Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1867)
- Date
- 1867-02-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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86 hier spreche, vereinigt sie fast fünftausend Anhänger, und Amerika, Asien, Afrika zahlen ihr nicht weniger Tribut als Europa. Jedoch noch mehr, meine Herren, muß sich unsere heilige „Alliance" befestigen; denn der Augenblick ist gekommen, in welchem von dem ganzen Globus diese traurige und absurde Verfolgung, der die Juden in so vielen Ländern ausgesetzt sind, verschwinden muß; ja aufhören muß sie, und mit der Civilisation, die mit raschen Schritten einherzieht, muß das Licht diese schrecklichen und bedauernswerthen Vorurtheile beseitigen. Wie vielmal, ach! hat uns dieses Jahr, an desien Gränze wir stehen', betrübenöwerthe Nachrichten gebracht; welche Gemeinheiten, Widerwärtigkeiten! In vielen Ländern werden die Juden noch verfolgt. Welche Schmach! welch' ein Hohn! welch' ein Verderben! welche blutigen Greuel! Doch fasten wir Muth: wir gewinnen Terrain, die Vernunft beginnt ihre Rechte der Verleumdung gegenüber geltend zu machen, ihre Fackel zerstreut die barbarischen Vorurtheile. Vergebens haben fünfzehn Jahrhunderte dieselben über unsere Köpfe zusammengehänft; unsere Köpfe wußten sie dennoch nicht niederzudrücken; diese erheben sich vielmehr, edel gekennzeichnet durch das göttliche Ebenbild. Ach! ich weiß wohl, daß die hundertjährigen Vorurtheile nicht an einem Tage fallen können. Wir bedürfen noch einer langen Geduld, und selbst die Jüngsten unter uns haben vielleicht noch über grausame Ungerechtigkeiten zu seufzen, welche in gewissen Ländern unsere Glaubensgenossen noch zu ertragen haben: selbst in Frankreich leuchtet von Zeit zu Zeit ihr schlecht ersticktes Feuer aus seiner Asche auf. Die Religions- Verfolgung hat jedoch ihre Zeit hinter sich: Alle cioilisirten Länder verwerfen sie, und die Civilisation erweitert täglich ihr Reich. Mit jedem Schritte, den die Civilisation macht, fällt ein Vorurtheil. Betrachten Sie dieses Rumänien, das so viele Forlschrittselemente in sich vereinigt, aus welchem wir fünfunddreißig junge Leute so edel gegen fanatische Worte protestiren sahen: der Tag wird bald kommen, an welchem die Israeliten ihre bürgerlichen und politischen Rechte proclamiren hören; ich habe dafür sowohl das Ehrenwort des Fürsten zur Garantie als auch das Gefühl edler Sympathie, welches sich in der Versammlung der Majorität seiner Volksrepälentanten kund gab; nicht weniger das öffentliche Vorgehen dieser jungen Rumänier, der Männer der nächsten Zukunft. Es ist wahr, die Sache der Humanität verlangt Geduld. Ach! wer hat mehr Geduld an den Tag gelegt als wir Juden? Gott selbst hat uns darin ein großes Beispiel gegeben: Er hat sechs Tage zur Schöpfung bestimmt, Er, der die Welt wie das Licht schaffen konnte durch das Wort „es sei." Wie sind wir doch die würdigen Söhne Israels stets gewesen! Jahrhunderte sind über uns dahin gegangen, böswillig, verfolgungsfüchtig, boten sie uns nichts als Verderben und Henker; niedergedrückt, erhoben wir uns; verfolgt, verkündeten wir die Einheit Gottes; ruinirt, fingen wir wieder fleißig an dem Aufbau unseres Vermögens an; die Todten hinterließen Nachfolger, die sie beweinten und an ihre Stelle traten mit demselben Symbol: der Einheit Gottes. Die Juden, frei, mächtig in ihrem eingeschränkten Königreiche, waren in die niedrigste Knechtschaft versunken; — geschaffen in dem Ebenbilds ($otte§, fyatten sie doch nichts an sich, was sie der Verachtung würdig machte. Meine Freunde! Es ist nothwendig, daß wir uns auszeicknen. Wir Juden müffen streben, die ersten und besten Bürger zu werden; unsere Devise muß sein: Arbeit, Ehre. Die Arbeit, sie ist das Leben des Menschen, sie ermüdet ihn, sie ist aber auch sein Ruhm. Die Genesis sagt: „Im Schweiße deines Angesichtes wirft du Dein Brod effen;" ohne Arbeit, kein Gewinn; mit Arbeit: Brod, die Nahrung des Körpers und auch die Nahrung des Geistes. Seien wir fleißig und bewundern wir, was des Menschen Genie zu leisten vermag, ehren wir die Arbeit, welche der Erde die Ernte entlockt, dem Gehirn die Rathschläge, dem Künstler seine Erzeugniffe, dem bescheidenen Arbeiter sein tägliches Brod verschafft. Ehre: o, daß dieses heilige Wort uns stets vor Augen schwebe. Es enthält Alles, was den Menschen erhebt und veredelt. Es besieht nicht allein in dem Ruhm auf den Schlachtfeldern, wo das Blut der Juden sich mit dem Blut der Christen vermischet für die Vertheidigung des Vaterlandes; ich sehe hier auf ihrer Brust das Zeichen, welches sie verkündet, und aus unserer Mitte könnten wir aufweisen mehr als einen alten Krieger, mehr als einen jungen Tapfern; die Einen führen uns die Siege des ersten Kaiserreiches vor Augen, während die Anderen ihre Tapferkeit in neuen Siegen an den Tag gelegt haben, so groß wie die alten. Kein Ruhm fehlt uns, obschon wir kaum sechszig Jahre der bürgerlichen und politischen Existenz hinter uns haben. Man findet uns in allen CarriLren. Mit dem Tode Halevy's verlor das Institut eine seiner Berühmtheiten, sein Verlust veranlaßte eine allgemeine Trauer, und das Institut zählt noch in seinem Schooße Munk und Frank... Aber ich will Niemanden nennen, wir haben unsere Aufgabe und ich will bescheiden sein. Auch im Innern unserer Häuser ist die Ehre zu finden. Sehen Sie unsere Frauen. Wie ergeben sind sie dem Glücke ihres Gatten, der Erziehung ihrer Kinder! Wie anmuthig und rührend ist ihre Tugend! em herrliches Beispiel für unsere Töchter! ein köstliches Palladium für ihre musterhafte Häuslichkeit. Die jüdische Frau ist in der Mitte dieser Welt, die gewiffer-