Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1866)
- Date
- 1866-08-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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^WMWMWWWDMWW S61 und nicht der Herr", erwiderte ich. Er bedauerte herzlich, daß ich in einer so traurigen Zeit gekommen, indem er sagte: „Ach, mein Herr, der Gelehrte kommt zu einer Zeit, die uns nicht nach Wunsch ist — doch Gott ist die Hilfe!" Freundlich luv er mich ein, sein Brod zu theilen und Kaffee mit ihm zu trinken. Nachdem ich mich so erquickt hatte, sagte er zu mir, daß es für mich rathsam sei, den Marktplatz zu verlassen, denn die Einwohner blickten scheel auf den Fremden. Meine Neiseeffekten mußte ich ihm vorderhand überlassen und ebenfalls ein schwarzes Talith anziehen, damit mich Keiner für einen Ausländer ansehe. Sein Sohn sollte mich nach seiner Wohnung begleiten, die oben auf einem Berge, den er mir zeigte, liegt. Auch gab er dem Jüngling Mundvorrath für den Weg mit. Mir kam dies sonderbar vor, denn ich hatte doch soeben erst gegessen, und die ganze Entfernung schien mir höchstens die einer Stunde Weges zu sein. Ich brannte vor Begierde, hinauf zu unfern Brüdern zu steigen und mir ihr Leben und Treiben zu veranschaulichen, das noch Keiner aus unserer Mitte gesehen hat. Nachmittags nahm ich den Wanderstab und lief eiligen Schrittes dem Ziele meiner Wünsche zu. Nachdem ich ungefähr eine Stunde so gelaufen war, kam ich erst an den Fuß des Berges. Schon war ich müde, jedoch trieb mich die Sehnsucht und beflügelte meine Schritte. Auf Händen und Füßen kroch ich den steilen Berg hinauf. An dem Steingerölle und den scharfen Felsen verletzte ich mir die Füße, während der Knabe mit seiner schweren Last barfuß wie ein Reh daher hüpfte, ohne nur im Geringsten ermüdet zu sein. Auf unserem ganzen Wege begegneten wir keinem Menschen. Hatten wir einen Hügel erklommen, so lagen uns wieder neue Anhöhen im Wege. Fragte ich den Knaben: „Wie weit haben wir noch zu gehen?" so war die monotone Antwort „Immer noch eine Weile". Mehr als einmal warf ich mich in's Gestrüppe nieder, um auszuruhen, während die Sonne glühende Strahlen aussandte. Immer wieder ermannte ich mich und raffte den Rest meiner Kräfte zusammen, um de» Weg fortzusetzen. Gegen Abend kamen wir endlich auf den Gipfel des Berges. Dort steht das Haus eines Glaubensgenoffen, Namens Jehuda, der ei» Goldschmied ist. Die nächste Umgebung des Dorfes bildet ein Wald von Kqffeebäumen, deren Blüthen lieblich in der Abendlust dufteten. Der Knabe führte mich in das Haus des Mannes, der mich mit seiner ganzen Familie aufs Freundlichste empfing. Nachdem er mich mit frischem Rsisbrod und mit Kaffee bewir- Lhet hatte, lud er mich ein, die Nacht in seinem Hause zuzubringen, da die Wohnungen der übrigen Juden noch weit entfernt seien und er mir ansehe, daß ich ermüdet sei. Der Knabe jedoch war sich feiner Botschaft bewußt und hatte mich so lieb gewonnen, daß er dies nicht zugab. Ich selbst wollte lieber heute noch in die Stadt gehen. Wir machten uns wieder auf die Beine. Indessen war es Nacht geworden- Beim Hellen Mondscheine kamen wir, nachdem wir abermals tüchtig gegangen waren, in das HauS des Rabbi Jechijah. Sofort brachte man mir Wasser, Gesicht und Hände und Füße zu waschen; auch schimna gaben sie mir, meine wunden Füße zu salben. Auf einer Matratze von Palmblättern, die man mir ausgebreitet hatte, ruhte ich mich aus. In der ganzen Stadt hieß es: „Ein Ch acham — Weiser — ist in die Stadt gekommen." In der Synagoge, die sich im Hofe des Rabbi Chijah befindet, hatte man noch nicht Maarib — das Abendgebet — verrichtet, denn die Leute waren noch nicht vom Markte zurückgekehrt. Nach anderthalb Stunden kam auch der Mann mit seinem Sohn nach Hause. Abermals empfing er mich, wie eine» Engel Gottes. Möge ihm Gott fein Thun vergelte«. (Fortsetzung folgt.) M L L I « L /Lin geprüfter Elementarlehrer und Eantor sür eine Landgemeinde wird zum sofortigen Eintritt gesucht. Besoldung fix 200 Thlr. Für die zu übernehmende werden außerdem 40 Thlr. bewilligt. Reflectanten haben ihre Zeugnisse an den Herrn Rabbiner Vr« Schwarz in Cöln einzusenden. <7^n der hiesigen Gemeinde wird die Stelle eines Rex) ligionslehrers, Schächters und VorbeterS mit dem 1. Januar 1867 vacant. Das Gehalt ist auf ein Fixum von 400 Thlr. normirt, und können die Nebeneinkünste auf mindesten- 300 Thlr. angegeben werden. Geeignete Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse baldigst bei dem mitunterzeichnete» Rendanten Wolffheim melden. Lyck, den 10. August 1866. Der dc^ Kreis - Synagogen- Wemeürde. Wolffheim. M. Guttberg.