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Der Israelit · 1867-01-09 · Heft 2 (9.1.1867) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 2 (9.1.1867)
Date
1867-01-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Wissenschaftliche Beilage ju ttr. 2 -es Israelit. Ehrende Erwähnung der Hebräer in einem Orakelspruche des pythischen Apollo M Delphi. Mitgetheilt von Dr. ßeuss in Ochsenfurt. Während mehrere namhafte römische Schriftsteller, wie Cicero, Horatius, Juvenalis, Rutilius, Numatianus, Tacitus, über das Volk und den Cultus der Israeliren lieblose und harte Urtheile fällen: tritt diesen von Unkenntniß und Unverstand der Berichterstatter zeugenden Diffamationen eine gewichtige, im Schooße und von den Stimmenführern der geistreichsten Nation des Alterthums , der hellenischen, ausgesprochene Würdigung schlagend entgegen, welche, soviel mir bekannt, bisher noch nicht gebührend berücksichtigt worden ist. Diese geschieht in einem Orakelspruche der delphischen Pythia, welcher, betrachtet man ihn auch nicht als unmittelbaren Ausfluß göttlicher Offenbarung, so doch jedenfalls als öffentliche würdigende Anerkennung von Seite des pychischen Priestercollegiums, immerhin von hoher Bedeutsamkeit erscheint. Das Orakel nämlich, welches hin und wieder über die Vorzüge und Mängel einzelner Stämme und Völker treffliche, deren Aufmunterung und Belehrung bezweckende Urtheile erließ, erwiderte einst bei einer zeitlich nicht näher bestimmten Veranlassung dem Befrager: *) .Weisheit st einzig beschieden Chaldäern allein und Hebräern, „Würdigen Verehrern der ewig waltenden selbsterzeugeten Gottheit." Auch in zwei anderen, ebenfalls von Eusebius erhaltenen, Sprüchen der Pythia werden den Hebräern die Prädicate: „weitberühmt," und: „der verschleierten Geheimnisse Gottes kundig" beigelegt.**) So und nicht anders mußte allerdings Apollo, der bei den Hellenen als Gott der Weisheit galt, durch den Mund der Pythia sprechen, wenn er die mosaische Anschauung und Verehrung der hehren Majestät des ewigen Wellschöpfers (welcher vor allen Völkern der Erde das Hebräische mit seiner Erkenntniß begnadigt hatte) vergleichsweise erwägte und würdigte gegenüber den theogonischen Mythen des Hesiodus und Pindarus und dem Olympierstaate, dessen Götter aus einem ge- *1 Euseb. praparat. evangel. IX. 10. MÖWOI XaXddlOl 6o(piav läyov rfi *IfßoaToi, * AvioysvsttXov ävaxTcc Gfßafcofisvoi -O-eov ccyrwg. **) Das Orakel bedient sich in den angeführten Sprüchen zweier griechi cher Worte, welche anderwärts nicht Vorkommen und als sogenannte una'S, iigrjfitva erscheinen, näml ch: ävroysvextXog, wofür Orpheus dvvoyevtjg gebraucht; dann dgt^rjXfjTog, bei Homerus und Hesiodus aqi^Xog. Euseb. pr&epar. evangel. IV. 9, IX. 10. meinsamen Stamme mit den sterblichen Menschen erzeugt, mit letzteren auch die Mängel der hinfälligen irdischen Natur theilten, ihre Macht von der höhern des Fatums begränzt erkannten, ja sogar des Vorzuges ewigen Bestehens entbehrten. Die Aechtheit eines andern pythischen Spruches, welcher auf den aus dem hebräischen Volke bervorgehenden Messias hindeutet, wird von den Kritikern mit Recht bezweiflelt, und sei derselbe hier nur beiläufig erwähnt.*) Suidas und Theodoretus **) erzählen nachstehende Sage von: Propheten Gottes Daniel, welcher ebenfalls mit einem delphischen Orakelspruche in Verbindung steht, in den diesen gefeierten Seher berührenden biblischen Geschichtsbüchern aber nicht vorkommt. Als Krösus, König von Lydien, mit dem Perserkönige Cyrus (dem Gesalbten Gottes. Esdr. 1. 1, Jsai 45, 1.) den Kampf um die Herrschaft Asiens ausnehmen wollte, befragte er dcßhalb den Apollo zu Delphi, und erhielt den Bescheid: „Krösus, wenn über den Halys er setzt, vernichtet die Großmacht " Verblendet durch den Glanz seiner Kriegsmacht und seiner Schätze deutete Krösus, ohne das'Orakel um nähere Erörterung zu bitten, den Spruch zu seinen Gunsten und zog über den Grenzstrom Halys gegen die Perser zu Felde. König Cyrus aber wendete sich bei der drohenden Kriegsgefahr, auf den Rath seiner Gemahlin Bardane, an den am königlichen Hofe in hohem Ansehen stehenden Propheten Daniel, und erhielt von demselben die Versicherung, daß Gott dem Cyrus den Sieg über den Lyderkönig beschieden habe, — eine Weissagung, welche der Erfolg vollkommen bestätigte. Auch sonst finden sich in mehreren Sprüchen des delphischen Orakels Concordanzstellen mit Sentenzen alttcstamentlicher Schriften, welche auf eine Bekanntschaft mit der mosaischen Dogmatik hindeuten. Lerliner's Naschi-Ausgabe. Die Besprechung der so betitelten neuen Raschi- Ausgabe in Nr. 49 des „Israelit" veranlagte mich, ungeachtet der mir sehr kärglich zugemcssenen Mußestunden, einige durchforschende Blicke in dieses herrlich ausgestattete Buch zu werfen und zugleich auch die Ergebnisse meiner fragmentalen Durchsicht in diesem Blatte zu veröffentlichen. Weit entfernt, den Werth dieser *) Suid. onomastic. v. AvyovGtog, Dale, de oracul. 444. **) Suid. onomast. v. KQOlGog. Theodoret. graec. affect. IV. 472.

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