Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1866)
- Date
- 1866-11-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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785 Allmächtigen sucht, muß er da nicht dieses Heil vor Allem seinen Kindern zu vererben streben? Und diese Eltern opfern das ewige Heil ihres Kindes um einiger materieller Vortheile willen, die sie für es zu erringen vermeinen!!! In noch viel höherem Grade versündigen sich diejenigen Eltern, welche ihre Söhne in Geschäfte geben, wo der Sabbat entweiht wird. Ein solcher Vater ist schlimmer, als derjenige, welcher im Alterthume sein Kind dem Moloch opferte. Der Vater, der sein Kind in die glühenden Arme des Götzen Moloch legte, raubte sich das Jenseits und seinem Kinde das diesseitige Leben; der Vater, der sein Kind zur Entweihung des Sabbats veranlaßt, raubt sich und seinem Kinde das jenseitige Leben. Der Molochdiener konnte seine Schandtat bereuen, sühnen und zu Gott zurückkehren, Gnade und Verzeihung erlangen — der moderne Verderber seines Kindes kann sein Verbrechen nicht sühnen, und selbst die Pforten der Buße sind ihm als O'->718 X'OiyO meistens verschlossen. „O", werdet ihr sagen, „was sollen wir thun? Wir müssen doch unsere Kinder ein Geschäft erlernen lassen, und der Geschäfte, die am Sabbat geschlossen sind, gibt es nicht viele." Wir könnten euch gar viel darauf erwidern; wir könnten euch sagen, daß demjenigen, welchem es ernster Wille ist, sein Kind nicht zu verderben, es gelingt, diesen Vorsatz auszuführen, daß Gott den Menschen aus den Weg führt, auf dem dieser wandeln will, daß derjenige findet, welcher sucht — aber gesetzt auch, ihr hättet Alles aufgeboten, und es wäre euch nicht gelungen, für euer Kind eine Stätte zu finden, wo es ohne Sabbatentweihung das Geschäft erlernen könnte, was gäbe euch selbst dann das Recht, das ewige Leben eures Kindes um materieller Vortheile willen aus das Spiel zu setzen? Wir feiern jetzt bald das Chanukah - Fest. Zur Zeit der Erreignisse, um deretwillen wir dieses Fest feiern, befand sich Israel in furchtbarer Bedrängniß; ein mächtiger König, der Beherrscher des Landes, wollte Israel zwingen, dem Glauben der Väter untreu m werden und die Gesetze Gottes zu übertreten. Viele reiche und vornehme Israeliten waren freiwillig dem Wunsche des Königs entgegengekommen, viele Andere hatten sich, ohne viel Schwierigkeiten zu machen, zwingen lassen. Da waren es die Hasmonäer und ihre Freunde, die ihre Häuser und Aecker verließen, in Wälder und Gebirge entflohen, um Gott anzugehören und Seinen heiligen Geboten. Diese wurden die Retter Israels; und wann die Lichter des Chanukah - Festes brennen, dann gedenken wir mit Stolz der edlen Vorfahren, denen Gottes heiliges Gebot höher galt denn alles Irdische. Möchten auch uns diese Lichter ins Herz hinein leuchten, möchten sie uns lehren, den rechten Maßstab anzulrgen an all unser Thun und Lasse». 'NOM' 7^2r-i Gottes Licht und Gottes Wahrheit mögen uns ermuthigen, mögen uns leiten! — Literarisches. Buchau a. F. Von dem hiesigen Herrn Rabbinen Weimann sind im Verlage des Verfassers aus allseitiges Verlangen seiner Zuhörer „fünf Zeitpredigten" erschienen, welche derselbe vom Sabbat vor O82 7IPV7N an bis '-,-2 -2 während der Kriegszeit und nach dem Friedensschluß in der Synagoge hier gehalten hat. Cs werden darin in bündigen und markigen Worten zuerst die 3 Grinden unserer Zeit, bestehend in der Entfernung von der Gottheit, von der Einfachheit und von der Einigkeit, aufgezählt und am iOM der Trost unserer Zeit durch den Glauben gespendet, daß unser Schicksal allein in Gottes Händen ruht: r<->2 'O Oim'p OiiO mro O1P' ^.n. Unmittelbar nach dem officiell publicirten Friedensschluß zwischen Preußen und Württemberg sprach der Redner vom Heil unserer Zeit und legte dem Thema den Ausspruch von Rabbi Simon (Aboth I, 48) zu Grunde, indem er nachwies, daß dieses Ziel dauernd und beseligend nur dann erreicht werden könne, wenn Wahrheit gesprochen, Gerechtigkeit geübt und Frieden gehalten wird. Am Neujahrstag kommt dann der Verfasser auf das Zählen der Zeit, deren Werth er an den Worten erläuterte: j'OiLi «)O -uv woraus er uns das Gottesgericht in den Ereignissen der Gegenwart zeigte. Schließlich wird am Vorabend von 271"' aus die Versöhnung unserer Zeit hingewiesen, und an der Hand der h. Schrift eine Versöhnung mit Gott, mit uns selbst, Versöhnung mit unserem Nächsten verlangt. — Die kleine Predigtsammlung in der Osficin des Herrn Schell in Heilbronn äußerlich gut ausgestattet, kostet nur 48 kr. und zeigt mindestens von dem Eifer des Verfassers, die Zeitereignisse auch von der allgemeinen religiösen Seite in passender Stunde zu besprechen. Getragen von den damals hochgehenden politischen Wogen hat der Verfasser die specifisch-jüdische Bedeutung der Festzeiten, an denen er die Predigten vortrug, zu sehr in den Hintergrund gestellt, statt sie ermunternd auf die Tagesneuigkeiten anzuwenden und dabei zu zeigen, daß unser altes Iudenthum eine O"N O'v "vpO ist, das uns in allen Lagen des Lebens Labung, Trost und Hilfe bringt. Nur die früheren Tage, wenn sie wiedrrkehren, die Zeiten der Frömmigkeit, wie sie das geschriebene und mündliche Gesetz vom Juden verlangt, können uns Trost, Heil und Versöhnung bringen. o-tp2 -O'O' win 721^1 ^71 -^'«771