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Der Israelit · 1867-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1867)
Date
1867-04-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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258 zum ersten Male hat er es gewagt, den ersten jüdischen Geistlichen Frankreichs zu Velaren, in welchem Sinne er sein Amt zu verwalten habe! Herr C. sagte in seiner Anrede an Herrn Isidor: „Wie jede Religion ist auch die unsere in zwei auptelemente aetheilt, in Dogmen und Riten; die ogmen, die lassen wir außer Frage, das ist die heilige Arche, an die wir nicht anrühren, aber die Riten sind nichts als die mehr oder minder vollendete Form, in der sich die Dogmen des praktischen Lebens bemächtigen. In diesem Puncte, Herr Oberrabbiner, appelliren wir an Ihren mächtigen Einfluß, daß Sie dem jüngern Gefchlechte die Linie ziehen, innerhalb welcher sich dasselbe steiinachen kann, um sich aus das Niveau der modernen Einrichtungen zu stellen rc." Im norddeutschen Parlament haben die Helden von KönigSgrätz, Skalitz und Kisstngen eine weise Mäßigung bewiesen; sie haben nur in der Militärsrage gesprochen; in den anderen Fragen haben sie das Wort den Staats- und Fachmännern überlassen, wiewohl das Volk sic, um ihre Hcldcnthaten zu ehren, in das Parlament gewählt und ihnen somit das Recht gegeben hat, überall mitzusprechen. Der emeritirte Overst im französischen Consistorium scheint andern SmneS zu sein; er hält sich berufen und befähigt, dem Oberrabbiner von Frankreich einen Cursus über Theolair vorzutragen! Was versteht Herr C. unter Dogmen und Riten? Erklären wir das durch ein praktisches Beispiel aus seinem Leven. Herr Cerfbeer hat vor einigen Jahren mit großer Emphase die Erklärung in die Welt geschickt, „daß er niemals Anstand genommen habe, in einer christlichen Kirche vor dem Bilde des chr. Religionsstisters niederzuknien." Das Dogma lautet demnach: „Du sollst keine anderen Götter haben vor meinem Angesichte" — aber das Verbot des Niederkniens vor einem Bilde, das gehört zu den Riten, das ist „die mehr oder minder vollendete Form, in der sich die Dogmen des praktischen Lebens bemächtigen;" das soll der Oberrabbiner „der jungen Generation gestatten, damit sie sich auf das Niveau der modernen Institutionen stelle!" Schrecklich, entsetzlich! Und Herr Isidor? Der Oberrabbiner von Frankreich fand vielleicht die Gelegenheit nicht passend, ein Wort der Entgegnung gegen derartige Zumuthungen zu äußern. Welcher Art wird nunmehr die Zukunst des Judenthums in Frankreich fein? in Frankreich, dem Lande der Ccntralisation, wo die Spitzm der Behörden alle Verhältnisse lenken und leiten, wo das Covsistoire Central mit voller Gewalt in allen religiösen Dingen bekleidet ist? Es gereicht uns zur großen Genugthuung, daß sich eine gewichtige Stimme in Frankreich vernehtnen läßt, welche energisch gegen die LehrM deS soldatischen Conststorialpräsidenten Protest erhebt. Wir lesen im »Courrier äu Bfw-Khin“ folgende Bekanntmachung der Redaction: „Wir haben von Hrn. Klein, Ober-Rabbiner von Kolmar, einen Brief, oder besser gesagt, eine Protestatton gegen die Ideen erhalten, welche Hr. Cerfbeer, Präsident des Centraleonsistoriums der Israeliten von Frankreich, in der Rede ausdrückte, die er bei Anlaß der Einsetzung des Ober-Rabbiners von Paris gesprochen und die der „Niederrheinische Kurier" großenteils wiedergegeben hat. Wir haben unsere Columnen dem Briefe des Hrn. Klein nicht öffnen zu sollen geglaubt, weil sonst wir eben dadurch einer religiösen Polemik über die von einander abweichenden Strebungen, welche unter den Israeliten ebenso wie im Schooß der verschiedenen christlichen Communionen bestehen, die Thüre geöffnet hätten und weil derartige dogmattsche Erörterungen uns in einem polittschen Journal nicht an ihrem Platze scheinen. Der Hr. Ober-Rabbiner von Kolmar hat die Beweggründe, weßhalb wir die Einrückung seiner Antwort an den Hrn. Präsidenten des Centralconsistoriums abgelehnt haben, vollkommen begriffen und sich beeilt, dieselbe zurückzunehmen. Er hat uns jedoch den Wunsch ausgedrückt, der „Niederrheinische Kurier" möge erwähnen, daß in den Augen des Hrn. Ober-Rabbiners von Kolmar „die vom Hrn. Präsidenten des Centralcon- „sisioriums geäußerten Lehrsätze nicht diejenigen des „historischen und traditionellen Iudenthums sind, welche „das große Sanhedrin hat anerkennen machen." Um diesem Wunsche des Hrn Ober-Rabbiners Klein zu enttprechen, haben wir von der Correspondcnz Bericht erstattet, die wir mit ihm aus Anlaß der Rede des Hrn. Cerfbeer zu wechseln hatten." Möge Herr Oberrabbiner Klein es bei diesem Proteste nicht bewenden lassen, möge er sich mit Gesinnungsgenossen in's Vernehmen setzen und mit ihnen gemeinschaftlich Schritte thun, um die Zukunft des Iudenthums in Frankreich vor Gefahr zu schützen. Vvv anpa um« bw «in nnnV nnaya um« ^sotcr ’di ,npw ms Zur Emancipatiom. Von n“? mao o'«. (Schluß.) Die Geschichte der jüdischen Ration ist so innig mit der Geschichte ihrer Religion verknüpft, das ehemalige jüdische Gemeinwesen war so sehr von der Herrschaft der Religion abhängig, und die eigentliche Staatsidee, deren Entwickelung erst der Neuzeit Vorbehalten war, hatte sich so wenig von der Idee des GotteSreicheS losgelöst, daß eS nicht zu verwundern ist, wenn

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