Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1866)
- Date
- 1866-11-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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796 Saß daheim und schämte sich, Weil er ging so jämmerlich. Sprach das Weib zum Manne da, Alö der Sabbat schwand: „Darfst nicht länger sitzen so, In dem Schooß die Hand. Leer die Tasche, leer der Schrein, Bittrer Mangel bricht herein." „Hast studiret Tag und Nacht Gottes Wort und Lehr'; Bist geworden weiser auch, Täglich mehr und mehr. Aber, ach, der Seele Licht Stillt des Leibes Hunger nicht." „Gürte Dich und zieh* hinaus, Such* Geschäft, Gewinn! Der im Himmel sich erbarmt, Stützt den frommen Sinn. Wer nur regt mit Gott die Kraft, Dem der Herr auch Segen schafft." Sprach der Mann zum Weibe da: „Weise ist Dein Nath. Wohl dem Manne, der ein Weib Treu gefunden hat! Wohl, mein Weib, Dein Rath ist gut, Doch zur That fehlt mir der Muth." „Ach, wie könnt* ich ohne Scham Gehn nur vor die Thür*? Abgemagert, unbedeckt, Sind die Glieder mir. Darf ich wandern in die Welt, Schimpf und Schande bloßgestellt?" Und es eilt das treue Weib Gleich zur Nachbarschaft; Lehnt Bekleidung für den Wann, Löst ihn seiner Haft. Weid und Kind fleht inniglich: „Gott behüt* und segne Dich!" Langsam wandert er die Straß*, Sinnt, „Was sangen an?" Sieh, da stellt sich in den Weg Ihm ein fremder Mann. „Sei getrost!" er freundlich spricht, „Gott verläßt die Seinen nicht." „Sein Geheiß schickt mich zu Dir, Setzt Dich mir zum Herrn; Kannst gebieten über mich, Deines Glückes Stern. — Biete mich zum Sklaven feil! Bring* Dir heute Glück und Heil." Und es ahnt der Fromme gleich, Wen er vor sich hat; — Faßt als Herr den Mann und ruft Jn*s Gewühl der Stadt: „Wer den Sklaven kaufen will? Seines Gleichen gibt*s nicht viel." Spricht dann leise: „Sonderbar! Knecht verkauft den Herrn!" Ruft dann lauter als zuvor, Locket nah und fern, Und er hört nickt auf zu schrei*» Bis ein Käufer stellt sich ein. Dieser spricht zum frommen Mann, Den als Herrn er schaut: „Wenn der Sklave, kunstbewußt, Den Palast mir baut: Zehen tausend Thaler blank! Und entlass* ihn selbst noch frank." Einen Tag mit Andern hat Er am Werk geschafft; Hat gefüget Stein an Stein, Nach des Menschen Kraft. Denkt der Fromme an Kind und Frau, Langsam, ach, ersteht der Bau! Fast schon ist es Mitternacht, Sternlein glänzen hell; Fleht der wundersame Mann Bei deS Baues Stell*: „Höre mich, Gott Zebaoth! Höre mich, allmächtiger Gott!" „Nur zu Deinem Ruhme, Herr! Ward ich Unterthan; Könnt* des Frommen tiefe Noth Seh*n nicht länger an. Sprach zu ihm: „„Auf Gott vertrau!"" So vollende Du den Bau!" Sieh, da steigt vom Himmelszelt Eine Eogelschaar; Engel der Barmherzigkeit, Wie die Sternlein klar. Bauen rasch mit Engelshand, Bauen, bis die Nacht entschwand. Wie verwundert steht der Herr, Kaum dem Aug* er traut, Als er Morgens den Palast Schauet aufgebaut. Schön und herrlich! Kunstgerecht! Wort gehalten hat der Knecht.