Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1867)
- Date
- 1867-01-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18 enthält, sondern ist, daS lehrt dich jedes ihrer Worte; sie führt dich an den Anfang der Dinge. Wenn der Philosoph das Wesen der Dinge erkennen will, so zieht er zuvor Allein Zweifel, er leugnet Allehinweg, um es frei durch richtiges, wahrhaftes Denken wiederzufchaffen; und wenn er alle Dinge, alles Existirende hinwegleugnet, so bleibt ihm noch Zweierlei: der leereRaum und die unerfüllte Zeit gleichsam die Gefäße, in denen die Dinge sich befinden. Die Thora aber führt dich noch weiter; sie führt dich an dm absoluten (beziehungslosen) Anfang; sie kennt nur eine Voraussetzung: Gott — „Im Anfänge erschuf Gottl" — Raum und Zeit wurden erschaffen, da Gott die Welt schuf. Woher aber wisien wir die Wahrheit dieser einen Voraussetzung? — Durch die Offenbarung, und daß diese hat stattgefunden, dafür bürgt das Zeugniß der Geschichte. Ein Ereigniß, das vor 272 Millionen Menschen stattgefunden haben soll, kann unmöglicher dichtet sein; ei« ganzes Volk läßt sich nicht verblenden, nicht täuschen, daß es vermeint, gesehen zu haben, was es nicht gesehen hat; noch viel weniger ist es möglich, das Geschehensein eines solchen Ereignisses einem Volke gegenüber zu erfinden, das es selbst mitangesehen haben soll. Wir riefen eben das Zeugniß der Geschichte an; wir hätten uns jedoch speciell auf das Zeugniß der Geschichte Israels berufen sollen; denn die Geschichte unseres Volkes ist nicht wie die anderer Völker; denn nicht Chronikenschreiber oder Dichter, sondern Könige und Propheten, beseelt vom Geiste Gottes, waren die Geschichtschreiber des israel. Volkes — und der lebendige Geist ist nie aus Israel gewichen, und eine Zeit geistiger Verfinsterung oder barbarischer Unwissenheit hat es nie in unfern Reihen gegeben. Der Geist Gottes ruhte auf Moscheh, und Mojcheh's Geist auf Josua, Und von da an und weiter zieht sich eine ununterbrochene, lückenlose Kette lebendiger Ueberlieferung fort und fort bis auf unsere Tage. Wo ist eine Nation, die gleich der unfern ihren geistigen Stammbaum hinaufzusühren vermöchte bis zu einer Höhe von 338? Jahren? Seit jener Zeit, die für die andern Völker in nebelhafte Fernen gerückt ist, hat der Gedanke in Israel nicht geruht, hat der jüdische Geist nicht gerastet, die jüdische Wissenschaft zu pflegen und zu fätt>ern. Und jeder Zeitabschnitt hat seine Literatur, und jede Periode hat ihre großen Männer, die sich und ihre Zeit der Nachwelt erhalten, und nirgendwo ist eine Lücke, und Alles greift regelrecht und regelmäßig eins in das andere ein, und durch den Schall lebendiger Ueberlieferung, nicht stummer Büchergelehrsamkert, tönt Moscheh's Wort noch heute in unfern Ohren, in denselben Lauten, in derselben Sprache, die unsere Väter am Sinai hörten. Das kleine jüdische Kind, das die Bibel in der Ursprache aufschlägt, und die Schöpfungsgeschichte aus derselben erlernt, ist der Wahrheit näher als der größte Philosoph des Alterthums oder der Gegenwart; denn das von Gott geoffenbarte Buch der Weisheit, befruchtet durch der Ueberlieferung lebendigen Quell, eignet sich zur Lectüre für die zarteste Jugend, während es der Verstand der Verständigsten nicht zu ergründen vermag und der Scharfsinn der Scharfsinnigen stets neue Quellen der Belehrung darin entdeckt. Willst du Wahrheit? die Thora ist die Wahrheit; schöpfe aus ihr dein Denken, rede und handle nach ihrer Vorschrift, und du Haft gefunden, hast erreicht, was die Weisen aller Nationen vergeblich gesucht und erstrebt haben. Literarischer Gericht. Herr Jechiel Bril in Paris, Redacteur des „Libanon", zügtan, daß er gegen eine Erhöhung des Abonnementspreises seiner Zeitung um 6 Frs. eine Anzahl alter Manuscripte, die sich in der Karserl. Bibliothek in Paris vorfinden, ediren wird. Da Herr Bril jüdischer Gelehrter und zugleich Buchdrucker von Profession ist, so wird er sich ganz außerordentlich zur Abschrift der Manufcripte und zur Correctur des Druckes eignen. Die bedeutenden Werke, die er nach und nach zu ediren gedenkt, sind folgende: 1) eine große Anzahl bisher unaedruckter Responsen von Rabbenu Hai Gaon, R. Scherira Gaon, R. Judai Gaon rc., von R. Jrzchak Alfaßi und dessen Vater R. Jakob..Faßt, von R. Jizchak bar Baruch, Rabbenu Gerschom Meor Hagolah rc rc. 2) die Entscheidungen (ll'pos) des R. Jefaias I. Mitrani in Bezug auf Seder Moed, Nrschim, Sebachim, Cholin, Menachoth, Bechoroth, Kerituth, Meilah, Tamid, Niddah. 3) die Entscheidungen des R. Jesaias bar Ekiah Mitrani (tnnxn) in Bezug auf Seder Moed, Nrschim, Nesikin, Cholin, Niddah, Zizith, Tephillin, Mesusah und Sepher Thora. 4) die Erklärung des R. Chananel auf Peßachim. 5) das Werk Haschlamah, eine Ergänzung der Halachoth R. Jizch. Faßi's von Rabbenu M eschullam. 6) Michtom le David von R. David ben Lewi Narbonne. 7) Eine noch ungedruckte Sammlung Responsen von Raschi. 8) desgl. von R. David Narbonne. 9) der zweiteTheil des Orchoth Chajim von R. Ahron ha Cohen von Lünel. 10) Kirja th Sepher von Meiri auf Sepher Thora, Milah rc.