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Der Israelit · 1866-11-28 · Heft 48 (28.11.1866) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 48 (28.11.1866)
Date
1866-11-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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767 daselbst geplündert wurde, ein Unterrock auf ihren Kopf gefallen, und da habe sie geglaubt ihn behalten zu dürfen. (Heiterkeit.) Der Knecht Niebauer hat von dem bei Fürth gestohlenen Liqueur getrunken und ist deshalb der Diebstohlstheilnahme beschuldigt. Derselbe hatte übrigens die ganze Nacht bei Fürth gewacht und ihn zu schützen versucht. Er rechtfertigt sich damit, die Frauenzimmer hätten ihm den Schnaps nur so zum Nippen gereicht. Barbara Josa, ein ganz altes, zittemdes Weib, schleppt sich mit Mühe vor den Tisch. Sie wurde im Besitze von Hirse und andern Körnerfrüchten betroffen und soll sich deshalb rechtfertigen. Die Angeklagte meint: Wenn die Gerichtsherren Alles untereinander schreiben, da kommt nichts Rechtes heraus. Ich habe hier gar nichts zu schaffen, die paar Körner haben die Kinder auf der Gaffe aufgeklaubt und mir gebracht , ich wollte sie gleich zurückgeben, es hat sie aber Niemand haben wollen. Jakob Tums, genannt Natzlitschek, ein ziemlich herabgekommener Bursche, war überall dabei, und hat sich unter den Tumultuanten recht thätig benommen. Er wußte sein spanisches Rohr mit Würde zu schwingen, und der Menge, zu deren Nachtrupp er zählte, gehörig zu imponiren. Präs.: Sie haben sich am Auflauf, am Einschlagen der Fenster betheiligt. — Angekl.: Vielleicht Hab' ich dergleichen gethan, aber gestehen mag ich's nicht. Die Aussagen einiger Zeugen stimmen mit dem Sachverhalt der Anklage überein. Darauf erwiderte der Angeklagte: Der freie Wille gehört den Zeugen, aber auch mir; sie können reden, was sie wollen; bestimmt zu reden weiß aber nur ich, und ich wiederhole nochmals: gestehen mag ich nichts. Marie Neumann, ein junges, starkes Frauenzimmer, wegen Waldfrevel einmal abgestrast, wird vorgerufen. Präs.: Man hat sie unter dem Haufen kommandiren sehen; der Gemeinderath Carl forderte Sie auf, den Haufen zu verlassen, Sie aber lachten ihm ins Gesicht. — Angekl.: Ich hörte am Ringplatze von dem Tumulte in der Judengasse; ich lief, vor Schrecken außer mir, dahin, denn ich hatte meine Kinder dort. Den Ort verlassen konnte ich nicht, denn ich fürchtete für meine Kinder. Präs.: Ein Haufen hat auf die Thüre der Hahn losgeschlagen, da schrien Sie: „Sakra, kommt daher, da sind auch Juden!" — Angekl.: Ich schrie so, um den Haufen von dem Hause wegzudringen, in dem meine Kinder waren. Ueber die Aufforderug des Gemeinderathes habe ich nicht gelacht, sondern über die Witze eines Menschen. Sie würden auch lachen, wenn Sie wüßten, was der Mensch gesagt hat. Präs.: Sie waren bei Fürth unter den plündernden Haufen und nahmen dort Kleider mit. — Angekl.: Ich dachte, die Kleider vor Verderbniß zu wahren. Am andern Tage stellte ich dieselben zurück. Den letzteren Umstand bestätigen die Zeugen. Franziska Kolar, ein junges, hübsches Weib, wird verhört. Joseph Czech, ein munterer, junger Bursche, ist der zunächst einvernommene Angeklagte. Präs.: Sie haben der Aufforderung des Aktuars, sich von der Volksmenge zu entfernen, nicht Folge geleistet. — Angekl.: Ich habe nichts Schlimmes gethan. Herr Richter, ich bin ein armer Kerl, aber halte was auf meine Ehre. Was will man von mir? Präs.: Sie haben sich den Anordnungen der Behörde nicht gefügt. — Angekl.: Ich durfte doch sehen, was in der Stadt vorgeht? Der Kommunalwachmann Milota wird vorgerufen. Er gibt an: Czech hat auch in dem allgemeinen Tumulte anfgefordert, der Juden wegen doch Niemanden zu arretiren. — Angekl.: So was ist mir nie eingefallen, zu sagen. Es erscheint nun der Angeklagte Martin Minarik. Derselbe ist ein alter, ungeschlacht gebauter Mensch mit breitem Gesichte und einer riesigen Nase. Auf seinem alten Kittel prangt eine militärische Auszeichnung. Er ist vollständig taub. Wie der Schriftführer die Anklage gegen ihn vorliest, ergreift er einen Stuhl, trägt ihn knapp vor den Schriftführer hin und läßt stch an dessen Seite ungenirt nieder. Präs.: Haben Sie vor Gericht schon einen Anstand gehabt? — Angekl.: Nie, ich bin unbescholten, habe dem Kaiser gedient, da ist mein Abschied, da habt ihr auch Zeugnisse, nehmt euch das Ganze, (resignirt) es kann nur so nichts nützen. Präs.: Sie waren Todtengräber, mußten aber entlassen werden, weil Sie den Gräbern nicht die vorschriftsmäßige Tiefe gaben. — Angekl.: Die Gräber waren schon recht, aber ich will's Ihnen nur sagen, wic's zuging. Der Pfarrer hat eine Köchin, die hat die Männer gern, ihr Liebhaber sollte Todtengräber werden, und da haben meine Gräber freilich nichts mehr getaugt. (Heiterkeit.) Präs.: Man hat bei Ihnen einige den ausgeplünderten Juden gehörige Effekten gefunden und Sie hatten es der Kommission gegenüber verleugnet. — Angekl.: Ich hab's nicht geleugnet, ich hab's vielmehr selber zurückgebracht. Ein Zeuge wird vorgerufen. Dieser gibt an: Der Angeklagte habe nicht nur geleugnet, er sei auch grob gegen die Kommission gewesen. — Angekl. (auffahrend): Keine Lügen, sonst werde ich rabiat! Präs..- Mäßigen Sie sich, der Zeuge ist glaubwürdig , er hat geschworen. — Angekl.: Er soll noch einmal schwören, und gleich im Augenblick.

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