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Der Israelit · 1866-09-05 · Heft 36 (5.9.1866) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 36 (5.9.1866)
Date
1866-09-05
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Eompletirung des Kanon durch die Ordnung der Bücher zu einem Ganzen abgerundet habe. Denn wenn wir nur das Motiv uns zu erklären suchen, warum diese Versammlung an der Eompletirung der hh. Schriften gearbeitet habe, so werden wir einsehen, daß diese Thätigkeit ohne das Ordnen der Bücher eine halbe gewesen wäre. Kann denn etwa ein anderer Beweggrund für die Thätigkeit' dieser Versammlung gedacht werden, als daß dieselbe fest entschlossen war, dem Volke, das soeben wieder in sein Land zurückgekehrt, jetzt durch eine feste Norm, durch ein Band zusammengehalten werden mußte, ein Werk, ein heiliges Werk in die Hand zu geben, eine Nalionalbiblothek demselben zu gründen, daß es in den Schriften lese, durch diese sich stärke und stähle, so daß das zwischen ihnen und ihrem Herrn, zwischen ihnen und Gott gelockerte Band, sich wiederum neu knüpfe?! Der Geist des Volkes, getrübt durch fremde Einflüsse, inficirt vom chaldäischen Aberglauben, war dem Eigentümlichen, dem Heimathlichen entfremdet worden, ja es war so weit gekommen, daß die Söhne Israels in der kurzen Dauer des babylonischen Exils das durch Mose gegebene göttliche Gesetz vergessen hatten, wie wir im B. Esra lesen. Diesen abgewendeten Geist konnte nicht allein das einfach geschriebene göttliche Gesetz, das nur zum Verstände und nicht zum Gefühle sprechen will, in die rechte Bahn wieder lenken: hier mußten hervorgeholt werden die *) vaterländischen Poesien, die Stimmen der alten Propheten, die verstummt, die Lieder Davids, die verklungen waren. Jesaias mit seiner Rede künstlerischem Schwünge, Jeremias mit seiner vernichtenden Donnerstimme, Ezechiel mit seinen plastischen Bildern einer schönern Zukunft, Josua mit seinen Großthaten, die Richter mit ihrem Heldenmuthe, David mit seiner gottbegkisterten Harfe, Salomo mit seiner Weisheit, die übrigen Könige mit ihren abschreckenden und ihren anziehenden Thaten; alle diese wußten aus ihren Gräbern steigen, um dem Volke das zu geben, worauf die Bildung eines gesunden Staates und eines gesunden Staatenlebcns erst möglich ist —«Liebe zum Vaterlande, Liebe zu Gott. Sie mußten aber auch hervortreten die alten Bilder der Vergangenheit in ihrer ganzen Schönheit und Pracht, in ihrer ganzen Herrlichkeit und Majestät, daß daS Volk in einer etwa sich erneuernden Katastrophe nicht untergche, daß es, in der Gegenwart stehend, doch unerschütterlich in der Vergangenheit wurzele, daß es in einer etwa kommenden Zerstreuung dennoch ein Ganzes bilde, zusommengehalten durch dos ihm gewordene Nationalwerk, daß es sich alsdann labe an dem Gesänge seiner alten Meister und *) dem Nl"i entstammenden . . . Red. sich kräftige an den ruhmvollen Thaten seiner alten Helden. — Wenn nun die Männer der die hl. Schriften nur completnt und überarbeitet hätten, sie hätten aber nicht auch dieselben gesammelt und geordnet um so dem Volke ein Ganzes zu übergeben, dann wäre ihre Thätigkeit nur halb, ja vielleicht bedeutungslos gewesen. Wer weiß, ob nicht die hl. Schriften dasselbe Schicksal erfahren hätten, wie der größte Theil der jüdischen Werke, die nicht durch die Hände der Männer der „großen Versammlung" gegangen find, das Schicksal des Bergeffenwerdens. — Das Ergebniß unserer bisherigen Betrachtungen fassen wir nun dahin zusammen: Der Kanon ist nicht allmählich, sondern in einer Zeitcpoche unter der Aufsicht und durch die Anordnung einer und derselben Autorität, der k^osßvxs wsgua, entstanden. Gehen wir jetzt zu der Beantwortung der zweiten Frage über, ob denn Daniel überhaupt als Prophet gegolten habe, so daß die Stellung seines Bucheunter den Kelhubim wirklich befremdend sei. (Fortsetzung folgt.) Das Schachspiel im Taimuö. Wie alt ist das Schachspiel? Manche wollen behaupten, cs sei schon den alten Aegyptern bekannt gewesen, da sich unter den Hieroglyphen Abbildungen eines ähnlichen Spieles vorfinden; gewöhnlich nimmt man jedoch an, daß das Spiel sich erst im 6. Jahrhundert der gcw. Zeitrechnung von Indien aus verbreitet habe. — Den Freunden dieses geistvollen Spieles wird cs nun wohl interessant sein, zu erfahren, daß dasselbe bereits im Talmud erwähnt wird. Im Tractat Kctuboth nämlich lehrt die Mischnah, daß die größere oder geringere Thätigkeit der Frau von der Anzahl der Mägde abhängig ist, die sie als HeirathSgut mitgebracht hat; R. Eliescr lehrt, daß wenn die Frau auch 10V Sklavinnen besitzt, sie dennoch arbeiten muß, denn der Müßiggang führe zur Unzucht; Rabbi Schimeon ben Gamliel sagt: der Müßiggang führet zum Wahnsinn; in der Gcmara nun (k. 61 d.) wird dargelegt, daß der Wahnsinn nicht immer Folge deS Müßiggangs zu sein braucht, da Schooßhündchen oder Schachspiel der Dame Unterhaltung gewähren können, während jedoch solche unnütze Beschäftigungen dem Hinneigen zur Sünde nicht Vorbeugen. Das Schachspiel heißt hier was Raschi mit öekees, Schachspiel, wiedergibt; die vom Talmud gebrauchte Bezeichnung des genannten Spieles ist persisch. Verantwortliche Redaction: Vr. Lehmann. -- Verlag der Le Rauschen Hofbuchhandlung. — Dampf.»Schnellprefsendruck von 3. Gotttleöen in Mainz.

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