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Der Israelit · 1867-01-30 · Heft 5 (30.1.1867) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 5 (30.1.1867)
Date
1867-01-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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76 Feuilleton. Die Rettung. (Fortsetzung.) H. Seit den erzählten Ereigniffen waren zwei Jahre verflossen; das Glück und der Frohsinn waren aus dem Hause Jakob Steinfurt's gewichen; Leah härmte sich ad ob der Trennung von ihrem Sohne Victor, von dem keine Nachricht in das elterliche Haus gekommen war. Graf Neuberg war gestorben; sein Sohn und.Erbe lebte in Wien, wo er ein hohes Staatsamt bekleidete, und kümmerte sich nicht um die heimischen Verhältnisie; die Gemeinde Lommersheim hatte daher ungehindert das Vorfteheramt Jakob entziehen können; dieser hatte zu gleicher Zeit durch das Aufhören des Hofhalts auf der Gräflichen Burg seine Nahrung verloren, da er bis dahin für denselben Alles, was dort gebraucht wurde, zu besorgen gehabt hatte. Er fing daher einen Handel mit Manufacturwaaren an, mit denen er die Messen bezog; so war er denn auch nach der kurfürstlichen Residenz M.... gekommen, wo, ihm unbewußt, sein Sohn Victor ein Unterkommen in dem Geschäfte des reichen Kaufmanns Nabbi Herz Mainkahn gesunden hatte. Vater und Sohn lebten eine Zeit lang in derselben Stadt ohne von einander Kunde zu haben; allein nur zu bald sollte Victor die Anwesenheit seines Vaters erfahren. Am Meßmontage nämlich war ein Mann zu Jakob gekommen, hatte von ihm Maaren gekauft und sie mit lauter neuen Brabanter Thalern bezahlt. Zufällig war kein Anderer zugegen. Am andern Tage kam der Fremde wieder und bat Jakob um die Erlaubniß, ein Kästchen in dessen Bude auf kurze Zeit niederstellen zu dürfen. Jakob gewährte die Erlaubniß gern; auch diesmal war der Fremde mit ihm allein gewesen. Als der Kunde nicht zurückkehrte, stellte Jakob die Kiste in einen Winkel und hatte bald die ganze Angelegenheit vergesien. Am andern Tage erschienen Polizeibeamte in Jakobs Bude; es war während der Messe falsches Geld ausgegeben worden, und alle in der Stadt anwesenden Fremden mußten sich einer polizeilichen Untersuchung unterwerfen. Wer malt Jakobs Erschrecken, als man in seiner Kasse eine Menge falscher Brabanter Thaler und in der Kiste des Fremden Werkzeuge und Formen fand, die unstreitig zum Prägen des Vorgefundenen falschen Geldes genutzt worden waren. Der Falschmünzer j hatte mit teuflischer Schlauheit den Verdacht auf einen Unschuldigen zu lenken gewußt, um selbst desto sicherer den Nachstellungen der Polizei zu entgehen. Das war ihm nur zu aut gelungen. In der Meinung, den Thäter gefangen zu haben, wurden sofort alle Nachstellungen und Untersuchungen eingestellt. Jakobs Maaren und Gelder wurden mit Beschlag belegt; er selbst aber in den Holzthurm, so hieß das Gefängniß der Residenz, abgeführt. Auf das Verbrechen der Falschmünzerei stand damals der Tod. Vergebens behauptete Jakob seine Unschuld; vergebens berief er sich auf seine glänzenden Verhältnisie, auf seine bisherige Unbescholtenheit: vergebens dal er, man möchte die Seinigen in Kenntniß setzen, man möchte bei seiner heimathlichen Behörde Erkundigung über sein bisheriges Verhalten einziehen. In jener Zeit machte man mit einem Verbrecher, den man in flagranti ertappt zu haben vermeinte, zumal wenn derselbe ein Jude war. nur wenig Umstände. Jakob Steinfurt wurde zum Tode durch den Strang verurtheilt. Das Urtheil wurde dem Kurfürsten vorgelegt und von diesem bestätigt; allein die Ausführung wurde noch verschoben, weil man am Kurfürstlichen Hofe gerade Feste feierte, in deren Jubel sich nicht die letzten Seufzer eines armen Sünders mischen sollten. Unterdeß saß Jakob in seiner Zelle und litt die fürchterlichsten Qualen. Hudertmal täglich betete er das Sündenbekenntniß, hundertmal sagte er sich, daß er sein Schicksal verdient habe durch das, was er an Rabbi Mordechai gethan hatte — die Qualen des Gewissens waren stärker noch als die fürchterliche Todesangst. Die Kunde von der Verhaftung und Verurtheilung eines Juden hatte bald die ganze Stadt durcheilt. Vergebens bemühten sich die Glaubensgenossen, das Schicksal der Gefangenen zu mildern. Eines Tages kam Nabbi Herz Mainkahn ganz erschöpft in sein Comptoir; er war bei einem ihm befreundeten hohen Beamten gewesen und hatte dort für den Eingekerkerten vergeblich Fürbitte eingelegt. „Der Unglückliche ist aus deiner Heimath, Victor!" sagteerzu seinem Comptoiristen; „er ist aus Lommersheim in Schwaben 1" „„Sein Name?"" fragte Victor hastig. „Jakob Steinfurt!" „„Mein Vater, um des Himmelswillen, es ist mein Vater!"" rief er aus, und stürzte leblos zu Boden. Mau bemühte sich um ihn, rieb ihm die Schläfe mit kölnischem Wasier. Als er wieder zu sich kam, fing er laut an zu jammern und zu weinen. Dann stürzte er seinem Principale zu Füßen und rief: „Lemaan Haschem,*) Rabbi Herz, rettet meinen Vater!"—Gütig hob ihn Mainkahn vom Boden auf und versprach, Alles, was in seinen Kräften stehe, zur Rettung des Unglücklichen aufznbieten. Allein es zeigte sich kein Ausweg. — (Fortsetzung folgt.) Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf.-Schnellpreffendruck von I. GottsleLen in Mam^. *) Um des Himmels willen! Hierzu eine Beilage.

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