Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1866)
- Date
- 1866-11-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^6 ÄS- Der Israelit. Ein Central - Organ ^är das orthodoxe Jndenthnn» Herausgegeben von Lehmann in Main;. Mainz, den 7. November 5627 (^66). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs: 3 Thlr. pr. C. oder fl. ö. 15 kr. rh. Man abormirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichiiche Banknoten laut Cours. Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österreich. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt: Leitender Artikel: Ein Reform-Rabbiner, beschuldigt, in öffentlicher, nichtjüdischer Restauration verbotene Fleisch-Speisen genossen zu haben- — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Unterfranken. Kassel. Lauten. — Frankreich: Paris. — Australien: Melbourne. — Feuilleton: Haphtara Jonah. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Ter Bericht Sir Moses Montefiore's über seine Reise in das heilige Land. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Altona. — Oesterr. Kaiser st.: Aus Mistek. Prag. Pisek. — Leitender Artikel. Ein Reform-Rabbiner, beschuldigt, in öffentlicher, nichtjüdischer Restauration verbotene Fleisch-Speisen genoffen zu haben. Mainz, den 2. November. Es war mir gestern die Gelegenheit geboten, einen tiefen Einblick in die religiösen Zustände der Gegenwart zu thun, der mich in tiefe Betrübniß versetzt und mir zu der Frage Veranlassung gegeben hat i Wohin wird die sogenannte Reform noch gelangen? Auf Requisition des hiesigen Herrn Generalstaatsprocurators war der Herausgeber dieser Blätter vor! das Großh. Hofgericht, nach Darmstadt geladen, um! daselbst als Sachverständiger in einer Klage des Rabbiners vr. Julius Landsberg gegen Lazarus Löb von Pfungstadt wegen Verleumdung ein Gutachten abzugsben. Donnerstag, den t. November, Morgens 9 Ulr, begannen die Verhandlungen und währten volle vier Stunden. Herr Lazarus Löb war angeklagt, in der Synagoge nach dem Schluffe des Gottesdienstes öffentlich ausgesprochen zu haben, Herr Rabbiner vr. Landsberg habe in einer nichtjüdischen Frankfurter Restauration verbotene Fleischspeisen (Kalbscarbonnade oder Cotelettes) genoffen. Hieraus strengte der Beschuldigte eine Verleumdnngsklage an, in der Klageschrift hervorhebend, daß, falls die Beschuldigung wahr sei, es ihm unmöglich würde, sein Amt ferner zu verwalten, da er die Schächter zu prüfen und die Aufrechterhaltung der Speisegesetze zu überwachen babe. In Folge davon war der Beklagte vom Großh. Landgerichte zn einer Geldstrafe mn 5 fl. verurtherlt worden, wogegen er j.dock Appellation anmeldcte. Gestern nun kam die Angelegenheit beim Eroßherzogl. Hofgerichte zur Verhandlung. Herr Hofgericbtspräsident Decker suchte vor Beginn derselben die Parteien zn ver öhnen. Herr Lazarus Löb weigerte sich jedoch, aus Die Appellation zu verzichten, da es ihm als eine Principieniache erscheine, die beregte Angelegenheit zum Austrag zn bringen; ebenso weigerte sich Herr Di-. Landsberg, die Klage fallen zu lassen, da man sonst die behauptete Thatsache für wahr halten wurde. Das Zeugenverhör ergab nun Folgendes: