Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1866)
- Date
- 1866-11-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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778 lich weit über die Grenzen derselben hinaus empfunden und in seiner Bedeutung gewürdigt werden wird — seit dem 26. Cheschw. weilt Simon May nicht mehr unter den Lebenden. Wenn jemals der große Satz: -n.iv V'X 2L>ri' 15^22, auf einen Mann hat Anwendung finden können, wenn je Pflichteifer und Berufstreue und Hingebung für die Interessen der Gesammthsit einen Sterblichen geadelt, so ist es der Geschiedene, der mit seltenem Ernste, seltener Energie und vor Allem mit seltenem Verständniß der Zeit und der Verhältnisse überall da zu finden war, wo es galt, die Fahne des Judenthums zu vertheidigen, unermüdet namentlich da emtretend, wo im Schootze der eignen Gemeinde der jüdischen Sache Gefahren drohten. Durch seine geschäftliche Stellung als Chef eines der bedeutendsten Häuser Hamburgs vielfach in Anspruch genommen, verfolgte er doch mit dem lebhaftesten Interesse und mit der wärmsten Hingabe jede geistige, wissenschaftiche Bewegung und sein dem Guten und Wahren geöffneter Sinn, sein allem Schönen und Erhabnen warm entgegenschlagendes Herz machten ihn zu einem Menschen, dem nichts Menschliches fremd blieb. Aber mit dieser Empfänglichkeit für jegliche echt humane Richtung und Regung verband sich in ihm ein tief jüdischer Sinn: sein ganzes geistiges Leben wurzelte in dem Boden jüdischer Wahrheit, seine Welt- und Lebensanschauung rankte an den ewigen Wahrheiten unserer Propheten und unserer Weisen empor und sein ganzes inneres Streben und Schaffen gipfelte Ln dem Bemühen, im Lichte dieser Wahrheit Natur und Geschichte zu erschauen und in ihr den Maßstab zu finden, nach dem das wahrhaft Menschliche und Ewige in der geistigen Bewegurg unserer Zeit zu bemessen sei. Und wo es nun galt, diese Wahrheit zu vertheidigen und zu verfechten und namentlich wo es galt, ihr die Zukunft zu sichern, die Jugend ihr zuzuführen: da war es Simon May, dessen Kraft man nie auf dem Kampfplatze vermißte, der, durchdrungen von der Wahrheit, daß alles Heilder Zukunft auf '-w ori's b2ii beruhe, mit aller Energie dahin zu wirken bemüht war, daß mit jüdischem Sinne sich das Herz unserer Jugend erfülle und der, wie er selbst in seinem Leben die Vereinigung einer keineswegs dilettantischen, einer ächt wissenschaftlichen Bildung mit Begeisterung und Liebe für die Aufgabe und den Beruf Israels verband, auch für s>->n c>p n"r> die Heranwachsende Generation erzogen und begeistert wissen wollte. Seine Thatkraft zu entfalten, bot sich ihm Gelegenheit in seiner Stellung im Gemeindevorstande, im Verwaltungscomitä der von ihm mitbegründeten jüdischen höheren Bürgerschule, der er mit besonders regem Interesse bis zu den letz ten Augenblicken seines Lebens zugewandt blieb und bei vielen einzelnen Veranlassungen, wo das Vertrauen seiner Mitbürger ihm eine hervorragende Stellung gegeben. — Aber nicht allein die intellektuelle Seite seines geistigen Lebens, nicht allein seine Thatkraft und sein Wille — mehr noch ist es sein Charakter, sein reiches und warmes Gemüth, das denen, die ihm näher zu stehen Gelegenheit gehabt, seinen Verlust so unendlich schwer erscheinen läßt. Was er im Kreise der Seinigen war, wie sich da auf Grund wahrhaft jüdischen Sinnes ein wahrhaft jüdisches Familienleben aufbaute und wie jener alte Bileamssegen; 2pp> idnx wv ,12 an seinem Hause sich bewährte, wie er der .iirci und der.in-», die er in weitesten Kreisen zu fördern bemüht war, in seinem Hause eine Stätte bereitet — das kann und darf an dieser Stelle nur berührt werden. Daß seine Hisse Jedem sicher war, der sie in Anspruch nahm, daß er ächt jüdische .ip-i-r nach allen Richtungen hin kannte und übte, lag schon in der tief religiösen Richtung seines Geistes; demjenigen aber, dem er sich näher anschloß, zeigte er ein warmes Gefühl, ein von echter Humanität durchdrungenes Herz, zeigte er vor Allem jene echt jüdische Heiterkeit des Sinnes/ die nicht in zersetzender Verachtung der Welt und des Lebens wurzelt, nicht in allen Erscheinungen der G schichte und des Einzellebens nur einen Gegenstand der Satyre erkennt, sondern die ausgeht von dem Gedanken, daß all' die einzelnen Erscheinungen, die dem sterblichen Auge sich bieten, nur Glieder sind in Gottes großem Weltmplan und die mit Vertrauen der Zukunft entgegensieht, von der sie weiß, daß nach demselben Plane sie sich gestaltet. Diese Gesinnung verließ ihn nie, gab ihm selbst in den schwersten Stunden seiner jüngsten Krankheit Kraft und Ausdauer und hielt ihm mitten unter körperlichen Leiden den Muth und die Frische des Geistes aufrecht. — Und dieselbe Gesinnung, sie allein vermag auch alle die zu trösten, welche an dem Geschiedenen so viel, so unendlich viel verloren. Möge — und daS ist der würdigste Wunsch, um sein Andenken zu ehren — möge der Geist, der ihn durchwehte, immer mehr und mehr sich ausbreiten, möge die Sache, der er diente, mehr und mehr Boden gewinnen und möge das, was er geschaffen, fester und fester wurzeln und in seinem Geiste gedeihen. Dann bedarf es nicht mehr des erinnernden Wortes; seine Thaten sind ihm Denkmäler dauernder als Erz und Stein pmp pn (Auch ich, der Redakteur dieser Blätter, habe in dem Dahingeschiedenen einen theuren Freund, den ich von meiner frühesten Kindheit an kannte, ehrte und lieble, verloren p'is — Oesterreichischer Kazserstaat. Wie«. In der vorgestrigen Nummer des „P. Hirnök" wird das Kondolenzschreiben veröffentlicht,