Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1866)
- Date
- 1866-12-05
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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822 einander, noch nicht zu einem Ganzen verschmolzen, allerdings bekannt, die man wohl las, aber ebenso, wie man auch wohl die profanen Schriften gelesen hat, deren gewiß eine große Menge exiftirten; es waren damals noch (Dan. 9, 1.), noch nicht Jetzt galt es, diese Bücher zu sondiren, die Profanschriften auszuscheiden, zu recensiren, Lücken auszusüllen und zu ordnen- Dieses war die Thätigkeit, die sich von Esra ab geltend machte und die Männer der immerfort beschäftigte. Schon unter Nehemias war die Arbeit zum größten Theile gediehen. Damals waren schon zur Aufnahme in den Kanon fertig: die früheren und späteren Propheten, die Psalmen, und bereits waren auch die später an die passende Stelle im. Buche Esra gesetzten Briefe des Koresch und Artachschas'chtah (Esra VI, 3. ff. u. VII, 12 ff.) für die Aufnahme recensirt §6). Ihre Einteilung erhielten die Bücher jedenfalls erst als sie alle durchgesehen, verbessert, beziehungsweise ergänzt waren, und dieser Punkt ist es, der jetzt unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, der Zeitpunkt, da jedes Buch als fertig für sich dastand und sich nun einem größeren Ganzen als Theil einfügen mußte. Wir müssen jetzt der ordnenden Hand folgen, um die Gründe kennen zu lernen, von denen sie geleitet wurde, um uns gleichsam die Noten zeichnen zu können, die sie bestimmten, die Tasten so und nicht anders zu greifen. Dre h. Schriften sind nach ihrem innern Gehalt geordnet: dies bezeugen uns schon die Benennungen der verschü denen Abtheilungen, die eine Stufenfolge andeuten, wie es Abrawanel so trefflich entwickelt 67). Der Werthmesser dieser Bücher ist nun nach den Alten der verschiedene Grad der Inspiration, so daß den prophetischen ein höherer Grad derselben, der des nn als den Hagiogravhen innerrohne, die unter dem Einfluß des wnpn nnentstanden seien. Obgleich Hävernik diese Annahme eine „rabbinische Grille" nennt, so werden wir doch nicht Anstand nehmen, unsere Hypothese an diesen Etntheilungsgrund anzuknüpfen, indem wir das Verhältniß der verschiedenen Jnspirationsgrade zu erklären versuchen werden. Abrawanel zählt die Eigenschaften auf, die nothwendig sind, einem Buche die Stelle unter den prophetischen Schriften zu erwerben. Erstens müsse der Verfasser des Buches ein Prophet sein, zweitens muffe er das Buch auf Befehl Gottes niedergeschrieben haben, und drittens müsse der Verfasser Dinge durch Gott selbst erfahren haben, die Andern unbekannt l seien. 62) Hierdurch erklärt Abrawanel die Stellung der ersten historischen Schriften, die deshalb unter den Nebiim ihren Platz hätten, weil bei den Schreibern derselben alle drei Bedingungen erfüllt seien. Bei dem Buch Daniel hingegen mangele es, denn wenn Daniel selbst auch Prophet war, so habe er doch seine Prophezeiungen nicht auf Geheiß Gottes, sondern aus eigenen Antrieben und zwar nur unter der Inspiration des w-ip7i nn niedergeschrieben. ^) Diese Erklärungsweise des Abrawanel hat ihre Schwierigkeiten: einerseits läßt er die Hagiographen durch eigenen Willen, ohne göttliche Veranlassung ausgeschrieben sein, andererseits läßt er wieder bei dem Niederschreiben den Hineinspielen, der nach Abrawanels eigener Definition nicht als eine freiwillige That ohne besonderen höheren Einfluß, der schon einem Befehle fast gleichkommt, aufgefaßt werden kann. Doch ehe wir an die eigene Erklärung gehen, hören wir noch einen nichtjüdischen Gelehrten, der sich auch über die verschiedenen Grade der Inspiration ausspricht. Hengstenberg, der die verschiedenen Grade der Inspiration als Eintheilungsgrund für die Bücher des Kanon aufrecht hält, unterscheidet zwischen dem prophetischen Amt, ruunus propkotiouiu, und der prophetischen Gabe, ckovurn propliotieum. Es könne Jemandem wohl das äonum propkretieuirl gegeben worden sein, ohne daß er auch das rnuuus proptietleuru gehabt hätte, doch nur die Schriften der Propheten, die auch das Ivuuus proplletieum hatten, seien unter die Nebiim gestellt worden, und von diesen auch nur diejenigen, die von den Propheten in ihrem Amte niedergeschrieben wurden. Das erste beweise die Benennung O'8'3^, die im Verlause der Zeit zum Amtsnamen des Propheten wurde, während die andern Benennungen und das äouum xroxbetiouw bezeichnten.^) Das zweite werde bewiesen durch die Ausschließung der Klagelieder. Die von Propheten verfaßten geschichtlichen Bücher seien eine Abfassung der Geschichte der Theokratie, die zugleich indirecte Weissagung für die Zukunft ertheilte und bilde die Erzählung derselben somit einen wesentlichen Bestandtheil des proph. Berufs. (Schluß f.) 68) Abrawanel, Vorr. zu den ersten Propheten. 69) Aarawanel, .-IjE/l III, 1. MLPQ -,^.-,7 -ISO.-I M1-1Q .iri'.i .... 31513- Iiipri,-! -,»823 NVPI) 13N32W Q'8'3271 s» 8-1 »'3W3.1 jv N"'"lv7I. Durch das, was wir bereits oben gesagt, daß Daniel seine Prophetien skizzenhaft niedergeschrieben habe, ist auch zu erklären, wie so Abrawanel anscheinend im Widerspruch mit dem Talmud, das Buch Daniel von Daniel selbst geschrieben sein läßt, während der Talmud die Autorschaft den Männern der umArm vindicirt. 70) Hengstenberg a. a. O. S. 28 f. 66) II. Macc. 2, 13. Vgl. m. Erkl. dieser Stelle in der wissenschaftlichen Beilage des „Israelit" 1866 Nr. 2. 67) Vgl. Abraw. Einl. in die „Ersten Propheten." Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf.-Schnellpreffendruck von I. Gottsleüen in Mainz.