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Der Israelit · 1867-01-02 · Heft 1 (2.1.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 1 (2.1.1867)
Date
1867-01-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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In Bayern hat der junge König sich in jüngster Zeit so huldreich gegen unsere Glaubensgenossen benommen, daß er sich dadurch alle Herzen gewonnen hat; die von einer aufgeregten Volksmenge unternommenen Excesse sind G. s. D. unerheblich geblieben und aus's Härteste bestraft worden. In Württemberg ist das jüdische Kirchengesetz noch immer nicht revidirt; die alten Mißstände dauern noch fort — es wäre endlich an der Zeit, daß dieselben ein Ende nähmen. In Baden ist, zum ersten Male in Deutschland, ein Jude ins Ministerium eingetreten. In Hessen-Darmstadt sind einige Juden in die neugewählte Kammer als Abgeordnete gewählt worden; die Zahl derselben würde noch um einen vermehrt worden sein, wenn nicht Herr Leopold Goldschmidt aus Mainz die auf ihn gefallene Wahl abgelehnt hätte. In Mecklenburg herrschen noch die alten Vorurtheile und Ausnahmsgesetze; vielleicht, daß das norddeutsche Parlament hierin eine Aenderung hervorruft. In Oesterreich hat die Gefahr des Vaterlandes bei den Israeliten eine ebensogroße Begeisterung erweckt wie bei den Bekennern anderer Confessionen; die Ausschreitungen des Pöbels in Böhmen hat die k. k. Regierung auf's Strengste geahndet. — Die italienischen und böhmischen Schlachtfelder sind mit dem Blute von 500 unserer Glaubensgenossen getränkt worden. Diese Tapferen sind den Tod für's Vaterland gestorben; möge dieses auch die so lange gedrückten Söhne Juda's als nicht mehr verstoßene Kinder aufnehmen und ihnen alle die Rechte gewähren, welche die treue Pflichterfüllung bedingt. In der Schweiz ist nach vielen Anstrengungen und Kämpfen endlich die Emancipation zur Wahrheit geworden. Was wir in Deutschland und Oesterreich noch erwarten, hat das junge Italien bereits seinen jüdischen Söhnen gewährt; unsere Glaubensgenossen haben an der neuen Gestaltung der Dinge in jenem schönen Lande einen hervorragenden Antheil genommen; ähnlich verhält es sich mit Griechenland in Bezug auf die Jonischen Inseln. In Portugal erstehen seit Jahren wieder jüdische Gemeinden unter dem Schutze der Gesetze; auch in Spanien hat es die kleine jüdische Gemeinde zu Madrid schon dahin gebracht, einen jüdischen Friedhof anlegen zu dürfen. In Frankreich fährt Kaiser NapoleonIII. fort, den erhabenen Ideen der allgemeinen Menschenliebe auch im Auslande Geltung zu verschaffen, wie sich das unlängst bei den Verfolgungen in den Donaufürstenthümern auf das Glänzendste bewährt hat. Die Alliance Isr. Univ, zu Paris gewinnt von Tag zu Tag an Ausdehnung und Einfluß. JnEngland hat der jüdische Lord-Major der Hauptstadt Londoü die Augen der ganzen Wett auf sich gezogen durch die große» Verdienste, die er sich um ferne Mitbürger während der jüngsten Cholera- Calamität erworben hat. Auch in den andern großen Städten Englands bekleidZtön Juden jenes Ehrenamt zur vollen Zufriedenheit ihrer ^Mitbürger. In Holland und Belgien danern die erfreulichen Zustände der Israeliten ununterbrochen fort. In Dänemark und Skandinavien nehmen Juden hervorragenden Antheil am staatlichen und politischen Leben. In Rußland erregte die Rettung des vielgeliebten edlen Kaisers, Alexander II., aus Mörderhand auch bei unfern Glaubensgenossen unendlichen Jubel und gab zu Dank-Gottesdiensten und andern Feierlichkeiten vielfachen Anlaß. Wohl haben unsere Glaubensgenossen genügenden Grund, für das Leben und die Gesundheit eines Herrschers zu beten, der sie von unerträglichem Druck befreit hat. In den Donaufürstenthümer» wurde den Pöbelexcessen energisch entgegengetreten; der edle Hohenzoller, Fürst Carlos I., berechtigt auch die Israeliten zu den schönsten Hoffnungen. In der Türkei werden nach wie vor unsere Glaubensgenossen mit der größten Toleranz behandelt. Mehr als je richtet sich gegenwärtig unser Blick nach dem heiligen Lande unserer Väter; die Reise des edlen Montefiore wird nicht fruchtlos bleiben. Hoffen wir. daß endlich Ersprießliches geschehe, um der Noth und dem Elende unserer dortigen Brüder entgegenzutreten und die Wiederkehr furchtbarer Calamitäten zu verhüten. In Persien haben grausame Verfolgungen und gewaltsame Bekehrungen zum Muhamedanismus stattgefunden. Die Gefahr ist jetzt G. s. D. beseitigt, und die gewaltsam Bekehrten durften zur Religion der Väter zurückkehren. Wir werden noch Näheres darüber mittheilen. In der Mongolei und Mandschurei sind die Juden schwerem Drucke ausgesetzt, der jedoch durch die Intervention Rußlands unter göttlichem Beistände bald gemildert werden wird. In Ostindien lebt eine Anzahl unserer Glaubensgenossen in großem Wohlstände und hoher Achtung; ebenso in Cochinchina; in China jedoch scheinen die wenigen, dort wohnenden Israeliten ihr Judenthum bis auf den Namen veWeffen zu haben. Schon seit Jahren existirt in London ein Comitö zur Ermittelung und Verbesserung der Zustände unserer chinesischen Stammesgenossen, das schon im Begriff war, den berühmten Reisenden Benjamin H. dorthin zu senden, als denselben der Tod ereilte. Wie wir vernehmen, wird das Co mit« jetzt seine Thätrgkeit wieder aufnehmen.

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