Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1867)
- Date
- 1867-02-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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138 stehende Verein könnte hier vielleicht manchmal .fördernd eingreifen, allein ganz beseitigen kann er dieses Mißverhältnrß nicht. — Würde jedoch der Verein seine Aufgabe größer fassen, würde er für mittellose Knaben das Lehrgeld oder Kost und Logis während der Lehrzeit, ganz oder theilweise bezahlen, so könnte allerdings viel Segensreiches ^schafft werde«. Die Erfahrung lehrt, daß bemittelte Eltern, wenn sie ernstlich wollen, ihre Kinder immer gut unterbringen, während das Unbemittelten j ltener gelingt. Auch für Commis könnte in dieser Weise viel geleistet werden. Man müßte fähigen, schon älteren Commis ein größeres Darlehen reichen, mit dessen Hilfe sie sich etabliren und so die Zahl der am Sabbat geschloffenen Geschäfte um ein Bedeutendes vermehren können, so daß dadurch der Zweck des Vereins im hohen Grade gefördert würde. Derartige Darlehen könnten auch insofern für den Verein nutzbringend werden, daß dieser bis zur Rückzahlung des Capilals stiller Theilhaber des zu etablrrenden Geschäftes wird; ja, die Aussicht auf solche materielle Unterstützung würde wahrscheinlich manchen jungen Mann, wenn mich Anfangs nnvb vbv, auf der Bahn des Guten erhalten. Wie aber die großen Mittel beschaffen, welche zu so ausgedehntem Wirken nothwendig sind? Wir glauben, daß es ein Leichtes ist, für den Verein 10,000 Mitglieder anzuwerben, von denen jedes einen Jahresbeitrag von einem Thaler gibt; natürlich müßte es Wohlhabenden gestattet sein, mehr zu geben; Reiche würden große Geschenke und Vermächtnisse zuwenden-; die durch den Verein Geförderten und zu einer gesicherten Existenz Verholfenen würden sich demselben in späteren Jahren dankbar erweisen, und so würde dem Vereine eine große Zukunft erblühen. Es kömmt nur daraus an, daß thätige, energische, für die heilige Angelegenheit des Judenthums begeisterte Männer die Sache mit allem Ernste in die Hand nchmen. Und kann es etwas Wichtigeres für uns geben als die Erhaltung der Sabbatfeier — dieser Säule des Judenthums, nbvyb k\“ m«, die ein Bundes pichen ist für die Ewigkeit zwischen Gott und Seinem Volke? Und dieser Sabbatfeier droht Gefahr, droht seit Jahrzehnten die ernsteste Gefahr, ohne daß etwas Erhebliches zur Abwendung derselben geschehen ist — thuen wir das Unsrige, und Gott wird uns helfen und unterstützen. Wir bitten dringend, daß Männer von Einfluß und Befähigung ihre gewichtigen Stimmen, mit Unterzeichnung ihres Namens über diese Angelegenheit in diesen Blättern vernehmen lassen. Wir bitten ferner, daß sich hervorragende Männer erbieten, Localcomits's in größeren Gemeinden zu bilden; mögen dieselben sich nicht durch Bescheidenheit zurückhalten lassen, nach dem Ausspruche der Weisen: „Sei keck wie der Leopard, wo es gilt, Gott zu dienen!" und „Wotzes an Männern fehlt, bestrebe Du Dich, Mann zu fein!" In Bezug auf den Sitz des Centralcomitö's sind wir nicht einerlei Meinung mit Herrn Grünebaum. Wir glauben, daß daffelbe in einer Stadt sich befinden muß, welche eine größere commercielle Bedeutung als Mainz hat und würden dazu Frankfurt a. M. in Vorschlag bringen. Unser Blatt stellen wir selbstoerständlich dennoch gern zur Verfügung. Auch müßte man Sendboten in alle Gauen Deutschlands schicken, um für den Verein zu werben und überall Localcomite's zu gründen. Zu diesem Zwecke und zur Bestreitung verschiedener anderer Kosten, Drucklegung, Porti?c. ist es nothwendig, daß die Mittel dazu vorhanden seien. Die „Redaction des Israelit" zeichnet zu diesem Zwecke zehn Thaler, und erwartet, daß man ihrem Beispiele Folge leisten wird. Indem wir dem zu gründenden Vereine in der Ueberschrist dieser Abhandlung einen allgemeinern Titel geben, wollen wir damit andeuten, daß derselbe spater, wann er consolidirt ist und über große Mittel zu verfügen hat, auch andere religiöse Dinge als gerade die Sabbatfeier in das Gebiet seiner Thätigkeit ziehen soll; z. B. die Unterstützung junger Leute, die sich zu jüdischen Lehrern oder zu Rabbinen ausbilden, Beihilfe für arme Gemeinden, die nicht im Stande sind, einen Lehrer für ihre Kinder zu besolden, Unterstützung armer Kinder zur Beschaffung von Büchern, Schulgeld rc., kurz alles dessen, was in den Bereich des an der Spitze stehenden Titels fallt. Mögen Alle, die sich dazu berufen fühlen, mit Rath und That nicht zurückhalten, und der Allgütige wird meinen Segen geben! Gewissensfreiheit. „Thora gebot uns Moscheh zur Vererbung der Versammlung Jakobs." (V. 33, 4.) Aus Baden.*) So weit auch die religiösen (?) Richtungen in der jetzigen Judenheit auseinander gehen, so begegnen sie sich dennoch in dem Sittengesetze der Thora, gipfelnd in dem Gebote: „Liebe deinen Nächsten, wie du selbst geliebt sein willst" (III. 19, I8.i, negativ und als Minimum erläutert: „Was du nicht willst, daß es dir geschehe, das Ihne deinem Nächsten nicht" (Sabbat 31a.). Aus diesem „Grundgesetze" (Torath Kohanim) fließt aber unstreitig die Gewis- *) Anm. der Red.: Bei der gegenwärtigen Bewegung in Baden zur Jnslebenrufung neuer religiöser Zustände für unsere Glaubensgenossen, verfehlen wir nicht, die gesetzestreuen Gemeinden des '^roßh. Baden aus diesen Artikel besonders aufmerksam zu machen.