoch ein — Deficit! „Es ist kaum glaublich, daß das erste einzige*) israelitische Taubftummen-Jnstitut nicht nur in Oesterreich, sondern auch in ganz Europa, bei seiner allgemein anerkannten musterhaften Leitung und bei den so schönen und reich erzielten Erfolgen sich nicht jener allgemeinen Theilnahme zu erfreuen hat, die nothwendig ist, um der Zukunft der Anstalt ruhigen und freudigen Muthes entgegensetzen zu können! „Von der Million Juden in Oesterreich, von den vielen Tausenden und Tausenden, die in Wien leben, von den zahlreich mit Würden und Reichthümern gesegneten Glaubensgenoffen im Lande betheiligen sich nur 453 Individuen, um 76 unglückliche, der Selbsthilfe beraubte Kinder vom physischen und moralischen Untergange zu erretten! „Es schmerzt unsäglich, aber das Faktum muß dennoch mitgetheilt werden; vielleicht hört ein Glaubensbruder, einer von den vielen, die sich so gerne die „mitleidsreichen Kinder Israels" nennen hören, davon, und fühlt sich dadurch veranlaßt, helfend einzugreifen. „Vierzig jüdische taubstumme Kinder Mußten vomVorstande zurückgewiesen werden, weil unsere Einkünfte zu geringe sind. Vierzig Menschenseelen in Nacht und Finsterniß zurückgeftoßen, der ewigen Hilflosigkeit und Verthierung anheimgegeben! Der Gedanke ist zu schrecklich, um ihn ruhig ertragen zu können!- „Durch das Hinscheiden des Gründers des Taubstummen-JnstituteS, Herrn H. Kollisch, erlitten wir einen schweren, Herden Verlust. Wir betrauern den wärmsten aufopfernden Förderer, die Kinder der Anstalt ihren Vater und die leidende Menschheit einen der realsten und edelsten Priester der Humanität. Sein Andenken sei gesegnet, und wird gepriesen werden bis in die spätesten Tage. „Am Schluffe dieses Berichtes können wir nicht umhin, einige Wünsche auszusprechen; mögen sie beherzigt und ausgeführt werden: Von den Kanzeln herab sollten die Rabbiner und Prediger in warmen, begeisternden Worten die Theilnahme für unsere Anstalt erwecken; in den Zeitschriften für jüdische Jnteresien sollten unsere Journalisten ihre Stimme erhe¬ *) Anm. der Red.: Die Unterzeichneten Herren scheinen nicht m wissen, daß sich in Rotterdam und London ähnliche Anstalten befinden. ben, um das Mitleid für die Unglücklichen wachzurufen und von Thüke zu Thüre sollten unsere Armenväter gehen, die offene Hand Hinhalten und betteln, betteln um den kleinsten Beitrag, damit die schwer heimgesuchten Kinder, die Unglücklichsten der Unglück-, lichen belehrt, von der Abhängigkeit befreit und erhalten werden können? Wie«, im März 1867. Der Vorstand des allgem. österr. israel. Taubstu mmen-Jnstitut es. Vorsteher: vr. Jgn. Edl. v. Hofmannsthal, Vorsitzender. Friedrich Boschan. Josef Hildburghäusser. Moritz R. v. Königswarter. Sigm. Fränkel. vr. S. H. Mosenthal, k. Rath. Alfred Tauber. Vorsteherinnen: Julie Schlesinger. Marie Schnapper, geb. Edle v. Wertheimftein. Fanni Edle v. Hofmannsthal." Wir glauben, daß wenn der löbl. Vorstand auch die Aufnahme außerösterr. israel. Kinder gestatten möchte, daß dann der Anstalt aus Deutschland namhafte Beiträge zufließm würden; die Red actio n des „Israelit" zeichnet einen jährlichen Beitrag von 10 fl. ö. W. (bedingungslos) vorläufig auf drei Jahre. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. BreSlan, den 9. Mai. Soeben ist der berühmte Orientalist Herr vr. L. Loewe wieder nach London zurückgereift, nachdem er die Gräber seiner Eltern in Zülz und Romberg aufgesucht und seine hier lebenden Verwandten und Freunde nach jahrelanger Abwesenheit mit seinem Besuche erfreut hat. Und doch war es nicht allein ein Besuch zu Verwandten und Freunden, nein, es war ein Besuch, der der ganzen Stadt, der ganzen Judengemeinde Breslau's wenigstens galt. Denn wer hätte sich wohl nicht mit dem Manne gefreut, der so Vieles für seine Glaubensgenoffen gethan, der schon so manches Opfer seiner Religion gebracht? Und wer sich nicht aus diesem Grunde mit ihm gefreut, wer hätte nicht dem größten Menschenfreunde seine Liebe, dem geistreichsten und liebenswürdigsten Touristen seine Bewunderung gezollt? Man begreift daher leicht die Bitten seiner Freunde, während seines hiesigen Aufenthaltes einige Vorlesungen über seine großen und intereffanten Reisen, besonders nach dem Oriente, zu halten, die aber nur insofern Berücksichtigung fanden, daß er, wiederholten Aufforderungen des hiesigen Vorstandes folgend, am

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