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Der Israelit · 1866-10-03 · Heft 40 (3.10.1866) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 40 (3.10.1866)
Date
1866-10-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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660 Österreichischer Kaiserstaat. Loschitz, (Mähren.! Ueber einen Judenkrawall, der am 13. ds. statlfand, wird berichtet: Als am letzien Donnerstag einge betrunkene Bauerzwei Preuß.n anfielen, sich ihrer Zündnad lgeweh e bemächtigt n, mit denen sie auf der Straß*- nach Loschitz gingen, begegneten sie dem Sohne eines hiesigen israelitischen Bürgers M. zu Pferde und fingen nun mit diesem Hänorl an, indem sie ihn einen Spion nannten, vom Pse,de herunterrissen und mU den Gewehren io erbärmlich zurichteten, daß er halb odt auf d-m Boden liegen blieb Durch das Geschrei hatte sich nun ein nicht zarter Pöbelhmfe h ranged ängt, w-lcher die zu Hülfe herbei aeeils Familie des ju gen Mannes mißhandelte. Wie sich später he ausst llte, war unt r ixr Hefe ^es Volkes eine förmliche Verschwörung gegen die Juden angezettelt wo den. Der Rabbiner der israelitischen Gemeinde begab sich, die drohende Haltung des Pöbels nicht scheuend, auf das Nathhaus, um Hülfe und Schutz für die Jude - b ttend. Der Pfarrer und Bürgermeist r begaben sich sogleich auf die Straße und ihrem gütigen Zureden gelang es, die au'g?regte Volksmenge zu zerstreuen. — Schon war Alles ganz ruhig, als eine neue Schreckensbotschaft die Aufregung wieder anfachte. Ein hiesiger Insasse wollte nämlich sein angeblich für die Juden geladenes Gewehr yrobiren und traf damit aus Versehen einen christlichen zwölfjährigen Knaben, der wglerch mit den heil gen Sterbesaccamenten versehen werden mußte. Bei dieser Glegenheit hie l nun der Herr Pfarrer ine Ansp,cche m das Vol', indem er dicken Vorfall als einen göttlichen Fmg rzeig dacktellte -- Die gerichtliche Untersuchung ist bere ls kmgeleitet, viele Jnculpaten sind schon gbänglich eingezrgen und die Ruh-- w> der hergestellt. S. A Von Uvtervi<ra bei Mühlbach meldet die „Gazeta", daß der absolvirte Kleriker und Lehrer der Gemeinde Unterpian, Abraham Benna, in einem Alter von 25 Jahren am 6. September des Abends zwischen 8 und 9 Uhr von einem italienischen Pflasterer in Mühlbach erstochen worden ist. Benna wurde nämlich Nachmittags 6 Uhr auf dem kleinen Platze in Mühlbach von dem italienischen Pflasterer beleidigt. Die Beleidigung führte zu einem Streit, dem jedoch alsbald durch die Zuschauer und Polizeimänner ein Ende gemacht wurde. Hierauf begab sich Benna mit dem Hermannstädter Juristen Nikolaus Mihu in ihre Behausung. Um 8 Uhr Abends gingen beide mit einander aus und bald hierauf gegen die Stadt, Benna aber rückwärts in seine Behausung. Plötzlich hörte man den Hilferuf des Benna: Haltet ihn, er har mich erstochen. Benna, von zwei Stichen des Italieners getroffen, fiel sogleich todt zu Boden. Die Stiche wurden dem Beuna, der keine Gefahr ahnte, meuchlings beigebracht. Der Mörder wurde von Nikolaus Mrhu verfolgt und sofort mit requirirtem Beistand arretirt. Batovkeß (Ungarn). 'n cv' wurde unsere Gemeinoe von einem großen Unglücke getroffen. Gegen Uhr Morgens, als bereits ein großer Theil der Gemeindemitglieder, sowohl Männer als Frauen, mit unserem ehrenwerthen Herrn Rabbiner an der Svitze, in den hell erleuchteten Räumen unseres andächtig sich befanden, die meisten aber eben zum Besuche desselben sich anschickten, entlud sich unverhofft eine Gewitterwolke, und das Werk einiger Augenblicke war es, daß ein alles erschütterndes Gskrach vernommen wurde, und ein schlängelnder Blitzstrahl niederfahrend, die äußerste Dachspitze des r>'2 streifend, dieselbe in Brand steckte. Zum großen Glücke, war die Synagoge noch nicht so sehr gefüllt, daß beim ersten Schrecken, beim Hinausdrängen aus derselben, körperliche Verletzungen vorgefallen wären, auch hat das Feuer durch das ungewöhnliche Strömen des Regens nicht so schnell um sich greifen können, das nicht alle Tniri sowie alles andere Werthoolle. aus den bis zum Grunde niedergebrannten Räumen, ohne besonders Gefahr gerettet hätte werden können. — Unbeschreiblich jedoch ist der Anblick, der sich unserer*) Gemeinde, während des IVr Stunden währenden Brandes darbot. Die ganze Gemeinde, vermehrt durch die in dem ziemlich großen Bezirke wohnenden Familien, Jung und Alt, Männer und Frauen, Klein und Groß, theilweise in ihren Sterbekleidern umringte händeringend, weinend, klagend und jammernd, von den mächtigen Regengüssen durchnäßt, verzweiflungsvoll die Brandstätte, trauernd — Möge es nie mehr dem Herzen eines echten daserleichtert und gehoben schon in dem Bewußtsein sich fühlt, daß es nun ungestört sich der Buße und Andacht hingeben könne, so ergehen, wie es uns ergangen. Erst gegen 8 Uhr. als! die Gemüther von den ersten Schrecken sich ein Wenig erholt hatten, wurde aus Mangel einer alleumfaffenden Räumlichkeit in verschiedenen Privathäusern das und Gebet verrichtet, welches dadurch am meisten Schwierigkeiten bot, daß die Gemeinde nur im Besitze eines Schofar's geblieben war. Unsere Gemeindeverhältniffe wurden in pecuniärer Beziehung durch dieses Unglück äußerst erschlittert, und wenn nicht ->rir< -napi .-n->, so müßten wir die Hoffnung auf den Besitz einer Synagoge auf mehrere Jahrzehnte hinausschieben. Denn vor wenigen Jahre erst hat die Gemeinde die Synagoge. welche sie früher gepachtet hatte, auf ratenweise Zahlungen angekauft; von diesen ist noch der *) durch die grassirende Cholera ohnehin so sehr erschütterten

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