Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1866)
- Date
- 1866-11-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447286--04670-2460138- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthun». Herausgegeben von Le-rrrarrn in Mainz. Mainz, den 28. November 5627 (1866). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs: 3 Thlr. pr. C. oder sl. 5. 16 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österreich. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt: Leitende Artikel: Tie religiösen Zustände der Gegenwart und ihre Folgen. — Literarisches. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Leipzig. Würzburg. — Oesterr. Kai ferst.: Pisek. Prag.— Italien: Modena.— England: Southampton. — China. Feuilleton: Die Sühne. Juhalt dev Betrage: Leitende Artikel: Zur Geschichte der. isr. Gemeinde in Hamburg. — Der Bericht Sir Moses Montefiore's über seine Reise in das heilige Land. — Zeitungsnachrichten und Correfpvvdenzen: Deutschland: Mainz. — Oeflerr. Kaiserst.: Wien. — Donaufürstenthümer: Bukarest. — Frankreich: Paris. Paris. Paris. — England: Portemouth. — Palästina: Jerusalem. — Amerika: Richmond. — Westindien: St. Thomas. — Senivelon: NN ",'ON V'X. Leitende Artikel. Die religiösen Zustände -er Gegenwart und ihre Folgen. ii. Mainz, den 20. November. Wir haben in voriger Nmnmer von dem grenzenlosen Elende gesprochen, dader Abfall vom Gottesgesetz in Bezug auf die Familienverhältnisse im Gefolge hat. Jenes alte, innige, poesievolle Familienleben, um das uns noch vor wenigen Jahrzehnten alle Völker beneideten und das unfern Voreltern so reichlichen und wundervollen Ersatz bot für das Ungemach der Außenwelt — eS ist aus den Häusern geschwun- I den, die da dem modernen Abfall huldigen. Wir hai den aber mit jener Betrachtung unser Thema noch nicht erschöpft, wir haben noch Manches zu beachten, das uns näher liegt als die bereits geschilderten Zustände. Vor allen Dingen müssen wir die Frage beantworten: Wie kömmt es, daß so häufig die Kinder gesetzestreuer Ellern der modernen Religionslosigkeit entgegenwachseu? Allerdings find die Ursachen dieser traurigen Erscheinung vielfach in den Verhältnissen der Gegenwart begründet; allein, das war vor Jahren mehr als heutzutage der Fall. Als der Abfall vom Religionsgesetz erst aufkam, als er, mit allem Reiz der Neuheit ausgestattet, lockte und verführte, als er sich noch unter der Maske der Bildung und der Aufklärung gab, da gelang es häufig den gottesfürchtigsten Eltern nicht, ihre Kinder vor demselben zu behüten. Die Pforten des socialen Lebens, der Kunst und der Wissenschaft hatten sich erst soeben den Söhnen und Töchtern Israels aufgethan; dazu kamen die Emancipationsbestrebungen; in den Volksvertretungen wurde vielfach der Gedanke ausgesprochen, die Juden dürsten nicht eher Menschenrechte erlangen, bis sie sich acclimatifirt hätten; die Regierungen kamen in den zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren dem Streben nach dem Aufheben der jüdischen Eigenlhnmlichkeit nicht allein entgegen, sondern leisteten ihm mit aller Macht Vorschub, die Talmudschulen wurden behördlich geschlossen, gewaltsam (manchmal mit Gensdarmen) wurden gesetzestreue Juden in sogenannte Reformtempel geführt; der Umgang mit Nichtjuden wurde als etwas überaus Begehrenswerthes betrachtet, die Söhne und Töchter, welche richtig deutsch sprachen, sogar französisch parliren könnten und ein Klavier zu malträtiren verstanden,